Ein israelisches Kampfflugzeug hat syrische Armeepositionen in der Provinz Hama beschossen. Zwei Soldaten starben, auch materielle Schäden entstanden, so das syrische Militärkommando. RT Deutsch sprach mit Experten aus Israel und Libanon über die Implikationen.
© REUTERS/ Joshua Roberts
Der Vorfall ereignete sich am frühen Donnerstagmorgen. Ein israelisches Flugzeug feuerte mehrere Raketen aus dem libanesischen Luftraum ab. Diese schlugen in der Nähe der Stadt Masyaf in der Provinz Hama ein. Der Angriff tötete zwei Soldaten und verursuchte materiellen Schaden, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur von Syrien, SANA, unter Berufung auf das Militär.


Der Generalstab von Syrien hat vor "gefährlichen Auswirkungen dieses aggressiven Handelns für die Sicherheit und Stabilität der Region" gewarnt.


Die Armee betonte ihre "Entschlossenheit, den Terrorismus zu zerschlagen und ihn aus dem ganzen Gebiet der syrischen Republik zurückzudrängen", unabhängig von Loyalität und Unterstützungsquellen der Gruppierungen.

Das syrische Militär spezifizierte das genaue Ziel des Luftschlags nicht. Unter Berufung auf nicht namentlich genannte arabische Medien und eine Beobachtungsstelle schrieb BBC, dass eine angebliche Produktionsstätte für Chemiewaffen angegriffen wurde.

Israel wittert iranische Raketenfabriken in Syrien

RT Deutsch sprach mit dem Journalisten und Syrien-Experten der Jerusalem Post, Seth Frantzman. Mit Blick auf Israels operative und strategische Zielsetzung kommentierte dieser:
Sollte Israel diesen Angriff tatsächlich durchgeführt haben, dann fand das meiner Einschätzung nach in dem Kontext statt, seinen Feinden strategische Waffen zu verweigern und klare rote Linien für den Iran und die Hisbollah zu ziehen.
"Israel warnte die internationale Gemeinschaft hinsichtlich iranischer Raketenfabriken in Syrien und iranischer Basen im Libanon. Das Land betonte, dass es diese nicht tolerieren wird", fügte der Jerusalem-Post-Redakteur hinzu. "Die größere Botschaft ist an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Israel erinnert an den neuen UN-Bericht von vor einem Tag über das syrische Regime, das Chemiewaffen benutzte."

Amichai Stein, Außenpolitik-Korrespondent des öffentlich-rechtlichen israelischen Fernsehkanals KAN, teilte RT Deutsch mit:
Auf der einen Seite fand der Luftschlag nicht im Libanon statt, deshalb erwartet man in Israel keine Antwort von der Hisbollah. Auf der anderen Seite - vorausgesetzt, Israel hat tatsächlich eingegriffen -, war es das erste Mal, dass ein offizielles Regierungsgebäude bombardiert wurde und kein Konvoi oder eine Lagerhalle.
Über das israelische Verhältnis zu Russland bemerkte Stein:
Der bombardierte Ort in Hama ist rund 50 Kilometer von einer russischen Luftwaffenbasis entfernt. Der Angriff erfolgte zwei Wochen nach einem Treffen zwischen Premierminister Netanjahu und Präsident Putin. Der Angriff könnte zeigen, dass Israel den Russen sagt: 'Wir haben unsere roten Linien.'



Iran bestreitet Existenz einer Chemiewaffenfabrik

Unterdessen behauptet der israelische General im Ruhestand und Vorsitzende des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien an der Universität in Tel Aviv, Amos Yadlin, auf dem Micro-Bloggingdienst Twitter über das bombardierte Gebäude:
[Die israelische Luftwaffe] zielte auf ein syrisches militärwissenschaftliches Zentrum für Entwicklung und Bau unter anderem von Präzisionswaffen.

Die freie Journalistin Marwa Osman, die unter anderem für RT International und das iranische Internetportal Khamenei.ir berichtet, glaubt hingegen nicht, dass es sich beim bombardierten Objekt in Masyaf um eine Fabrik für Chemiewaffen handelt. RT Deutsch gegenüber äußerte Osman:
Die syrische Armee und Hisbollah arbeiteten hart, um gegen den Terrorismus in Syrien vorzugehen. Das sind wiederum keine guten Nachrichten für Israel. Die jüngsten Erfolge in Kalamun und Deir ez-Zor haben diese Reaktion ausgelöst. Wenn man sich an Aussagen von israelischen Beamten erinnert, die den 'Islamischen Staat' gegenüber dem Iran vorziehen, dann hat Tel Aviv vor allem auch die Hisbollah im Visier.



Kommentar: ISrael macht seinem Namen wieder alle Ehre.


Insbesondere die Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah scheinen dieser Tage ein neues Ausmaß anzunehmen. Osman kritisierte, dass Israel außerdem rechtswidrig in den libanesischen Luftraum eindringen würde, um von dort aus Luftangriffe gegen Syrien zu richten. Die Journalistin, die oft im iranischen Staatsfernsehen Press TV auftritt, sagte:
Israel führt gerade Militärübungen durch, die die Streitkräfte für einen Krieg mit der Hisbollah vorbereiten. Das spricht Bänder über die Paranoia in Israel. Die israelische Regierung weiß, dass die Hisbollah nicht mehr zu stoppen ist und dass ein künftiger Krieg mit der Hisbollah nicht mehr im Libanon stattfinden wird, sondern in den besetzten Gebieten von Palästina.
Die israelische Armee lehnt einen Kommentar über den Zwischenfall ab. Israel kommentiert grundsätzlich Militärbewegungen aus "operationellen Gründen" nicht, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters.

Stetige Eskalationsgefahr zwischen Israel und der Hisbollah

Israel bombardierte in der Vergangenheit immer wieder Positionen der syrischen Armee und mit dieser verbündeter Kräfte. Die Mehrheit dieser Angriffe erfolgte von den seit 1967 großteils von den israelischen Streitkräften kontrollierten Golanhöhen aus. Meist begründete Jerusalem die Aktionen mit "Geschossprojektilen", die zuvor von Syrien aus in Israel gelandet seien.

Das israelische Militär fokussiert seine Angriffe auf die libanesische Hisbollah, eine schiitische islamistische Miliz-Gruppierung und politische Partei. Die pro-iranische Organisation unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Kampf gegen Rebellen und sunnitische Dschihadisten-Organisationen. Israel, die USA und andere westliche Nationen listen die Hisbollah als Terrororganisation. Im Libanon ist die Organisation besonders unter Schiiten beliebt.