Leere Wasserreservoirs, verdorrte Felder, braune Wiesen: Kalifornien vertrocknet.
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Der Shasta-See ist ebenso wie viele andere kalifornische Seen und Flüsse nahezu ausgetrocknet
Braun ist das neue Grün." Der Slogan, mit dem der Wasserversorger des Bezirks Santa Clara südlich von San Francisco zu sorgsamen Umgang mit dem kühlen Nass auffordert, grenzt an Galgenhumor. Denn die Kalifornier haben angesichts einer lang anhaltenden Dürre wenig zu lachen. Seit drei Jahren hat es nicht mehr nennenswert geregnet, der vorige Winter war besonders niederschlagsarm. Die Schneedecke am Sierra-Nevada-Gebirge, wichtigste Wasserquelle des Bundesstaates, erreichte nur ein Viertel der üblichen Dicke. Flüsse und Seen trocknen aus. Zudem wüten wieder Waldbrände in Kalifornien.

Gouverneur Jerry Brown rief schon im Jänner den Wassernotstand aus. Mittlerweile sind zehn der zwölf größten Wasserreservoirs weniger als halb voll. Im Stausee Lake Mead, dem größten Trinkwasserreservoir der USA südöstlich von Las Vegas, fiel der Pegel um zwei Drittel. Sollte der Wasserstand weiter sinken, droht Vegas aus Trinkwassermangel das Aus.

So muss die Bevölkerung Wasser sparen. Seit August dürfen die Gehsteige nicht mehr mit dem Schlauch abgespritzt werden, beim Garten-Bewässern darf kein überschüssiges Wasser ablaufen, und Springbrunnen dürfen nur dann betrieben werden, wenn sie Wasser rückführen. Autowaschen ist erlaubt, sofern am Schlauch eine wassersparende Vorrichtung montiert ist. Bei Verstoß gegen die Regeln drohen 500 Dollar Strafe - und das Denunzieren von Sündenböcken ist erwünscht. Um 20 Prozent sollten die Kalifornier derart ihren Wasserverbrauch zurückschrauben . Erreicht wurden "maximal um die fünf Prozent", so Rudolf Thaler, Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles, zum KURIER.

Besonders schwer von der Dürre betroffen ist Zentralkalifornien und damit die Landwirtschaft, die dem Golden State jährlich rund 40 Milliarden Dollar Einnahmen beschert. Hier werden die Hälfte an Obst, Gemüse und Nüssen in den USA produziert - dank intensiver Bewässerung. Die Landwirtschaft verzehrt 80 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs. Da die für die Wasserzuteilung des Bundes zuständige Regulierungsbehörde, das U.S. Bureau of Reclamation, den Hahn auf ein Minimum zudrehte, mussten Landwirte große Teile ihrer Felder brach liegen lassen, was in Folge die Lebensmittelpreise nach oben treibt. Andere nehmen Notschlachtungen ihrer Rinderherden vor, da diese kein Gras mehr finden. Die Universität von Kalifornien in Davis beziffert den Schaden durch die Dürre bereits mit 2,2 Milliarden Dollar.

Bauern greifen zur Pumpe

Weil das Oberflächenwasser versiegt, greifen immer mehr Bauern zur Pumpe. Kalifornien zählt zu den wenigen US-Bundesstaaten, die den Grundwasserverbrauch nicht regulieren. So kann jeder auf eigene Faust Brunnen bohren und Grundwasser empor pumpen, was den Spiegel weiter sinken lässt. Brunnenbohrer sind über die nächsten acht Monate ausgebucht. "Diese Entwicklung macht uns große Sorgen, denn der Grundwasserpegel sinkt", erzählt Michael Cockrell, Chef der Notdienstzentrale im Bezirk San Joaquin County. Seine Taskforce ist für Katastrophen zuständig, die Dürre mit ihren bedrohlichen Folgen hat höchste Priorität.

Vorige Woche hat sich die kalifornische Regierung darauf geeinigt, die Bürger im November über eine 7,5 Milliarden Dollar schwere Anleihe abstimmen zu lassen. Mit dem Geld soll Grundwasser gereinigt und die Wasser-Infrastruktur aufgebessert werden. Das ist dringend nötig, denn allein in der Bay Area um San Francisco sickern jährlich 87 Millionen Kubikmeter Wasser durch undichte Rohre - das entspricht dem Jahresverbrauch von mehr als 70.000 Familien.