Ohrenquallen Ostsee

Quallenplage an der Ostsee
Seit einiger Zeit tauchen an deutschen Küsten vermehrt unbequeme und oft ungebetene Besucher auf: Manche Quallenarten haben sich in den letzten zwanzig Jahren enorm vermehrt. Schuld daran sind wir selber.


Kommentar: Wieder einmal wird suggeriert, dass der Mensch schuld sei am Klimawandel, und die Tatsache der globalen Erdveränderungen wird somit in den Hintergrund geschoben und verwässert.

  • Quallen sind uralte Lebewesen, die sich immer gut angepasst haben.
  • Klimawandel, Überfischung und die Zunahme von Nährstoffen im Wasser bereiten den Medusen optimale Lebensbedingungen.
  • Auch in der Ostsee haben sich bereits invasive Arten ausgebreitet.
An Deutschlands Ostseeküsten sind in den letzten zwei bis drei Jahren drei- bis fünfmal so viele Quallen zu beobachten wie zu Beginn der 90er-Jahre. Das haben Messreihen der Biologin Jamileh Javid vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Geomar) ergeben.

„Jetzt erobern die Quallen die Meere“

Quallen bewohnen die Erde bereits länger als Dinosaurier und sie können eines besonders gut: Sich anpassen. Das beweisen sie im Moment wieder. „Sie sind lange Zeit im Schatten geblieben, aber jetzt erobern die Quallen die Meere“, sagt Javid.

Die Biologin hat seit dem Jahr 2004 Daten zu Quallen an der westlichen Ostsee gesammelt und ihre Zeitreihen mit Datensätzen aus den 1970er- und 1990er-Jahren verglichen. Ihr Ergebnis: „In den letzten zwei bis drei Jahren ist vor allem die Anzahl der Ohrenquallen enorm gestiegen.“

Dafür gibt es drei Hauptgründe:

1. Klimawandel: Milde Winter begünstigen Javid zufolge das Wachstum der Polypen, aus denen sich später die freilebenden Quallen (Medusen) entwickeln. Auch die Quallen selbst mögen hohe Temperaturen und wachsen schneller, wenn es wärmer ist.


Kommentar: Und hier wird - wie noch immer in unzähligen anderen Artikeln der Mainstream-Presse - suggeriert, dass wir es mit einer globalen Erwärmung zu tun haben. Obwohl wir uns ganz im Gegenteil allem Anschein nach auf eine erneute Eiszeit zubewegen.

2. Überfischung: Quallen sind wenig wählerisch, was ihre Nahrung angeht. Als Allesfresser haben sie ein großes Beutespektrum. Auf der anderen Seite sehen eher wenige Tiere Quallen als Nahrung.

Durch Überfischung gehen den Quallen zum einen die natürlichen Feinde aus. Zum anderen werden Nahrungskonkurrenten ausgelöscht. So bleibt mehr Plankton für die Quallen übrig.

3. Nährstoffe im Wasser: Immer mehr Düngemittel und Industrieabfälle reichern sich im Meer an. Die Quallen freut das. Denn diese Chemikalien begünstigen das Wachstum von Plankton, das die Medusen gerne fressen. Außerdem vertreiben die Giftstoffe andere Tiere aus küstennahen Gebieten. Das wiederum bedeutet mehr Nahrung für die Quallen.

„Selbstverständlich gibt es auch natürliche Schwankungen in der Anzahl der Medusen“, sagt Javid. In einem Jahr, in dem es viele Quallen an Nord- und Ostsee gebe, produzierten die Tiere weniger Larven, weil jede einzelne Qualle weniger Nahrung bekomme. Im nächsten Jahr gebe es dann weniger Nachwuchs, dem viel Nahrung zur Verfügung steht. In solchen Jahren sind dann wieder viele Larven vorhanden.

Viele Daten aus der Vergangenheit fehlen

„Neben diesen natürlichen Schwankungen ist die Zahl mancher Arten insgesamt aber gestiegen“, sagt Javid. Die Biologin erkennt einen klaren Aufwärtstrend für die Ohrenqualle. Diese gehört zu der großen Gruppe der Schirmquallen, ist durchsichtig und bis zu 30 cm groß. Für Badende ist sie ungefährlich.

Die Zahl der gelb-orangenen Feuerquallen, die bei Hautkontakt schmerzhafte Rötungen oder Juckreiz auslösen können und in seltenen Fällen sogar heftige allergische Reaktionen oder Herz-Kreislauf-Probleme, schwankt laut Javid in natürlichem Maß. Für sie spielen Faktoren wie der Salzgehalt und Strömungen zudem eine entscheidende Rolle. Allerdings sei es schwierig, Langzeit-Effekte zu messen, berichtet Jamileh Javid. „Dafür fehlen viele historische Daten.“

Daher sei es auch schwierig zu sagen, ob die Zahl der Quallen global gesehen ansteige. Zu sehen sei allerdings, dass sich in Gewässern wie dem Kaspischen Meer oder dem Schwarzen Meer sehr viele Quallen ausgebreitet hätten.

Quallen erobern sich neue Lebensräume

Veränderte Bedingungen lassen die Tiere wandern. Mittlerweile tauchen auch Arten in Gewässern auf, wo sie früher nicht heimisch waren. Die Rippenqualle (Mnemiopsis leidyi) zum Beispiel lebte laut Javid früher im westlichen Atlantik an der US-Küste, später tauchte sie im Schwarzen Meer und Kaspischen Meer auf und 2005/2006 schließlich auch in der Nord- und Ostsee. Heute ist sie in fast allen europäischen Gewässern verbreitet. In der Ostsee nahm die Zahl der Rippenquallen lauf Javid seit 2004 jedoch nicht dramatisch zu.