Analytischer Blick in die Inhaltsstoffe
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© Dave Bullock
Maximilian Ledochowski ist Ernährungsmediziner in Innsbruck.
unserer Lebensmittel


Immer der Nase nach: Bei der Wahl unseres Essens spielt der Geruchssinn eine überlebenswichtige Rolle. Er zeigt an, was bekömmlich, was faul und was giftig ist. Und er steuert den Appetit. Die Nahrungsmittelindustrie weiß um seine zentrale Bedeutung, setzt natürliche Aromen (solche aus der Natur), natur-idente Aromen (synthetisch nachgebaut) und künstliche Aromen (ohne Äquivalent in der Natur) zu. Das Ziel: Lebensmittel attraktiv zu gestalten, Frische auch dann vorzutäuschen, wenn sie gar nicht mehr da ist. Aromafehler ausgleichen nennen das Lebensmittelchemiker. Aromen werden in der Nahrungsmittelindustrie massenhaft verwendet.

Rund ein Viertel Kilogramm pro Jahr nimmt jeder von uns zu sich. Diese große Menge kann durchaus toxischen Charakter haben. Erwiesen ist die Toxizität für Diacetyl, das Butter-Aroma, das zu schweren Atemwegserkrankungen geführt hat, die Popcorn-Lunge nannte man die Krankheit. Trotzdem ist Diacetyl immer noch in Milchprodukten, Brot und Snacks enthalten.

Noch bedenklicher ist, dass durch Aromen die körpereigene Appetitsteuerung verlorengeht. Dadurch erhöht sich das Risiko für Übergewicht und Nahrungsmittelintoxikationen. Wie zentral Geruchssinn ist, wissen schwangere Frauen. Ihre Geruchsempfindlichkeit, ausgelöst durch das Schwangerschaftshormon HCG, dient dazu, das ungeborene Kind vor Exposition von "gefährlichen" Lebensmitteln zu schützen. Aromen, die in der Schwangerschaft aufgenommen werden, führen zu einer metabolischen Programmierung des Embryos im Mutterleib. Das, was die Mutter isst, prägt den Geschmack des Kindes.

Insofern schädigen Aromahersteller auch nächste Generationen. Die EU unterschätzt diese Gefahr, orientiert sich stattdessen an der toxikologischen Wirkung einzelner Aromen und hält an ihrer laxen Gesetzgebung fest. Das ist unverantwortlich, vor allem den Ungeborenen gegenüber.