Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Seine Arbeit prägt heute viele unserer Wohnungen. Die Wurzeln der Familie reichen nach Deutschland.
ingvar kamprad
© Inter IKEA Systems B.V.
Alles ganz leicht: Ingvar Kamprad, damals noch Jungunternehmer, präsentiert 1961 einen kleinen Teil seiner Produktpalette. Einige Jahre später erfasste seine Revolution des Möbelmarkts ganz Schweden, in den Jahrzehnten darauf die ganze Welt.
Der Mann, der die Welt neu möblierte, ist tot. Am Samstag ist Ikea-Gründer Ingvar Kamprad "in seinem Heim in Smaland eingeschlafen", gab der Konzern am Sonntag bekannt. "Es geschah ruhig und friedlich. Wenn man 91 Jahre alt ist, ist es nicht so seltsam, dass der Körper aufgibt", sagte Kamprads enger Freund Göran Grosskopf am Sonntag der Zeitung Expressen. Kamprads Söhne, die bei ihrem Vater waren, hatten ihn am Sonntagmorgen angerufen. "Man kann froh darüber sein, dass er ein so langes und inhaltsreiches Leben hatte", sagte Ikea-Topmanager Lars-Johan Jarnheimer. Noch im November hatte er Kamprad getroffen, und der war wie immer in seinem Element: "Da diskutierten wir, wie Möbel besser und billiger werden könnten", erinnert sich Jarnheimer.

Ingvar Kamprad: Ein sympathisch-kauziger Konzerngründer

Kamprad war auch privat für seine extreme Sparsamkeit bekannt. Er galt als sympathisch-kauziger Konzerngründer, der mit seinen Topmanagern lieber im Bus statt in Luxuswagen fuhr. Offiziell war Kamprad 2014 in den Ruhestand getreten. Doch er galt bis zuletzt als die Person mit den Fäden in der Hand. In der Tat blickt Kamprad auf ein bewegtes Leben zurück.

"Ikea - inget är omöjligt" (Nichts ist unmöglich) lautete lange Zeit der Firmenslogan des erfolgreichsten Möbelhauses der Welt. Und das galt auch für Kamprads Leben. 1896 war Kamprads Großvater, ein entfernter Verwandter von Paul von Hindenburg und Sohn eines Großgrundbesitzers, aus Thüringen nach Schweden ausgewandert. Kamprad wurde 1926 geboren und wuchs auf dem väterlichen Bauernhof in Smaland auf, dem größten in der Gegend, bestückt mit lukrativen Waldgebieten.

Noch während seiner Kaufmanns-Ausbildung ließ er 1943 im Handelsregister seine unbekannte Gemischtwarenfirma IKEA eintragen. Das sind die Anfangsbuchstaben seines Namens, des Hofs des Vaters (Elmtaryd) und des Orts Agunnaryd. Mit ein paar Angestellten verkaufte Kamprad Stifte, Geldbörsen, Bilderrahmen, Uhren und sogar Nylonstrümpfe.

Ikea-Gründer Kamprad war streng, aber nahbar

Im Jahr 1951 kam dann der erste Ikea-Katalog heraus, als man im Unternehmen begriff, dass es sehr profitabel ist, sich im großen Rahmen auf preiswerte Möbel zu konzentrieren. Ikea wie wir es heute kennen wurde geboren. Weil der Druck durch die alteingesessene, eifersüchtige Konkurrenz Mitte der 50er Jahre anstieg, beschloss Kamprad einfach, eigene Möbel zu entwerfen und zu produzieren. Auch die wohl wichtigste Idee, die Möbelstücke einfach in zusammensetzbare Einzelteile zu zerlegen, um sie platzsparend transportieren und damit einen teuren Produktionsschritt überspringen zu können, kam einem von Kamprads Mitarbeitern in den 50ern aufgrund des starken Preisdrucks.

Kamprads Führungsstil war prägend. Er war streng und gleichzeitig weit über das gewöhnliche schwedische Maß auf Du und Du mit den Mitarbeitern. Wichtiger als akademische Abschlüsse waren ihm stets bodenständige Mitarbeiter, die sich im Unternehmen hochgearbeitet hatten. Für Kritik sorgte, dass Kamprad sich mit ausländischen Stiftungen und Holdings zeitig vom Hochsteuerland Schweden verabschiedete.

Kamprad lebte lange in der Schweiz, zog aber nach dem Tod seiner Frau zurück in die Heimat, wie es viele alte Leute tun. Er hat sich plötzlich einsam in der Ferne gefühlt. Dass er als Jugendlicher aktiv mit Adolf Hitler sympathisierte, was damals viele Schweden taten, haben ihm die Landsleute schnell verziehen. Kamprad hatte sich entschuldigt. Und das reichte aus.