Erst steht die Stadt unter Wasser, dann stürzt ein Hochhaus ein: Die indische Metropole Mumbai erlebt eine verheerende Monsunzeit. Die ganze Region in Südasien trifft es dieses Jahr besonders hart.
Mumbai - In Indien wütet der heftigste Monsun seit Jahren - seit kurzem auch an der Westküste. Mindestens sechs Menschen sind in der Finanz- und Film-Metropole Mumbai ums Leben gekommen, seit die Stadt am Dienstag den stärksten Regen seit zwölf Jahren erlebte. Fünf Menschen wurden am Donnerstag zunächst noch vermisst und waren wahrscheinlich ertrunken, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Im südlichen Stadtteil Bhendi Bazaar stürzte zudem am Donnerstagmorgen ein dreistöckiges Wohnhaus ein. Dabei starben nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde mindestens 15 Menschen.

Das rund 100 Jahre alte Haus begrub eine zunächst unbekannte Anzahl von Menschen unter sich. 14 Überlebende wurden geborgen und kamen verletzt in Krankenhäuser. Rettungsarbeiten dauerten an. Die Ursache für das Unglück war zunächst unklar, ein Zusammenhang mit dem Unwetter der vergangenen Tage lag aber nahe.

In Mumbai (früher Bombay), mit fast 20 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt, war am Dienstag soviel Regen gefallen, wie seit dem Jahr 2005 nicht mehr. Bei dem Hochwasser damals starben mehr als 1000 Menschen. Die Stadt war am Dienstag praktisch lahmgelegt. Die Straßen waren unbefahrbar, der Nahverkehr stand still, Schulen schlossen. Tausende Menschen mussten in ihren Büros übernachten.

Seit Mittwoch war bei weniger starkem Regen der Wasserpegel wieder gesunken. Die Leiche eines bekannten Arztes, der am Dienstag auf dem kurzen Weg von seinem Auto zu seiner Haustür verschwunden war, wurde am Donnerstag in einem Abwasserkanal entdeckt. Medien berichteten, er sei Zeugen zufolge einen offenen Gully hinuntergestürzt.

Es gibt in Mumbai viele alte, einsturzgefährdete Häuser, deren Räumung angeordnet wurde, die aber wegen eines Mangels an Wohnraum bewohnt bleiben. Während der Monsunzeit kommt es manchmal zu Einstürzen. Medienberichten zufolge war das Haus im geschäftigen Bhendi Bazaar seit dem 25. Juli das dritte in Mumbai, das zusammenstürzte. Der Lokalabgeordnete Amin Patel sagte im Nachrichtensender NDTV, es sei im Jahr 2011 für unbewohnbar erklärt worden, nur die Hälfte der Bewohner sei aber ausgezogen. Zuletzt habe es Bauarbeiten an dem Haus gegeben.

Mehr als 1800 Tote in Südasien seit Juni

Die südasiatische Monsunzeit von Juni bis September fordert jedes Jahr zahlreiche Opfer. In diesem Jahr sind in der Region bereits mehr als 1500 Menschen ums Leben gekommen - mehr als 1300 davon nach Angaben der Behörden allein in Indien. Der nordöstliche Bundesstaat Bihar ist demnach der am stärksten betroffene Teil Indiens. Dort starben nach offiziellen Zahlen bislang mehr als 500 Menschen.

Auch im Nachbarland Pakistan fegte der Monsun über eine Millionenstadt hinweg. In Karachi kamen nach Angaben der Rettungskräfte und Behörden vom Donnerstag dabei mindestens zwölf Menschen ums Leben. Die Retter befürchten, dass die Zahl der Toten weiter steigt. Meteorologen warnten vor weiterhin viel Regen im Süden Pakistans in den kommenden Tagen.

dpa