Kürten - Die bergischen Bergbau-Experten sind sich sehr sicher, dass die jüngsten Absenkungen und Setzungen auf einer Wiese nahe Dürscheid mit historischen Stollen "nicht das Geringste" zu tun haben. Fachmann Herbert Stahl aus Bergisch Gladbach verweist auf die Koordinaten der Stollen, die sich nicht mit den Absenkungen deckten; auf den Karten, die ihm vorlägen, sei die Lage der Gruben sehr deutlich eingezeichnet. Sie sei auf keinen mit den Absenkungen in Verbindung zu bringen.
So habe er es auch den Mitarbeitern des Bergamts bei der Bezirksregierung Arnsberg auf Nachfrage mitgeteilt. Stahl gilt als Spezialist für die Geschichte der Grube Katharinaglück, deren Geschichte er im Buch Das Erbe des Erzes Band 3 nachzeichnet. "Es gibt keinen Zusammenhang zur Grube", stellt er fest. Vielmehr hingen die Krater auf der Wiese zusammen mit der Geologie der Paffrather Kalkmulde.

Die Lage der Senken zwischen Dürscheid und der Streusiedlung an der Wipperfürther Straße spreche auch für ihn gegen alte Stollen, bestätigt der Kürtener Heimatforscher Kunibert Förster die Aussage Stahls. Der Verlauf der unterirdischen Gänge sei bislang in diesem Abschnitt nicht nachgewiesen worden.

Dass hingegen ein Bachlauf im Untergrund verschwinde, sei in den Randgebieten der Paffrather Kalkmulde, zu der Dürscheid gehöre, nichts Ungewöhnliches. Förster berichtet von einem Bach nahe des Nachbarorts Miebach, der ebenfalls am Hang "verschwinde". Eine Bachschwinde komme im Bergischen "immer mal wieder" vor.

Mit Pferd eingebrochen

Gewährsmann für alten Tagebau in dieser Ortslage ist der Dürscheider Geologe Professor Dr. Helmut Lieth (gestorben 2015), in dessen Eigentum sich die Wiese viele Jahre befunden hatte. Lieth berichtete wiederholt, dass angeblich unter der Wiese ein Stollen verlaufe. Sein Vater sei mit seinem Pferd dort einmal eingebrochen.

Der Rheinisch-Bergische Kreis hat den Vorgang unterdessen zu den Akten gelegt. Die seit Mittwoch mit Baustellenzäunen gesicherten Brüche habe der Eigentümer mit Filterkies zu verschließen, berichtet Kreissprecher Alexander Schiele. Die Absenkungen seien aus Sicht der Kreisverwaltung "nicht dramatisch".