Entlang der Grenze zwischen Peru, Brasilien und Bolivien erstreckt sich das unkontaktierte Grenzland des Amazonasgebietes. 2012 begann der kanadische Ölkonzern Pacific E&P auf Land der Matsés und benachbarter unkontaktierter Völker nach Öl zu suchen. Auch Ölkonzerne haben die Pflicht, nationale und internationale Gesetze zum Schutz der Rechte indigener Völker einzuhalten.

In den letzten Jahrzehnten stellte sich heraus, dass weltweit mehr natürliche Ressourcen (Öl, Erdgas etc.) verbraucht werden, als gefördert werden können. Vor nichts machen diese Konzerne halt. Erst nach heftigem Protest hat Shell seine umstrittenen Ölförderpläne in der Arktis gestoppt, doch auch hier ist es nur eine Frage der Zeit, wann Shell wieder mit der Ölförderung beginnt.

Vergessen Sie nicht „Deepwater Horizon“ - Am 20. April 2010 kam es durch verschiedene schwere Versäumnisse zu einem Blowout, bei dem die Plattform in Brand geriet und infolgedessen zwei Tage später unterging. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Das ausströmende Öl führte zur Ölpest im Golf von Mexiko, der schwersten Umweltkatastrophe dieser Art in der Geschichte. 580 000 Millionen Liter Öl - etwa der Inhalt von 300 olympischen Schwimmbädern - liefen ins Meer. Fast sieben Jahre später leidet das Ökosystem immer noch unter den Folgen, die sich in reduzierten Fischfängen, Massensterben, Fehlbildungen, Sterilität oder Immunschäden bei Meerestieren äußern.

Auch vor dem erst 2016 von Forscher im Bereich der Amazonasmündung entdeckten Korallenriff wird nicht halt gemacht. Dieses Korallenriff erstreckt sich auf einer Fläche von 9500 Quadratkilometern und beherbergt artenreiche Lebensgemeinschaften. Gerade entdeckt, will nun das britische Mineralölunternehmen BP genau dort nach Öl bohren. Siehe: Unglaublich - BP will im unberührten Amazonas-Deltas nach Öl bohren - nahe einem kürzlich entdeckten Korallenriff

Überall gibt es Völkermord an Indigenen, auch mit der Beteiligung der EU, um an wertvolle Rohstoffe zu kommen. Um so erfreulicher die folgende Nachricht von Survival International:

Exklusiv: Ölkonzern gibt nach und verlässt Land unkontaktierter Völker
16. März 2017
© Survival
Das kanadische Ölunternehmen Pacific E&P hat Survival International mitgeteilt, dass es sich aus einem Gebiet im Amazonasregenwald zurückziehen wird, in dem mehrere unkontaktierte Völker leben.

Pacific E&P hatte zuvor eine Lizenz erhalten, um in großen Teilen des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes nach Erdöl zu suchen. Nirgendwo auf der Welt leben mehr unkontaktierte Völker als dort. Die Region ist zudem sehr artenreich. Pacific E&P hatte 2012 mit einer ersten Erkundungsphase begonnen.

Survival International und mehrere Indigenen-Organisationen aus Peru hatten jahrelang gegen die Erdölsuche gekämpft, darunter AIDESEP, ORPIO und ORAU. ORPIO hat zudem eine Klage gegen die Regierung wegen der Bedrohungen durch Ölerkundung eingereicht.

Tausende Survival-Unterstützer*innen hatten E-Mails an den Geschäftsführer des Unternehmens geschickt, an die peruanische Regierung appelliert und das Unternehmen über eine Online-Demo bei Facebook unter Druck gesetzt.

Survival hatte zuletzt in einem offenen Brief gegen die Bedrohungen durch die Erdölsuche protestiert, dem sich auch die Rainforest Foundation Norwegen und ORPIO anschlossen.
© Christopher Pillitz
Die Matsés sind auf ihr Land angewiesen. Sie haben große Teile des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes seit Generationen behütet und verwaltet.
In einem Brief erklärte Pacific E&P nun: „[Das Unternehmen] hat entschieden, auf seine Erkundungs-Rechte im Block 135 zu verzichten (...) mit sofortiger Wirkung. Wir möchten nochmals die Verpflichtung des Unternehmens betonen, seine Geschäfte nach den höchsten Standards für Nachhaltigkeit und Menschenrechte durchzuführen.“

Bei einem Treffen indigener Vertreter*innen Ende 2016 erklärte ein ehemals unkontaktierter Angehöriger der Matsés: „Ich will nicht, dass meine Kinder von Öl und Krieg zerstört werden. Deshalb verteidigen wir uns selbst (...) und deshalb versammeln wir uns. Die Ölkonzerne (...) beleidigen uns und wir werden nicht länger darüber schweigen, dass sie uns auf ihrem angestammten Land ausnutzen. Wenn es sein muss, sterben wir im Kampf gegen das Öl.“

Die Suche nach Erdöl bedeutet eine ständige Landinvasion, die das Risiko von Zwangskontakt mit unkontaktierten Völkern dramatisch erhöht. Es macht sie angreifbar für Gewalt durch Außenstehende, die ihr Land und ihre Ressourcen rauben, und kann die Ausbreitung von Krankheiten wie Grippe oder Masern bedeuten, gegen die sie keine Immunabwehr besitzen.

Die Erklärung von Pacific E&P ist ein wichtiger Erfolg für den Schutz unkontaktierter Völker, ihres Landes, Lebens und ihrer Menschenrechte.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte: „Dies sind großartige Neuigkeiten für die globale Kampagne zum Schutz unkontaktierter Völker und für all jene, die den Völkermord stoppen wollen, der seit der Ankunft von Kolumbus wütet. Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird. Wir glauben, dass sie ein wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt sind und ihr Recht auf Leben geschützt werden muss. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass man sie leben lässt.“
© Diego Perez
Das unkontaktierte Amazonas-Grenzland umfasst auch die Wasserscheide-Berge (Sierra del Divisor), eine einzigartige und artenreiche Region, die für ihre kegelförmigen Berge berühmt ist.

Hintergrundinformationen
  • Der Ölblock 135 liegt innerhalb des geplanten indigenen Schutzgebietes Yavarí Tapiche. Die peruanische Organisation AIDESEP ruft seit über 14 Jahren zum Schutz des Gebietes auf.
  • Ein Teil der Konzession liegt im neu geschaffenen Nationalpark Sierra del Divisor. Die peruanische Regierung hatte Pacific E&P eine Erkundungs-Lizenz erteilt.
  • Yavarí Tapiche ist Teil des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes. Das Grenzland erstreckt sich entlang der Grenzen zwischen Peru, Brasilien und Bolivien. Es ist die Heimat von mehr unkontaktierten Völkern als irgendwo sonst auf dem Planeten.
  • Peru hat das internationale Abkommen ILO 169 zum Schutz von in Stämmen lebenden Völkern ratifiziert und sich damit verpflichtet, indigene Landrechte zu schützen.
  • Man weiß nur sehr wenig über die unkontaktierten Völker der Region. Einige zählen wahrscheinlich zu den Matsés, doch es gibt dort noch andere nomadische Völker ohne Kontakt zur Außenwelt.
  • Am 21. März ist Internationaler Tag des Waldes. Indigene Völker sind die besten Wächter der Natur. Belege zeigen, dass indigene Gebiete die beste Barriere gegen Abholzung darstellen.
© Survival International
Unkontaktierte Völker sind weder rückständig noch sind sie primitive Überreste aus einer entfernten Vergangenheit. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein sehr wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt. Wo ihre Rechte geachtet werden, können sie weiterhin gut und erfolgreich leben.

Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird. Survival tut alles in seiner Macht Stehende, um es für sie zu schützen und ihnen die Chance zu geben, ihre eigene Zukunft zu bestimmen.

Quelle