© David Taneèek/CTK/dpa
Ein umgestürzter Baum in Hradec Králové (Tschechien)
Durch den Herbststurm Herwart sind drei Menschen ums Leben gekommen. In Deutschland wurden fünf Menschen verletzt. Es sind viele Bahnstrecken gesperrt.

Durch den Herbststurm Herwart sind bisher drei Menschen ums Leben gekommen. Eine Frau wurde bei einem Waldspaziergang nahe dem tschechischen Třebíč (Trebitsch) in Mähren von einem Baum erschlagen. Ein Mann starb, als er in der tschechischen Kleinstadt Jičín (Jitschin) in Nordböhmen ebenfalls von einem Baum getroffen wurde. Das berichtete die Agentur CTK unter Berufung auf Rettungskräfte.

Hunderttausende Haushalte waren in ganz Tschechien ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. Zudem starb im polnischen Westpommern ein weiterer Mann an den Folgen eines Autounfalls. In Deutschland sind bislang fünf Verletzte bekannt.

Die Deutsche Bahn musste wegen Sturmschäden ihren Zugverkehr weiträumig einstellen. Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde hatten am Sonntagmorgen Bäume umstürzen lassen, Äste waren in Oberleitungen gekracht. Deshalb führen derzeit keine Züge mehr in großen Teilen Nord- und Mitteldeutschlands, teilte ein Bahnsprecher mit.

Vor allem der Fernverkehr ist von den Sperrungen betroffen - praktisch alle Strecken in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind vorübergehend geschlossen. Züge aus anderen Regionen in diese Gebiete endeten vorzeitig. "Vor dem Nachmittag werden im Fernverkehr voraussichtlich keine Züge fahren", so die Bahn weiter. Reparaturtrupps seien bereits mit Kettensägen vor Ort, Hubschrauber zur Streckenkontrolle im Einsatz. Wie lange die Einschränkungen andauern werden, war nicht absehbar.

Am Hamburger Hafen trat die Elbe über das Ufer. Der Wasserpegel lag am Vormittag bei drei Metern über dem mittleren Hochwasser, wie aus einer Beobachtung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie hervorgeht. Der Hamburger Fischmarkt musste geschlossen bleiben. Die Berliner Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus. Ein Sprecher begründete dies mit der Vielzahl der Einsätze, allein zwischen vier und sieben Uhr seien es 100 gewesen.

A8 teilweise gesperrt

Wegen starker Windböen in Frankfurt musste ein Airbus A380 der Lufthansa außerplanmäßig in Stuttgart landen. In Dresden verzögerte sich wegen des Sturms der Anpfiff des Duells in der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Dynamo Dresden und Eintracht Braunschweig um zweieinhalb Stunden.

Zudem musste ein Teil der A8 in Oberbayern gesperrt werden. Grund dafür sei die Gefahr umstürzender Bäume, wie die Polizei mitteilte. In Berlin sind unter anderem der Zoo und der Tierpark betroffen. Herabfallende Äste des alten Baumbestandes könnten eine Gefahr für Besucher sein, hieß es in einer Mitteilung. Die Tiere würden vorsorglich in Häusern und Stallungen untergebracht.

Herwart ist bereits der dritte Herbststurm des Jahres. Seine volle Kraft dürfte er nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Deutschland im Laufe des Sonntagvormittags entfalten. Demnach sollten Spaziergänger Ausflüge in den Wald meiden. Insbesondere an der Nordseeküste sowie im höheren Bergland müsse mit Orkanböen gerechnet werden, so die Meteorologen. Die Lage soll sich erst in der Nacht zum Montag allmählich entspannen.

Voraussichtlich fällt Herwart nicht ganz so stark aus wie Xavier. Dieser hatte Anfang Oktober zu schweren Schäden in ganz Deutschland geführt. Mehrere Personen starben an den Folgen des Unwetters.