Meditationen und einige ihrer Vertreter versprechen heute sehr viel und oftmals mehr, als sie in Wirklichkeit leisten können: Wir sollen durch sie u. a. achtsamer, weniger aggressiv, konzentrierter und bessere Menschen werden. Doch eine Untersuchung von Miguel Faria endet mit folgendem drastischen Fazit: "Meditation macht dich kaum zu einem besseren Menschen." Überrascht?
meditation, wald
© Gustav Gullstrand/Unsplah
Der Meditationsforscher und sein Team untersuchten dabei 20 Studien, die sich mit Meditationen befassten, näher:
In der Metaanalyse von Farias' Team zerbröselten diese guten Befunde jedoch. Einzig der Zusammenhang zwischen Meditationspraxis und dem Faktor «Compassion», das Bedürfnis anderen zu helfen, hielt einer ersten Analyse stand.

Nicht jedoch einer zweiten, detaillierteren: Meditierer schnitten in diesem Punkt zwar zunächst besser ab, wenn man sie mit einer passiven Kontrollgruppe verglich. Aber brisanterweise nur dann, wenn der Meditationslehrer gleichzeitig zu den Studienautoren gehörte.
Das bedeutet, dass viele der Forscher einem groben wissenschaftlichen Fehler unterlagen - dem sogenannten Bestätigungsfehler - und natürlich bei ihren Untersuchungen ihre eigenen Meditationsformen nicht schlecht abschneiden lassen wollten.
Seine aktuelle Übersichtsstudie zeige nun aber zum ersten Mal, dass nicht nur Laien, sondern auch die Meditationsforscher selber überzogene Erwartungen hätten. Damit würden sie unwillentlich die Studienresultate verzerren, sagt Farias.
Eine weitere Untersuchung wurde von Marieke van Vucht von der Universität Groningen durchgeführt, die zu einem ähnlich kritischen Ergebnis kam:
Der Titel: «Mind the Hype», [Link öffnet in einem neuen Fenster] - nehmen Sie sich in Acht vor dem Hype und den damit verbundenen Heilserwartungen, die selbst vor den Teppichetagen von Grosskonzernen nicht haltmachen.

Ihre Kritik ziele nicht auf die Meditationstechniken an sich ab, sondern auf schlecht ausgearbeitete Studien-Designs, sagt van Vugt, die selber regelmässig meditiert. Meditationsforschung sei ein junger Zweig. Vieles müsse noch verbessert werden. Es brauche dringend Studien mit grösseren Teilnehmerzahlen und geeignete Kontrollgruppen.
Beide Forscher sagen damit nicht, dass Meditation überhaupt nichts bringt - im Gegenteil, man soll sich lieber aktiv beteiligen, um ein wirklich besserer Mensch zu werden, anstatt nur rumzusitzen. Der Meinung schließe ich mich an, dass man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten sollte. Meditation kann ein wichtiges Hilfsmittel sein, um den Verstand zu trainieren und disziplinierter zu werden, doch nur zu meditieren ist keine Lösung und Entschuldigung, nicht an sich selbst zu arbeiten. Es ist schwer, aber möglich.
Im klinischen Bereich zeigt die Achtsamkeitsmeditation zwar beobachtbare Wirkung. Sie kann Stress reduzieren und depressive Rückfälle verhindern. Doch die Forschenden wissen nicht, welche Mechanismen diesen Effekten zugrunde liegen - und warum manche Menschen von diesen Ansätzen profitieren und andere nicht.
Lesen Sie dazu auch den folgenden Artikel:

Frohe Weihnachten! Besinnung und Bewusstsein in Zeiten des Chaos