Weil er eine Beziehung zu einem Teenager hatte, muss sich am Sonntagabend der CDU-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein vor dem Landesvorstand rechtfertigen.
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Schwere Zeiten für Christian von Boetticher: Sein Liebesleben bringt den CDU-Spitzenkandidaten in Bedrängnis.

Hamburg. Ein Dreivierteljahr vor der Landtagswahl sieht es danach aus, dass Schleswig-Holsteins CDU ihr Spitzenkandidat abhanden kommt. Der Rücktritt von Partei- und Fraktionschef Christian von Boetticher wird von Beobachtern am Sonntagabend auf einer Sondersitzung des CDU-Landesvorstandes in Kiel erwartet. Grund dafür ist eine Beziehung des Christdemokraten mit einem minderjährigen Mädchen.

Die Krisensitzung hatte von Boetticher selbst einberufen, weil er sich "mit Gerüchten und daraus resultierenden Wertungen konfrontiert sieht, die seine Privatsphäre berühren", teilte die CDU zur Begründung mit. "Ich gehe davon aus, dass er die richtigen Schlüsse zieht", sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) der Zeitung Schleswig-Holstein am Sonntag.

Carstensen will Anfang Juli von "Gerüchten" über diese Beziehung gehört und mit seinem Kronprinzen darüber gesprochen haben: "Ich habe auf die Brisanz hingewiesen und ihm empfohlen, sehr offen und offensiv mit diesen Gerüchten umzugehen", sagte Carstensen. Diesen Rat seines Ziehvaters jedoch befolgte von Boetticher offensichtlich nicht - erst jetzt, mit mehr als einem Monat Verspätung reagiert er.

Anfang 2010 soll der damals 39-jährige von Boetticher im Internet via Facebook ein, wie kolportiert wird, "politisch sehr interessiertes" 16-jähriges Mädchen aus Nordrhein-Westfalen kennengelernt haben. Nach ersten persönlichen Treffen habe sich daraus angeblich mit Billigung der Eltern des Mädchens eine mehrmonatige Affäre entwickelt - offenbar parallel zur Beziehung zu seiner Langzeitfreundin Anna Christina Hinze, Pressesprecherin des Landesvorstandes der Hamburger CDU. Noch im September 2010 lässt er sich im Hamburger Abendblatt zitieren mit der Aussage "Mein Privatleben ist mir heilig", das schließe "meine Lebensgefährtin" ein.

Im Mai 2010 habe von Boetticher die Beziehung zu dem Mädchen beendet, als seine Nominierung zum Spitzenkandidaten der CDU für die Landtagswahl im kommenden Jahr absehbar wurde. Da Ministerpräsident Carstensen signalisiert hatte, 2012 nicht erneut zu kandidieren, lief die Spitzenkandidatur auf seinen Kronprinzen von Boetticher - damals schon Partei- und Fraktionsvorsitzender - hinaus. Ihm sei damals klar gewesen, so werden Vertraute von Boetticher zitiert, dass seine Beziehung mit dem Teenager über kurz oder lang bekannt und vor allem in weiten Teilen von Partei und Öffentlichkeit nicht akzeptiert werden würde. Deshalb soll er die Liaison beendet haben.

Rechtlich ist eine freiwillige und einvernehmliche sexuelle Beziehung zwischen einem 16jährigen Mädchen und einem 39-jährigen Mann nicht zu beanstanden. Carstensen wurde am Sonntag auf NDR 1 Welle Nord jedoch mit den Worten zitiert, die Affäre habe "nicht nur eine juristische Seite". Es gebe auch "moralische Anforderungen" zu beachten. Politische Beobachter in Kiel werten dies als Hinweis darauf, dass von Boetticher sich bei seinem Gespräch mit Carstensen vor etwa fünf Wochen auf eine formalrechtliche Argumentation zurückgezogen hatte.

Kronprinz von Boetticher ist in der CDU nie sonderlich beliebt gewesen. Einflussreiche Christdemokraten sehen in ihm durchaus nicht den aussichtsreichsten CDU-Kandidaten für die Wahl am 6. Mai nächsten Jahres. Seit er allerdings von Carstensen vorgeschlagen wurde, war der Weg frei. Bei seiner Kür auf dem CDU-Parteitag in Norderstedt am 6. Mai erhielt er mit 87 Prozent ein gutes, wenngleich nicht überragendes Ergebnis.

Sollte von Boetticher noch am Sonntagabend seine Ämter zur Verfügung stellen, müsste die CDU ihre gesamte Führung neu aufstellen. Parteivorsitzender, Fraktionschef und Spitzenkandidat würden verzweifelt gesucht.