Fundament war gestern: New Yorker Architekten wollen Gebäude mit extrastarken Seilen an Asteroiden hängen.
© Clouds Architecture Office
So würde der hängende Wolkenkratzer über New York aussehen Foto:
Mediale Aufmerksamkeit ist in der digitalen Welt eines hohes Gut. Wer sie hat, hat Wähler, Kunden, Fans und dadurch meistens auch Geld. Der Gehalt der Nachricht, welche die Aufmerksamkeit generiert, ist da meist zweitrangig. In diesem Lichte muss man wohl auch den Vorschlag eines New Yorker Architektenbüros sehen, Wolkenkratzer zukünftig von Asteroiden zur Erde baumeln zu lassen.

Der Entwurf des New Yorker Architekturbüros „Clouds Architecture Office“ ist so abgedreht, dass man gar nicht erst auf die Idee käme zu fragen, „Was kostet das?“, „Wer soll das bauen?“ oder „Aus welchem Material ist das Seil?“

Der Analemma Tower genannte Wolkenkratzer soll nach den Plänen der Architekten das höchste Gebäude aller Zeiten werden und den Hochhausbau nachhaltig revolutionieren. Denn statt ihn auf ein Fundament auf der Erde zu stellen, soll der Turm mit extrastabilen Kabeln an einem Asteroiden in 50.000 Kilometern Höhe angebracht werden. Durch die Umlaufbahn des Asteroiden würde der hängende Turm täglich zwischen nördlicher und südlicher Hemisphäre in der Form einer Acht hin- und herpendeln.

Der Turm selbst soll aus verschiedenen Modulen bestehen, die jeweils unterschiedliche Funktionen haben, etwa Wohnen, Arbeiten oder Haustechnik. Der Strom für die gewaltige Konstruktion würde von Sonnenkollektoren stammen, die oberhalb der Erdatmosphäre angebracht sind. Die Wasserversorgung wiederum wäre durch gefiltertes Regenwasser und Wolkentröpfchen gewährleistet.

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In den oberen Stockwerken (in 32 Kilometern Höhe) würden die Bewohner in den Genuss kommen, 45 Minuten länger Sonnenlicht zu haben als auf der Erde. Die Temperaturen in dieser Höhe lägen allerdings bei 40 Grad Celsius. Wer der darunterliegenden Erde einen Besuch abstatten möchte, kann dies übrigens nur per Fallschirm tun.

Bevor man jedoch mit den Bauarbeiten für diesen ultimativen Turmbau zu Babel beginnt, müsste man zuerst einen geeigneten Asteroiden einfangen und auf die vorgesehene Umlaufbahn bringen. Immerhin: Die Nummer mit dem Asteroiden-Fangen ist nicht nur Science-Fiction. Tatsächlich hat die Nasa angekündigt, im Zuge der Asteroid Redirect Mission (ARM) in den 2020er-Jahren erstmals einen kleinen Asteroiden einfangen zu wollen, um ihn dann auf eine neue Umlaufbahn zu zwingen.
© Clouds Architecture Office
Auch wenn der Analemma-Turm niemals gebaut werden wird, so glaubt Ostap Rudakevych, Partner bei „Clouds Architecture Office“, dennoch an die Relevanz der Idee: „In den letzten beiden Jahrhunderten hatten wir das Flug-Zeitalter. Jetzt beginnt das Space-Zeitalter. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Gebäude kein Fundament mehr brauchen.“