Jeder scheint etwas verwirrt über den kürzlichen "Brexit" zu sein, worum es dabei ging, wer dahinter stand, wer daraus Nutzen ziehen wird, wer dafür bezahlen muss, etc., etc.

Jeremy Corbyn
Zunächst einmal wird die Abstimmung zum "Brexit" gar nichts ändern. Das Vereinigte Königreich wird die EU nicht verlassen, darum ging es nicht und ist nicht wirklich möglich - es sei denn wir müssten annehmen, dass die Anglo-'Elite' sich daran erfreut, den kompletten Zerfall des Vereinigten Königreichs an sich zu sehen. Die Realität der Situation ist die, dass die britischen Politiker und Hintermänner, die das Referendum vorangetrieben haben, sich nicht bloß Artikel 50 des Vertrags von Lissabon berufen und erklären können, dass das Vereinigte Königreich die EU verlässt. In der Tat, wie sich in den vergangenen Tagen gezeigt hat, sind sie äußerst zurückhaltend darin, so zu handeln. Und aus gutem Grund.

Bevor die Verbindung des Vereinigten Königreichs zur EU aufgelöst werden kann, müssten all die regionalen Parlamente in Schottland, Nordirland und Wales allesamt einem solchen Schritt zustimmen. Doch eine Mehrheit der Leute in Schottland und Nordirland hat gegen den 'Brexit' gestimmt, und die Erste Ministerin Schottlands hat klargestellt, dass sie und ihre führende SNP-Partei niemals eine Loslösung von der EU akzeptieren können und - bevor das geschieht - ein weiteres Referendum zur schottischen Unabhängigkeit abhalten werden, das unweigerlich in einem überwältigenden 'Ja' resultieren wird (genauso wie beim letzten Mal). Das nordirische Provinzparlament wird ebenfalls recht unwahrscheinlich bei jeglichen Maßnahmen, die EU zu verlassen, mitgehen - aufgrund von Problemen, die dies bezüglich der Republik Irland aufwerfen würde.

Das inszenierte Brexit-Referendum lieferte ein 'Mandat' vom britischen Volk, die EU zu verlassen. Doch die 52%, die dafür gestimmt haben, taten dies zum Großteil aufgrund der systematischen Kampagne der Panikmache bezüglich ISIS und der Flüchtlinge, der sie während der vergangenen vier Jahre ausgesetzt gewesen sind. Sowohl ISIS als auch die Flüchtlinge sind ein direktes Resultat des US-amerikanischen und britischen Stellvertreterkriegs in Syrien.

Durch die Schaffung der Bedingungen, durch die eine Mehrheit der Briten wegen der Flüchtlinge aus der EU herauswollte und ihnen dann gestattete, diesen Wunsch öffentlich auszudrücken, benutzt die Anglo-Elite nun ein fabriziertes 'Mandat', um die zentralen Mächte (Deutschland und Frankreich) mit der möglichen Zerstörung ihres EU-Superstaats zu bedrohen. Und hier sind einige kaum bekannte Fakten über das wahre Machtzentrum in der EU.

Deutschland kontrolliert die Strategie, den Wechselkurs, die Menge an emittierten Schulden und die Zinssätze.

Die Deutschen haben eine maßgeschneiderte Geldpolitik (niedrige Schulden, geringes Defizit, starke Währung), die perfekt zu ihrer Wirtschaft passt (stark und wettbewerbsfähig, da die USA entsprechend beschaffene Lieferantenländer brauchte - neben Japan).

Währenddessen schnürt diese pro-deutsche Geldpolitik anderen europäischen Ländern die Luft ab, welche auf internationalen Märkten nicht wettbewerbsfähig sein können (der Euro ist zu stark) und unfähig sind, ihre Wirtschaft zu verbessern (keine Schulden, keine Anleihen zur Förderung privater und öffentlicher Bereiche).

Das Hauptopfer einer europäischen Implosion würde dann Deutschland sein.

Wenn man bedenkt, dass die City of London einen gewaltigen finanziellen Einfluss besitzt, würde ein Ausscheiden Großbritanniens ernsthafte Probleme für das gesamte EU-Projekt verursachen. Der Teufelspakt, der Deutschland insbesondere durch die Anglo-Elite aufgezwungen würde, wäre dann folgender: Die 'Öffnung' des europäischen Blocks und seiner gewaltigen menschlichen und finanziellen Ressourcen für den anglo-amerikanischen Kapitalismus einer sogar noch größeren Rücksichtslosigkeit (ein Beispiel ist das von den USA vorgeschlagene TTIP, das kürzlich durch den französischen Premierminister Manuel Valls abgelehnt wurde) und sich von Russland fernhalten, oder das Vereinigte Königreich wird die 'Union' verlassen und dabei der Integrität des EU-Projekts einen derben Schlag verpassen. Es ist die Art von 'Sei verdammt, wenn du es tust und sei verdammt, wenn du es nicht tust', was seit Jahrzehnten das Markenzeichen des anglo-amerikanischen politischen Manövrierens ist.

Doch die politische Manipulation und Nötigung von Frankreich und Deutschland ist nur eines der Hauptziele des 'Brexit'-Nonsens. Das zweite - und genauso wichtige - besteht darin, ausreichend 'Chaos' in der britischen Politik zu erschaffen, um den Sturz des Vorsitzenden der Arbeiterpartei Jeremy Corbyn zu gewährleisten. Dieser Teil des Plans ist in vollem Gange - wobei ein Misstrauensvotum für Corbyn durch Parlamentarier der Arbeiterpartei bereits vergeben worden ist. Warum genau die Brexit-Abstimmung bedeuten soll, dass Corbyn nicht länger passend für die Führung der Partei ist wird nicht erklärt; er muss "einfach gehen".

Wovon wir also Zeuge werden, ist ein 'kleiner Staatsstreich' gegen Corbyn durch das anglo-amerikanische 'Establishment', und einer, der lange in Vorbereitung gewesen ist (mehr oder weniger seit Corbyn von einer überwältigenden Mehrheit von Mitgliedern der Arbeiterpartei gewählt worden ist). Eine Mehrheit jener Parteimitglieder unterstützen Corbyn natürlich noch immer, hauptsächlich weil er Zeit seines Lebens ein Unterstützer der 'kleinen Leute' und ihrer Interessen gegen die große Regierung, große Banken und den Raubtierkapitalismus war. Doch noch immer sagt die große internationale Geschäfts- und Bankenwelt, er sei weg vom Fenster, zur Hölle mit dem Willen und den Interessen des Volkes.

Kurzum, es ist interessant zu sehen, dass ein inszeniertes UK-Referendum zum Ausscheiden aus Europa (Plünderung der englischen Kultur durch die manipulierte Bedrohung von 'Flüchtlingswellen') die Expansion der anglo-amerikanischen politischen und unternehmerischen Ausbeutung europäischer Bürger zur Folge haben soll, und gleichzeitig die Entfernung des Oppositionsführers im britischen Parlament aus seiner Machtposition, der sich ohne Unterlass gegen solche Ausbeutung sowie die Kriege ausgesprochen hat, welche die Ursache für die Flüchtlinge sind. Interessant, ja, doch überhaupt nicht überraschend für die Psychopathen an der Macht in Washington und London.
Corbyn stop the war

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