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Leib und Seele sind untrennbar miteinander verbunden. Das zeigt beispielsweise der Umstand, dass für Menschen Berührungen überlebenswichtig sind.
Die Haut ist das größte Sinnesorgan unseres Körpers mit vielfältigen Funktionen wie der Wärmeregulierung oder dem Schutz vor äußeren Einflüssen. So reagiert sie auf Umwelteinflüsse oder auf Stress. Unsere Haut ist auch Spiegel der Seele. Ein Beleg dafür ist, dass Berührungen von klein auf überlebenswichtig für Menschen sind. Leib und Seele sind untrennbar miteinander verbunden.

Berührung als Lebenselixier des Menschen

Martin Grundwald, der taktile Reize auf den Menschen an der Universität Leipzig erforscht, hebt den Stellenwert der Berührung auf eine Ebene mit der Luft, die wir zum Atmen benötigen. In Zeiten der Single-Haushalte, Fernbeziehungen, digitalen Netzwerke und sozialen Interaktionen über mobile Endgeräte spielt der Mangel an Berührung eine immer größere Rolle. Auch langjährige Partner umarmen einander immer seltener, je länger sie zusammenleben. Regelmäßige Umarmungen, Kuscheln und allgemein Berührungen können das Immunsystem stärken und das Stresshormon Cortisol senken.

Frühgeborene entwickeln sich besser und nehmen schneller an Gewicht zu, wenn sie regelmäßig im Brutkasten massiert werden. Der Magen-Darm-Trakt entwickelt sich besser, Wachstumshormone werden vermehrt freigesetzt und der Knochenaufbau angekurbelt. Messungen der Gehirnströme bei Frühgeborenen zeigen dabei, dass diese bei mittlerer Berührungsintensität in einen Entspannungszustand versetzt werden. Dahingehend wirken sehr sanfte Berührungen stimulierend.

Was die Haut über unsere Seele verrät

Hautkrankheiten sind weit verbreitet und auf dem Vormarsch in unserer Gesellschaft. Neurodermitis und Psoriasis gelten bereits als Volkskrankheiten, da ca. 8 Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind. Es ist verblüffend: Die häufigsten Hauterkrankungen sind zugleich "psychosomatische Dermatosen". Das sind zumeist körperlich gegebene Krankheitsbilder, die jedoch seelisch stark beeinflussbar sind. Dazu gehören:
  • Neurodermitis
  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Akne
  • Herpes labialis
  • Kontaktekzeme
  • Nesselsucht (Urtikaria)
Unsere Psyche kommuniziert über das vegetative Nervensystem mit unserer Haut. Die Neurodermitis beispielsweise galt noch im 19. Jahrhundert als eine durch Nervenentzündungen ausgelöste Hautkrankheit. Das ist zwar längst widerlegt, jedoch zeigt es einen wichtigen Zusammenhang auf. Unter nervlicher Belastung verschlimmern sich die Symptome der Neurodermitis. Auch der Juckreiz, im Fachjargon Pruritus genannt, ist nicht selten ein psychisches Phänomen und durch Suggestion oder Stress auslösbar. Bei 10% der Juckreizfälle in den Hautarztpraxen handelt es sich um eine Störung ohne körperliche Ursache. Doch warum sind Haut und Nervensystem so eng miteinander verknüpft?

Hautkrankheiten zeigen: Nervensystem und Haut sind eng gekoppelt

Prof. Dr. med. Uwe Gieler der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in Gießen hat dafür eine einleuchtende Erklärung. Entwicklungsgeschichtlich sind unser Nervensystem und unsere Haut aus denselben Anlagen entstanden. So ist es nicht verwunderlich, dass intensive emotionale Reaktionen mit Erröten, Erblassen, Juckreiz, Kribbeln und psychische Belastungen mit einer Zunahme von Akne, Herpesbläschen oder Schuppenbildung einhergehen - je nach körperlicher Prädisposition des Betroffenen. Gieler sieht zwar einen engen Zusammenhang zwischen Seele und Haut, jedoch lehnt er Vereinfachungen und Einbahnstraßendenken ab. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die eine Hauterkrankung, wie die Neurodermitis oder Psoriasis, begünstigen oder zum Ausbruch bringen können.

Neben der genetischen Veranlagung sind das meist mechanische oder chemische Hautreizungen. Psychisch beeinflussbar heißt eben nicht "ausschließlich psychisch bedingt". Viel wichtiger als die Ursachenforschung ist ihm, die Wechselseitigkeit zu verstehen und sich in der Therapie zunutze zu machen. Denn natürlich erzeugen Hautkrankheiten bei den Betroffenen erheblichen Leidensdruck, so dass ein Teufelskreis entsteht, bei dem der psychische Stress eine Verschlechterung des Hautbildes und dieses wiederum den Leidensdruck erhöht.

In einer groß angelegten Umfrage bei 3.600 Hautpatienten in 13 europäischen Ländern fanden er und andere Ärzte heraus, dass nahezu ein Drittel aller Hautpatienten auch unter einer psychischen Erkrankung litt. Und eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchte die Auswirkungen von psychischem Stress auf das Immunsystem bei Patienten mit Neurodermitis und Psoriasis. Stress löste starke immunologische Reaktionen bei den Betroffenen aus. Bei Neurodermitikern stiegen unter psychischer Belastung sowohl die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) als auch die Immunbotenstoffe (Zytokine) an. Eine Psychotherapie bzw. bestimmte Mentaltechniken, genügend Schlaf und ein sorgsames Achtgeben auf die eigenen Grenzen sind angesichts dieser Zusammenhänge probate Mittel, sich bei Hautkrankheiten Linderung zu verschaffen, die Aktivierung der Krankheit einzudämmen. Denn die meisten von ihnen sind nach derzeitigem Wissenstand nicht heilbar.

Haut als Landkarte in der Chinesischen Medizin

In der Chinesischen Medizin, insbesondere in der Akupunktur und der Tuina-Massage, wird ein enger Zusammenhang zwischen Hautzonen und inneren Organen hergestellt. Den allermeisten der ca. 360 Akupunkturpunkte ist eine spezifische Wirkung auf bestimmte Organsysteme oder innere energetische Vorgänge zugeordnet. Punkte an den Füßen wirken zum Beispiel bei Migräne, an den Schienbeinen bei Übelkeit oder Bluthochdruck, an den Händen bei Erkältungen oder bei Schlafstörungen usw. In der japanischen Akupunktur, einer sanfteren Variante der fernöstlichen Nadelung, werden die Nadeln sogar nur subkutan, also sehr oberflächlich unter die Haut, eingeführt. Hier wird ein systemischer Bezug zwischen der Stimulation der Nervenrezeptoren der Haut und dem Innenleben des Menschen offenbar.

Dieser Zusammenhang wurde auch im Westen intensiv erforscht: die Head-Zonen sind durch Nervenverbindungen zugeordnete Hautareale (Dermatome), welche die Störungen innerer Organe als Schmerzen an die Hautoberfläche übertragen. Werden die schmerzhaften Areale therapeutisch "berührt", sei es durch Massage, Akupunktur oder Osteopathie, hat dies wiederum eine regulierende oder gar heilende Wirkung auf die assoziierten inneren Organe. Auch die Schröpftherapie ist eine Technik, bei der über Hautstimulation innere Krankheiten behandelt werden können. Mithilfe eines Unterdrucks wird die Haut unter den Schröpfgläsern emporgehoben. Eingesetzt wird die Therapie zum Beispiel bei Myogelosen (harten Muskelverspannungen), Migräne und Bluthochdruck.

Tipp zur Therapie von Hautkrankheiten

Wenn Sie hinter einer Hautkrankheit eine psychische Ursache vermuten, ist es sinnvoll, neben dem Gang zum Hautarzt auch einen Experten für die Psyche aufzusuchen. Eine begleitende Psychotherapie, das Aufsuchen einer psychosomatischen Klinik, ein Entspannungstraining (Qi Gong, progressive Muskelentspannung) oder eine verhaltenstherapeutische Behandlung können wichtige Unterstützung bei der Bewältigung einer Hauterkrankung bieten. Denn oftmals will unsere Haut uns etwas über verborgene Seelenleiden mitteilen. Sie richtig zu lesen, ist allerdings eine Herausforderung, die einige Erfahrung benötigt.

Quellen und weiterführende Links: