In Europa sind klinische Tests mit experimentellen Medikamenten zur Behandlung von COVID-19 bei Tausenden von Patienten angelaufen, darunter auch das viel diskutierte Malaria-Medikament Chloroquin.
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© Maxppp - Valérie Vrel
Professor Didier Raoult.
Die Studien werden 3.200 Patienten in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Frankreich und Spanien umfassen. In Frankreich, wo die Tests am Wochenende begannen, werden 800 Patienten behandelt.

Zu den Mitteln, die geprüft werden gehören die antiviralen Medikamente Remdesivir (zur Behandlung von Ebola), Lopinavir/Ritonavir (zur Behandlung von HIV/AIDS), Hydroxychloroquin sowie Chloroquin (zur Behandlung von Malaria).

"Die Liste dieser potenziellen Medikamente basiert auch auf der Liste der experimentellen Behandlungen, die von der Weltgesundheitsorganisation als vorrangig eingestuft wurden", sagte die auf Infektionskrankheiten spezialisierte Florence Ader in der Abteilung für Infektions- und Tropenkrankheiten des Croix-Rousse-Krankenhauses in Lyon.

Ader leitet den französischen Teil der Studien, der ihrer Meinung nach flexibel sein wird, was bedeutet, dass "unwirksame experimentelle Behandlungen aufgegeben und durch [andere] ersetzt werden können, die sich aus der Forschung ergeben".

Mehrere Studien beginnen mit dem Test des Malariamittels

Zu den klinischen Medikamenten gehört der Test von Hydroxychloroquin, einem Medikament, das von mehreren Medienorganisationen wegen seiner potenziellen Wirksamkeit bei der Behandlung von Covid-19 ins Gespräch gebracht wurde.

Es handelt sich um eine weniger toxische Version des Malariamedikaments Chloroquin, das es seit den 1940er Jahren gibt.

"Ich habe in Frankreich mehrere klinische Studien genehmigt, darunter einen Test von Chloroquin für Hunderte von kranken Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ich werde jedes positive oder negative Ergebnis mitteilen", sagte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran am Wochenende.

Das Medikament war in Marseille an einem Institut eines Universitätskrankenhauses zur Behandlung von 24 Personen mit Covid-19 eingesetzt worden, und die vorläufigen Ergebnisse dieser Studie wurden am 20. März im International Journal of Antimicrobial Agents veröffentlicht.

In der Studie kam man zu dem Schluss, dass die Behandlung mit einer Art Chloroquin (Hydroxychloroquin) und einem Antibiotikum trotz der geringen Stichprobengröße bei mehreren Patienten eine "Reduktion/Verschwinden" des Virus zeigte.

"Nach sechs Tagen gab es einen sehr signifikanten Unterschied zwischen denen, die behandelt wurden, und denen, die nicht behandelt wurden", sagte der Experte für Infektionskrankheiten Didier Raoult, der das Institut in Marseille leitet, wo die kleine Studie durchgeführt wurde. Der Zustand von 75 Prozent der Patienten mit der Behandlung habe sich verbessert.

Bei eingen Patienten habe man innerhalb von 48 Stunden eine signifikante Verbesserung verzeichnet. Das Institut des Universitätsklinikums will jetzt alle Patienten, die eingeliefert werden, mit der medikamentösen Therapie behandeln.

Allerdings finden viele andere Experten es zu früh, um zu sagen, ob das Medikament wirksam ist.

"Dies ist nicht die erste Epidemie eines Virus, bei der wir [ein Zeichen] der Hoffnung auf eine Behandlung haben, und es stellt sich heraus, dass es doch nicht funktioniert. Die Hoffnung reicht mir heute aus, um alles zu tun, damit wir überprüfen können, ob das Medikament wirkt oder nicht", sagte Frankreichs Gesundheitsminister Véran.

WHO warnt vor "nicht getesteten Behandlungen"

"Es gibt derzeit keine Behandlung, die sich als wirksam gegen Covid-19 erwiesen hat", sagte der WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus und lobte die Energie, die in klinische Behandlungen investiert wird.

"Der Einsatz ungeprüfter Medikamente ohne die richtigen Beweise könnte falsche Hoffnungen wecken", fuhr er fort und erklärte, dass dies zu einem Mangel an Medikamenten führen könnte, die für andere Krankheiten benötigt werden.

"Niemand in der medizinischen Welt sagt, dass Professor Raoult mit der Annahme falsch liegt, dass Chloroquin eine wirksame Behandlung gegen das Coronavirus sein kann, aber die Medizin wird nicht durch Veröffentlichungen [in den Medien] praktiziert, sie wird nicht auf der Grundlage einer Studie mit 24 Patienten praktiziert", sagte Michel Cymes, Chirurg und französischer medizinischer Kommentator in einem Interview mit RTL.

Die französischen Forscher unterstrichen die dringende Notwendigkeit, eine Behandlung zu finden.

"Es besteht ein dringender Bedarf an einer wirksamen Behandlung, um symptomatische Patienten zu behandeln, aber auch um die Dauer der Virusübertragung zu verringern, und so die Übertragung in der Gemeinschaft zu begrenzen", schrieben die Ärzte in Marseille.

US-Präsident Donald Trump geriet kürzlich in die Kritik, weil er erklärte, dass das Medikament wirksam sei und in den Vereinigten Staaten zugelassen werden solle.

Das Medikament wurde auch in Labors in China untersucht und ist derzeit Gegenstand einer randomisierten Studie der Universität von Minnesota mit 1.500 Teilnehmern, um herauszufinden, ob es wirksam ist.

Viele Wissenschaftler sind allerdings der Meinung, dass mehr Forschung zu diesem Thema erforderlich ist.