Beim Versuch, als Erste die Erde fliegend am Äquator zu umrunden, verschwindet Amelia Earhart

© Courtesy George Palmer Putnam Collection of Amelia Earhart Papers, Courtesy of Purdue University Libraries, Karnes Archives and Special Collections
Amelia Earhart
Es scheint, als habe diese Frau bereits alles erreicht: Wo immer Amelia Earhart mit ihrem Flugzeug landet, strömen die Menschen zusammen, bejubeln die Pilotin, die zahlreiche Rekorde aufgestellt hat. Doch nun, in ihrem 40. Lebensjahr, plant sie den schwierigsten Flug ihres Lebens: Sie will als erster Mensch die Erde entlang des Äquators umfliegen.

1920 ist die damals 23-Jährige erstmals in ein Flugzeug gestiegen, für einen zehnminütigen Rundflug. Sie ist sofort begeistert, nimmt Flugstunden, erhält schon bald die Pilotenlizenz.

1928 wird George P. Putnam auf sie aufmerksam. Der Verleger hat im Jahr zuvor die Autobiografie von Charles Lindbergh veröffentlicht und sucht nun das weibliche Pendant des Atlantikfliegers: eine Pilotin, die er einem großen Publikum verkaufen kann.

Putnams Plan: Earhart soll als erste Frau den Atlantik überfliegen, allerdings als Passagierin - die beiden Piloten lassen sie im Juni 1928 während des Flugs von Neufundland nach Wales nicht für eine Minute ans Steuer. Doch das interessiert keinen der Journalisten, die über die Reise berichten: Sie machen sie zu einem der bekanntesten Menschen der Erde.

Als erste Frau allein über den Atlantik

In den folgenden Jahren wiederholt sie den Atlantikflug, diesmal als erste Frau ganz allein, und stellt viele weitere Bestleistungen auf. Putnam, den sie 1931 heiratet, inszeniert jeden ihrer Auftritte. Am 11. Februar 1937 gibt das Ehepaar die geplante Erdumrundung bekannt. Ein Vorhaben, in das die zwei fast ihr gesamtes Vermögen investieren. Sie lassen eine zweimotorige Lockheed Electra für den Langstreckenflug umrüsten, organisieren Treibstoffvorräte an den geplanten Zwischenstationen.

Am 1. Juni 1937 startet Amelia Earhart in Miami; von dort aus soll es Richtung Osten um die Welt gehen. Nach 28 Tagen und Zwischenlandungen unter anderem in Dakar, Kalkutta und Singapur erreichen die Pilotin und ihr Navigator Fred Noonan Papua-Neuguinea. In der Heimat hat Putnam bereits mit den Vorbereitungen für den Empfang begonnen, denn seine Frau soll am 4. Juli in Kalifornien eintreffen, am US-Nationalfeiertag.

Noch aber liegt die größte Herausforderung vor der Crew: die Überquerung des Pazifiks. Dafür ist eigens das winzige Howland Island mitten im Ozean mithilfe der US-Regierung zu einer Landebahn ausgebaut worden. Dort soll die Maschine auf ihrem letzten Zwischenstopp vor Hawaii tanken.

Doch das Flugzeug wird die Insel nie erreichen. Papua-Neuguinea, 2. Juli 1937, 10.00 Ortszeit: Schwerfällig erhebt sich die vollgetankte Electra vom Flugfeld; dabei berührt die unter dem Rumpf installierte Empfangsantenne vermutlich den Boden und bricht unbemerkt ab.
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Amelia Earhart steht vor der Lockheed Electra, mit der sie 1937 die Welt umrunden wollte.
Verhängnisvoller Zwischenfall: Das Flugzeug stürzt ab

Die Maschine kann nun kaum noch Informationen von Bodenstationen empfangen. Als sich Earhart und Noonan gut 20 Stunden später in der Nähe von Howland Island wähnen, empfangen Offiziere des dort auf sie wartenden Schiffs ihren letzten Funkspruch. Dann verschwindet die Maschine - spurlos.

Obwohl die US Navy in den nächsten Tagen 357 400 Quadratkilometer Ozean absucht, acht Schiffe und mehr als 60 Flugzeuge im Einsatz sind, werden die Vermissten nicht gefunden. Am 18. Juli endet die Suchaktion. Earhart und Noonan bleiben verschollen.

Erst 75 Jahre später scheint sich das Rätsel zu lösen

2012 präsentieren Wissenschaftler einen Bericht, in dem Funde, darunter ein amerikanischer Frauenschuh, Metallbruchstücke sowie die Zuordnung eines Skeletts, ein klares Bild ergeben.

Nachdem der Wind sie zu weit nach Süden abgetrieben hatte, landeten Earhart und Noonan wahrscheinlich auf Nikumaroro, einer unbewohnten und wasserlosen Insel, auf der sie Fische fingen, Regenwasser erhitzten, einige Tage durchhielten und per Funk Notrufe absetzten - die von der US-Marine aber als Fälschungen abgetan wurden.

Und so lebte Earhart wohl noch, als ein Suchflugzeug am 9. Juli 1937 Nikumaroro überflog. Da die Electra aber im Meer versunken war, konnten die Piloten keine Hinweise auf die Vermissten erkennen. Bis heute suchen Wissenschaftler auf dem Eiland immer wieder nach DNS-Spuren von Earhart. Es wäre der endgültige Beweis für ihre Theorie.