In einem Interview für die Rheinische Post hat der Schauspieler und Produzent Til Schweiger die Äußerungen des FDP-Chefs Christian Lindner zur Krim verteidigt und die Mentalität der russischen und der US-amerikanischen Menschen verglichen.
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Eine Partei, in der der Schauspieler sich vollkommen wiederfinden würde, existiere nicht. Möglicherweise würde er aber die FDP wählen: Christian Lindner sei ein "guter Typ", dessen "rationale Haltung in der Russland-Politik" ihm gefalle.

"Er sagt, wir müssen die Krim-Frage mal vom Tisch lassen, wenn wir irgendwie mit Russland wieder zusammenkommen wollen. Das gute Verhältnis zu Russland ist in unserem Interesse. Die Sanktionen dienen doch nur den wirtschaftlichen Interessen der USA. Ich fand es gut, dass das mal einer so sagt", so Schweiger.

Donald Trump würde im Vergleich dazu einfach unglaubliche Dinge tun, während alle über die Bedeutung der Beziehungen zu den USA weiterreden würden.


Kommentar: Trump setzt sich ebenfalls für gute Beziehungen mit Russland ein. Deshalb sollte Schweiger hier nicht den tiefen Staat mit Trump verwechseln: USA: Der "tiefe Staat" will Trump mit allen Mitteln stürzen - Putin ist das Hauptziel


"Lasst uns doch mal wieder Realpolitik mit Russland machen. Es ist doch in unserem Interesse. Die russische Mentalität ist uns viel näher als die amerikanische."

Schweiger habe sieben Jahre in den USA gelebt und wisse deshalb genau, wovon er rede: "In den USA ist viel Show und Oberflächlichkeit."

Nach sieben Jahren in den Vereinigten Staaten habe er nur zwei US-Freunde gefunden, von denen einer in Wirklichkeit Brite gewesen sei. Die Kulturgeschichte, die Fragen von Loyalität und Freundschaft seien in Russland hingegen bei vielen stark verankert. Er habe russische Freunde, die unter dem Konflikt und den Sanktionen leiden würden.

"Wie viele Kriege hat Russland angezettelt nach dem Zweiten Weltkrieg und wie viele Amerika? Wer hat mehr Militärstützpunkte? Wer ist denn hier der Bully in der Welt? Keiner hat nach Sanktionen gerufen, als die USA im Irak einmarschiert sind und damit den gesamten Nahen Osten destabilisiert haben. America first, und wir haben den ganzen Schlamassel", so Schweiger.

Es sei ungerecht, dass die US-Wirtschaft aus dem Grund profitiere, weil Deutschland und Europa russische Firmen sanktionieren. "Und wenn dann einer wie Xavier Naidoo, ein guter Freund von mir, sagt, wir sind fremdregiert, schreien alle auf", schließt der Schauspieler.

Der FDP-Chef und Spitzenkandidat der Liberaldemokraten bei den Bundestagswahlen, Christian Lindner, hatte Anfang August in einem Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) vorgeschlagen, die Krim als "dauerhaftes Provisorium" anzusehen und den Konflikt "einzukapseln". Später hatte auch AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland in einem Interview für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe gefordert, die Krim als Teil Russlands anzuerkennen.