In den beiden vorhergehenden Artikeln habe ich Erklärungen für die Ereignisse vorgeschlagen, die die Jüngere Dryaszeit ausgelöst haben.

In dem Artikel mit dem Titel Hat die Erde das Wasser vom Mars "gestohlen"? habe ich beschrieben, wie vor ca. 12.500 Jahren eine elektrische Entladung möglicherweise einen Teil des Marswassers und der Atmosphäre auf die Erde übertragen haben könnte (siehe rosa Pfeil im Diagramm unten).

Im dem Artikel Schockgefrorene Mammuts und kosmische Katastrophen habe ich erklärt, wie ungefähr vier Jahrhundete vorher (vor ca. 12.900 Jahren) mehrere Kometenfragmente in die nördliche Erdhalbkugel eingeschlagen sind (siehe türkisfarbener Pfeil), die anschließend eine gobale Abkühlung verursachten.

Greenland temperature 18000 BP - now

Temperaturen in Grönland: 18.000 Jahre vor der Gegenwart bis heute
Während des Schreibens dieser Artikel wurde immer deutlicher, dass dies nur zwei von drei katastrophalen Ereignissen waren, die der Jüngeren Dryaszeit vorausgingen. In der obigen Abbildung sehen wir, dass ein drittes Ereignis vor ca. 14.400 Jahren stattfand (siehe grüne vertikale Linie).

Dieses Ereignis hatte sogar ein noch größeres Ausmaß als die beiden nachfolgenden Ereignisse. Das Ereignis induzierte einen Temperaturabfall von 10°C im Vergleich zu den beiden folgenden Ereignissen, die "nur" einen Abfall um 7°C verursachten.

Im vorliegenden Artikel werden wir die Besonderheiten des Ereignisses vor 14.400 Jahren untersuchen und erklären, wie es Teil eines größeren 3.600-jährigen Kometenzyklus sein könnte.

Das Ereignis vor 14.400 Jahren (12.400 v. Chr.)

Die Temperaturrekonstruktionen für Grönland (basierend auf dem Sauerstoff-18-Isotop), wie sie im obigen Diagramm dargestellt sind, offenbaren nur einen atmosphärischen Parameter (die Temperatur) an lediglich einem Ort (Grönland).

Lassen Sie uns also zunächst schauen, ob das Ereignis vor 14.400 Jahren nur eine auf Grönland begrenzte Temperatur-"Anomalie" darstellt. Wie im folgenden Diagramm aufgezeigt wird, offenbaren die Sedimentkerne aus dem Cariaco-Becken (Venezuela) ein ähnliches Muster mit einem markanten Temperaturabfall.
Cariaco and GISP2 temperatures

Cariaco und GISP2-Temperaturen
Eisbohrkerne aus Wostok (in der Antarktis) offenbaren ebenfalls einen Temperaturabfall (siehe Diagramm unten). Dieser Temperaturrückgang ist jedoch weniger ausgeprägt als in Grönland und Venezuela, was darauf hindeutet, dass das Ereignis vor 14.400 Jahren die nördliche Hemisphäre und die äquatorialen Regionen stärker betroffen hat als die südliche Hemisphäre.

Temperatures in Greenland and Vostok

Temperaturen in Grönland und Wostok
Das Ereignis vor 14.400 Jahren führte auf dem Großteil unseres Planeten zu einer plötzlichen Abkühlung. Es markiert den Beginn der Älteren Dryaszeit, einer stufenweisen (Abkühlungs-)Periode, die etwa zwei Jahrhunderte andauerte.

Neben dem Sauerstoff-18-Isotop (einem Proxy [indirekter Anzeiger des Klimas in der Vergangenheit] für Temperaturen) offenbart die Eiskernanalyse zahlreiche andere atmosphärische Parameter; zwei davon sind Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2). Das sind Indikatoren für die Verbrennung von Biomasse (z. B. Waldbrände). Methan und Kohlendioxid sind auch zwei der wichtigsten gasförmigen Komponenten in einem Kometenschweif.

CH4 and CO2 concentration in Antarctica WAIS ice core (23 kA - 9 kA)
© Marcott et al., 2014
Konzentrationen von CH4 und CO2 im antarktischen Wais-Eisbohrkern (23 Tsd. - 9 Tsd.)
Das Diagramm oben stellt einen dramatischen Anstieg von Methan (grüner Pfeil) und Kohlendioxid (violetter Pfeil) zum Zeitpunkt des Ereignisses vor 14.400 Jahren dar.

Darüber hinaus zeigen Eiskerne in Bezug auf das Ereignis vor 14.400 Jahren abrupte Spitzenwerte in Kalzium- und Schwefelkonzentrationen. Die folgende Abbildung enthält zwei Diagramme. Das linke Diagramm zeigt einen Konzentrationsanstieg von Kalzium (in der ionischen Form Ca2+) vor 14.400 Jahren (brauner Pfeil, rote vertikale Linie), während das rechte Diagramm einen - wenn auch mäßigen - Konzentrationsanstieg von Schwefel (in der Form von SO2 - Schwefeldioxid) vor 14.400 Jahren offenbart:
Calcium (Ca) and Sulfur (SO2) concentration in ice cores
© Sott.net
Konzentration von Kalzium (Ca) und Schwefel (SO2) in Eiskernen
Spitzen in Schwefel- und Kalziumkonzentrationen sind zwei wichtige Eisbohrkernmarker, da sie durch Ejekta (Auswürfe) von Kometeneinschlägen verursacht werden können:
Schwefel im Impaktor oder in schwefelhaltigen Zielgesteinen kann in einer dampfreichen Einschlagsschwade in die Atmosphäre eingespeist werden. Bei einigen Einschlagsereignissen, wie z.B. Chicxulub, enthalten die vom Impaktor getroffenen Gesteine Schwefel. Von einem Impaktor getroffene Sedimentgesteine enthalten manchmal große Mengen an Evaporiten. Evaporite sind Gesteine, welche aus Mineralien enstehen, die aus verdampfendem Wasser präzipitieren, wie zum Beispiel Halit (Steinsalz) und Kalzit (Kalziumkarbonat). Zwei weitere sehr häufige Evaporit-Mineralien sind Gips (CaSO4 + H20) und Anhydrit (CaSO4), die beide Schwefel (S) enthalten.

Quelle
Das Ereignis vor 14.400 Jahren offenbart also abrupte Spitzenwerte bei Kohlendioxid, Methan, Kalzium und Schwefel, die zu einem drastischen globalen Temperaturrückgang führten. Wenig überraschend hatten diese dramatischen atmosphärischen Veränderungen einen großen Einfluss auf das Leben auf der Erde. Die meisten archäologischen Ausgrabungsstätten, die zweifellos ausgestorbene Megafauna-Spezies enthalten, weisen spätpleistozäne Datierungen von ca. 14.400 bis 13.000 Jahre vor unserer heutigen Zeit auf.

Es scheint, dass das Ereignis von vor 14.400 Jahren der Ausgangspunkt für ein außergewöhnlich großes Aussterben der Megafauna war:
Das späte Quartär-Aussterben der Megafauna am Ende des Pleistozäns, das zum Verlust von 35 bis 90% der Tierarten mit großen Körpern auf den eisfreien Kontinenten (ausgenommen Afrika) führte, war die tiefgreifendste Veränderung der Fauna, welche die Ökosysteme der Erde im Känozoikum durchlebt haben.

Quelle
Hierzu ein Hinweis: Das Känozoische Zeitalter (was "neues Leben" bedeutet) umfasst den Zeitraum von vor 65 Millionen Jahren (nach dem Kometeneinschlag von Chicxulub, der die Herrschaft der Dinosaurier beendete) bis heute. Zu keinem Zeitpunkt während dieser 65 Millionen Jahre geschah eine Ausrottung so dramatisch wie die hier zur Debatte stehende.

Es wäre interessant zu erforschen, ob ein Einschlagkrater existiert, der die folgenden Merkmale aufweist:
  • Datierte Übereinstimmung des Einschlags mit dem Zeitpunkt vor ca. 14.400 Jahren
  • Nördliche Lage (da die Auswirkungen in der nördlichen Hemisphäre anscheinend stärker ausgeprägt waren, wie aus den oben dargestellten Temperaturdiagrammen von Wostok und Grönland hervorgeht)
  • großer Impaktor (angesichts des Ausmaßes der Auswirkungen)
Die Suche nach Einschlagkratern auf der Erde ist keine leichte Aufgabe, da Wind, Regen, Erdbeben, Meeresspiegeländerungen, Vegetationswachstum und Urbanisierung dazu neigen, diese geologischen Merkmale zu beseitigen. Außerdem scheint die Suche nach Einschlagkratern keine Priorität für die moderne Wissenschaft zu sein, vielleicht aufgrund des starken ideologischen Widerstands (Uniformitarismus) gegen das Konzept von Kometeneinschlägen an sich und ihren offensichtlich katastrophalen Folgen.

Nichtsdestotrotz listen drei Datenbanken (EDEIS, Somerriko und EID) einige der auf der Erde entdeckten Einschlagkrater auf. Zum jetzigen Zeitpunkt im Jahr 2019 gibt es etwa 200 bestätigte und 600 wahrscheinliche/mögliche Krater.

Der Mangel an Untersuchungen in diesem Bereich wirkt sich auch auf die Datierungen der Krater aus. Bisher wurden die meisten Krater nicht datiert, und jene, die eine Datierung aufweisen, verfügen in der Regel über eine breite Einschlagzeitspanne.

Daher gibt es auf der Nordhalbkugel eine ganze Anzahl großer Krater, deren Einschlagzeitbereich das Datum von vor 14.400 Jahren mit umfasst. Einer von ihnen wurde kürzlich von Kjaer et al. entdeckt und befindet sich unter dem Hiawatha-Gletscher in Nordwestgrönland. Es handelt sich um eine 31 Kilometer (20 mi) breite, kreisförmige Felsvertiefung, die von einem eisenreichen Meteoriten mit einem Durchmesser von etwa 1,5 km (1 mi) erschaffen wurde.

Topography of the Hiawatha crater
© Kjaer et al., 2018
Topographie des Hiawatha-Kraters
Die kreisförmige Form des Kraters lässt vermuten, dass der Meteorit nicht zu dem Schwarm von vor 12.900 Jahren gehörte, der die Mammuts blitzartig einfror, da die Flugbahn dieses Schwarms fast tangential zum Nordpol verlief, daher die elliptischen Krater (weitere Einzelheiten zu diesem Punkt finden Sie in "Schockgefrorene Mammuts und kosmische Katastrophen").

Ein weiterer Grund für die Erwägung eines unter anderem in Grönland vor 14.400 Jahren stattgefundenen Einschlags in den Eisschild ist der, dass dieser Umstand eine wissenschaftliche "Anomalie" erklären würde, die als Schmelzwasserpuls 1A (SWP-1A) bekannt ist.

Sea-level history (22 kA BP - 6 kA BP)
© Liu et al., 2004
Die Geschichte des Meeresspiegels (22 Tsd. Jahre vor heute - 6 Tsd. Jahre vor heute)
Das Diagramm oben wurde anhand der Korallenanalyse von Liu et al. erstellt. Die Abbildung zeigt, dass der SWP-1A genau zu dem Zeitpunkt vor 14.400 Jahren begann. SWP-1A war eine massive Wasserfreisetzung, die zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 20 Meter innerhalb weniger Jahrhunderte führte. Kurios hierbei ist, dass das Abschmelzen während der oben erwähnten Älteren Dryaszeit (von 14.400 bis 14.200 vor heute) stattfand; einer ausgeprägten Abkühlungsperiode, die normalerweise mit einem Absinken des Meeresspiegels einhergehen sollte (mehr Eis und Schnee, daher weniger flüssiges Wasser).

Wie können wir also diese Abkühlung und gleichzeitige Schmelze in Einklang bringen? Eine mögliche Lösung für das Rätsel wäre natürlich ein substanzieller Kometenkörper, der auf dem Eisschild einschlug. Das würde zum Abschmelzen der Eisdecke führen, aber auch zu einer globalen Abkühlung, da eine große Menge an Ejekta ("Auswurfmaterial" wie z.B Staub, Eiskristalle) in die Atmosphäre freigesetzt und das Eindringen der Sonnenstrahlen verringert wird.

Wie dem auch sei, ist es zwar sehr wahrscheinlich, dass die beobachteten Unruhen (in der Atmosphäre, in Sachen Schmelzwasser und in Bezug auf das Massensterben) vor ca. 14.400 Jahren mit einem Kometenereignis zusammenhängen, jedoch ist es zu diesem Zeitpunkt noch höchst spekulativ, den Hiawatha-Krater als Verursacher zu benennen. Über diesen erst 2016 entdeckten Krater, der unter einer Schicht von 1 km Eis begraben liegt, werden weitere Daten benötigt.

Kometen-Zyklus?

Die Ausführungen oben zeigen, dass sich vor ca. 14.400 Jahren ein katastrophales Ereignis ereignet hat, das wahrscheinlich durch Kometen verursacht wurde. Diese Zahl hat mein Interesse geweckt, denn sie beträgt ein Vielfaches von 3.600 (4 x 3.600 = 14.400).

Nun, Zechariah Sitchin erregte in den Medien und in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit mit seinem Buch Der zwölfte Planet, in dem er auf der Grundlage seiner Interpretation der sumerischen Ikonographie postulierte, dass ein Planet namens "Nibiru", der angeblich der 12. Planet unseres Sonnensystems ist, eine lange, elliptische Umlaufbahn aufweist und alle 3.600 Jahre das Innere des Sonnensystems erreicht.

Diese Hypothese ergab für mich nicht viel Sinn, denn ein astronomischer Körper, der eine sehr langgestreckte Umlaufbahn aufweist und unser Sonnensystem durchquert, kann kein Planet sein. Aber seine Idee könnte durchaus ziemlich gut einer Kometenumlaufbahn entsprechen:

Solar electric field and cometary orbit
© sott.net
Das elektrische Feld der Sonne und eine Kometenumlaufbahn
In der obigen Abbildung sehen wir eine Kometenumlaufbahn (gestrichelte rote Kurve), die durch verschiedene elektrische Feldlinien verläuft (dargestellt durch die konzentrischen Kreise mit den Nummern +1, +2, +3, ...).

Eine elektrische Feldlinie definiert Bereiche, an denen das elektrische Potential gleich ist. Es ähnelt den Höhenlinien auf einer geographischen Karte, bei der jeder Punkt auf der Linie auf der gleichen Höhe liegt.

Diese Veränderungen der elektrischen Potentialdifferenz zwischen dem Kometen und seinem umgebenden Raum lösen intensive elektrische Entladungen zwischen dem Kometen und seiner Umgebung aus, was zu einem überhitzten und glühenden Kometenkörper führt. Aus diesem Grund kann ein astronomischer Körper, der eine sehr elliptische Umlaufbahn um die Sonne mit einer Umlaufperiode von 3.600 Jahren aufweist, kein Planet sein, sondern es muss sich dabei um einen Kometen handeln.

Im Gegensatz dazu durchqueren astronomische Körper, die einer kreisförmigen oder leicht elliptischen Umlaufbahn folgen, den Raum mit einer Ausstattung an konstantem elektrischen Potential, da das elektrische Potential in einem gegebenen mehr oder weniger gleichmäßigen Abstand von der Sonne ungefähr identisch ist. Daher besteht also ein Gleichgewicht zwischen dem elektrischen Potential des Körpers und dem umgebenden Raum. In diesem Fall findet keine Entladung statt und der astronomische Körper glüht nicht.

In diesem Sinn ist der grundlegende Unterschied zwischen einem Kometen und einem Planeten nicht eine Frage der Zusammensetzung, sondern eine Frage der elektrischen Aktivität (die unter anderem mit der Exzentrizität der Umlaufbahn zusammenhängt).

Folglich ist ein Komet schlussendlich einfach ein glühender Planet und ein Planet ist ein nicht-glühender Komet. Dementsprechend kann ein und derselbe Körper, je nachdem wie das elektrische Umgebungsfeld, dem er ausgesetzt ist, sich verändert, sukzessive ein Komet sein, dann ein Planet, dann wieder ein Komet usw.

3,600 year Solar orbit
© sott.net
Exzentrische Umlaufbahn von 3.600 Jahren in unserem Sonnensystem
Abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit eines wiederkehrenden Planeten, der eine sehr exzentrische Umlaufbahn aufweist, war Sitchins Arbeit ein guter Anreiz, mich näher mit der sumerischen Astronomie zu beschäftigen. Zwei Merkmale sind besonders augenfällig:

Erstens verfügten die Sumerer über ausgezeichnete Kenntnisse der Astronomie im Allgemeinen und über Kometen im Besonderen. Die sumerische Tafel K 8538 beschreibt mit großer Genauigkeit den Kometen, der Um-Al-Binni vor ca. 4.200 Jahren traf. K8538 ist die weltweit erste uns bekannte wissenschaftliche Dokumentation einer Annäherung eines großen Kometen und des resultierenden terrestrischen Einschlages [dieses Objektes] auf der Erde.

Section of the K8538 tablet (top: original cuneiform numbers, bottom: translation into Roman numbers).

Ausschitt der K8538-Tafel. Oben: Die Original-Keilschrift-Zahlen; unten: Übersetzung in arabische Zahlen.
Zweitens hatten die Sumerer ein ausgeklügeltes Sexagesimal-Zahlensystem (Basis 60), das fünf Jahrtausende später immer noch weltweit zur Messung der Zeit, von Winkeln und geographischen Koordinaten verwendet wird. Innerhalb dieses Zahlensystems war eine der Haupteinheiten das Shar (shar, saros), was 3.600 Jahren entspricht.

Wenn man also das umfangreiche Wissen der Sumerer über Kometen und ihre 3.600-jährige Zeiteinheit in Betracht zieht, stellt sich eine offensichtliche Frage: Ist die Shar-Einheit nur ein Zufallsprodukt, oder basiert sie auf einer astronomischen Konstante, wie zum Beispiel einem Kometenzyklus?

Das Konzept eines zyklischen Kometen, der eine Umlaufbahn [mit der Dauer] von 3.600 Jahren aufweist und unserem Planeten periodisch begegnet, wird normalerweise wegen der Anziehungskraft verworfen, die von anderen Sternen als unserer Sonne auf den Kometen ausgeübt werden würde. Die Argumentation lautet normalerweise wie folgt:
Basierend auf den einzigen zwei Informationsbrocken, die wir über einen solchen hypothetischen Kometen besitzen, der 1.) eine Umlaufdauer von 3.600 Jahren aufweist und 2.) innerhalb einer AE (astronomische Einheit) an der Sonne vorbeifliegen muss (da er nicht an der Erde vorbeifliegen kann, wenn das nicht der Fall ist), können wir feststellen, dass dieser hypothetische Komet ein Aphelium (der Punkt auf seiner Umlaufbahn, an dem er am weitesten von der Sonne entfernt ist) von 469 AE (469-fache Erde-Sonne-Distanz) auweisen muss.

Zum Vergleich: Das ist die 10-fache Entfernung zwischen Pluto und der Sonne. Die Gravitation der Sonne ist bei einem Abstand von 469 AE (das sind in etwa 2,7 Lichttage) sehr schwach, daher wäre es leicht, dass ein vorbeifliegendes Objekt oder ein anderer Planet unseres Sonnensystems die Bahn des Kometen destabilisiert und ihn in den interstellaren Raum schleudert.
Ist eine stabile Umlaufbahn von 3.600 Jahren also wirklich unmöglich? Bedenken Sie, dass der uns nächstgelegene Stern Proxima Centauri ist, mit einer Entfernung von etwa 4,25 Lichtjahren, so dass ein Komet mit einer Umlaufbahn von 3.600 Jahren innerhalb einer Distanz von 2,7 Lichttagen von der Sonne verbleiben würde und in einer weit größeren Entfernung (mindestens 570 Mal größer) zu anderen Sternen. Daher befände sich der Komet während seines gesamten Umlaufs, einschließlich seines Apheliums, unter der gravitativen Kontrolle der Sonne.

Beobachtungen bestätigen, dass Kometen mit einer sehr langen Umlaufdauer einer stabilen periodischen Umlaufbahn folgen können. Das ist zum Beispiel der Fall beim Großen Kometen von 1811 (C/1811 F1), der eine Umlaufdauer von etwa 3.096 Jahren aufweist.

Depiction of the great Comet of 1811 also known as  Napoleon's Comet
© Public Domain
Abbildung des Großen Kometen von 1811, auch bekannt unter dem Namen "Napoleons Komet"
Ein periodischer Komet mit einer Umlaufdauer von 3.600 Jahren scheint also theoretisch möglich zu sein. Zuvor haben wir festgestellt, dass das Geschehnis von vor 14.400 Jahren (3.600 X 4) wahrscheinlich mit einem Kometenereignis zusammenhängt. Lassen Sie uns also an dieser Stelle unsere Untersuchung fortsetzen und konzentrieren wir uns hierbei auf die hypothetische Manifestation dieses Kometenzyklus, dessen Zeitperiode uns am nächsten liegt (je näher das Datum zur Gegenwart ist, desto mehr Daten sind verfügbar).

Anders ausgedrückt: Hat sich vor ca. 3.600 (3.600 X 1) Jahren ein Kometenereignis zugetragen?

Das Ereignis vor 3.600 Jahren (1600 v. Chr.)

Ähnlich wie bei dem Ereignis vor 14.400 Jahren zeichnete sich das Ereignis vor 3.600 Jahren durch einen plötzlichen Temperaturabfall aus, wie die schwarze vertikale Linie im GISP2-Eiskerntemperaturdiagramm zeigt:

GISP2 temperature reconstruction over the past 10,000 years

GISP2-Temperatur-Rekonstruktion der vergangenen 10.000 Jahre
Der Temperaturabfall (gemessen anhand des O18-Isotops) ist nicht der einzig nennenswerte atmosphärische Parameter. In der folgenden Abbildung sehen wir einen Spitzenwert (140 ppm) in der Sulfatkonzentration, die etwa 10 Mal höher ist als die Hintergrundkonzentration (15 ppm) der nachfolgenden Jahrhunderte:
Dust spike in ice core circa 1628 BC
© Cybis.se
Staub-Anstieg in Eiskernprobe für das Jahr 1628 v. Chr.
Die Ausführungen oben legen nahe, dass sich vor 3.600 Jahren ein katastrophales Ereignis zugetragen hat. Tatsächlich war das Jahr 1628 v. Chr. das Jahr, in dem der Vulkan Thera ausgebrochen ist, der später unter dem Namen Santorin bekannt wurde und sich im östlichen Mittelmeerraum befand:
Ein kataklysmischer Ausbruch des Thera (Santorin) wurde mit Hilfe der Kohlenstoffdatierung auf das Jahr 1628 v. Chr. datiert, durch [die Auswertung] von Asche und Baumringen, die in [räumlicher] Entfernung bis zu den irischen Mooren und kalifornischen Borstenkiefern zu finden waren. Die Thera-Explosion war vielleicht fünfzigmal größer als [der Ausbruch des] Krakatoa [...].

Quelle
Der Vulkan Krakatau ist für seinen Ausbruch im Jahr 1883 berühmt. Diese Eruption war so heftig, dass die Explosionen noch in 4.800 km (3.000 mi) Entfernung von Mauritius zu hören waren. Die resultierende Druckwelle umrundete die Erde dreieinhalb Mal. Asche wurde 80 km (50 mi.) in die Atmosphäre hinauf katapultiert. Der Ausbruch tötete Zehntausende Menschen, und die Durchschnittstemperaturen fielen im Jahr nach der Eruption um bis zu 1,2 °C (2,2 °F) ab.

Der Ausbruch des Thera war Schätzungen zufolge fünfzigmal größer als der des Krakatau. Aber trotz eines solchen Ausmaßes kann diese Eruption den großen Staubanstieg in der Atmosphäre in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. nur schwer erklären. Tatsächlich scheint Thera nur einen sehr geringen Beitrag zur Staubansammlung geleistet zu haben:
Wenn zeitliche Daten an sich nicht in der Lage sind, bestimmte Eruptionen definitiv mit entfernten Klimaaufzeichnungen in Verbindung zu bringen, müssen andere geochemische Analysen verwendet werden. Beispielsweise enthielt die Eiskernschicht hohe Sulfatkonzentrationen, aber neuere petrologische Berechnungen der Schwefelemissionen von Thera machen nur 3-6% der Menge aus, die von der Säurekonzentration in der Eisschicht erwartet wird.

Quelle
Wenn Thera nur ca. 5% zur Gesamtkonzentration des atmosphärischen Staubs beitrug (Sulfat, das sich in Eiskernen in Schwefelsäure umwandelt, daher der Hinweis auf den Säuregehalt im obigen Zitat), woher kamen dann die restlichen 95% des Staubs?
Remains of Thera caldera
© NASA
Überreste der Thera-Caldera
Scheinbar war Thera nicht der einzige aktive Vulkan in dieser Zeitperiode:
Winzige Scherben aus vulkanischem Glas, die aus der Schicht von 1645 ± 4 v. Chr. im grönländischen GRIP-Eiskern geborgen worden waren, sollen laut kürzlichen Mutmaßungen angeblich von dem minoischen Ausbruch des Santorin stammen [Hammer et al., 2003]. Das ist eine bedeutungsvolle Behauptung, da ein genaues Alter für den minoischen Ausbruch eine wichtige zeitliche Beschränkung für die Entwicklung der Zivilisationen im östlichen Mittelmeerraum darstellt.

Es gibt jedoch signifikante Unterschiede in den Konzentrationen von SiO2, TiO2, MgO, Ba, Sr, Nb und LREE zwischen dem Eiskernglas und der minoischen Eruption, so dass sie nicht korrelativ sein können. Neue chemische Analysen von Tephra vom Ausbruch des Vulkans Aniakchak im späten Holozän in Alaska zeigen jedoch für alle Elemente eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Eiskernglas, und diese Eruption wird als wahrscheinlichste Quelle des Glases im GRIP-Eiskern vorgeschlagen. Somit ergeben [diese Analysen] ein genaues Datum von 1645 v. Chr. für den Ausbruch des Aniakchak und es ist die erste sichere Identifizierung der Tephra in Alaska in den grönländischen Eiskernen.

Quelle
Die Dendrochronologie (basierend sowohl auf irischen Eichen als auch auf schwedischen Kiefern) bestätigt, dass der Ausbruch des Aniakchak in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stattfand. Darüber hinaus liefert diese Methode zuverlässigere Daten als Eiskerne, wodurch diese Eruption praktisch gleichzeitig mit der des Thera stattfand:
Jahresring-Daten haben gezeigt, dass ein großes Ereignis im Jahr 1629-1628 v. Chr. (±65 Jahre) in Nordamerika stattfand, welches das normale Baumwachstum in Nordamerika beeinträchtigte. Beweise für ein klimatisches Ereignis um das Jahr 1628 v. Chr. wurden in Studien über die Wachstumsdepression von Europäischen Eichen in Irland und von Schottischen Kiefern in Schweden entdeckt. Frostringe der Borstenkiefer deuten ebenfalls auf ein Datum von 1627 v. Chr. hin, was die Datierung in den späten 1600er Jahren v. Chr. bestätigt.

McAneney und Baillie argumentieren jedoch, dass es einen chronologischen Fehler in den grönländischen Eiskerndaten gibt, bei dem die Eiskerndaten im 17. Jahrhundert v. Chr. ungefähr 14 Jahre zu alt sein sollen, folglich andeutend, dass der Ausbruch des Aniakchak und nicht der des Thera die Ursache für die klimatische Störung gewesen sein könnte, die durch Baumringe auf der Nordhalbkugel um 1627 v. Chr. belegt sind.

Quelle
Der Thera im Mittelmeer und der Aniakchak in Alaska waren massive Ausbrüche, aber offenbar sind sie nicht die einzigen Vulkane, die um das Jahr 1627 v. Chr. aktiv wurden:
Eine von Vogel und anderen veröffentlichte Studie im Jahr 1990 legt nahe, dass der Ausbruch von Avellino teilweise für die klimatischen Störungen der 1620er Jahre v. Chr. verantwortlich war. Letzteres wurde durch Baumringserien und Eiskernschichten verifiziert. Die Autoren hatten gerade Kohlenstoffdaten aus dem Jahr 3360±40 vor der Gegenwart, bzw. 1617-1703 kalibrierte Jahre v. Chr., [als Ergebnis] erhalten. Sie legten eine Übereinstimmung mehrerer Ausbrüche nahe, wie z. B. die des minoischen Ausbruchs auf Santorin.
Der Ausbruch von Avellino bezieht sich auf eine Eruption des Vesuvs. Der Vulkanische Explosionsindex (VEI) dieses Ausbruchs wird auf 6 geschätzt, was diese Eruption größer und katastrophaler macht als den berühmteren und besser dokumentierten Ausbruch des Vesuvs, der Pompeji im Jahr 79 n. Chr. auslöschte.

In derselben Studie entdeckten Vogel et al., dass auch der Berg Mount Saint Helens im 17. Jahrhundert v. Chr. einen großen Ausbruch hatte.

Jetzt haben wir vier große und fast gleichzeitige Ausbrüche entdeckt (Thera, Aniakchak, Vesuv und St. Helens), die ca. 1628 v. Chr. stattfanden; oder, wie Vogel es ausdrückt: "eine Übereinstimmung mehrerer Ausbrüche". Aber das erklärt noch immer nicht den gesamten Säuregehalt, der in den Eiskernen gefunden wurde:
Sollten die Aerosole von Avellino der sehr ähnlichen Eruption von 79 n. Chr. entsprochen haben, wären sie überwiegend schwefelhaltig und dreimal so häufig gewesen wie bei der größeren Theran-Eruption. Der Berg Mount Saint Helens Yn könnte nur halb so viel Sulfat wie Thera erzeugt haben, aber Aniakchak II könnte viermal so hohe Schwefelemissionen wie Thera produziert haben.

Vogel et al., 1990
Aus den von Vogel vorgeschlagenen Verhältnissen können wir Folgendes ableiten:
  • Thera trug etwa 5% zum gesamten atmosphärischen Staub bei
  • Vesuv (Avellino) 15%
  • Mount Saint Helens 2,5%
  • Aniakchak 20%
Demnach trugen diese vier Ausbrüche trotz ihres außergewöhnlichen Schweregrades nur etwa 42% zu der Gesamtkonzentration and dem Staub in der Atmosphäre bei, die in den Eiskernen entdeckt wurden.

Beachten Sie auch, dass diese vier Vulkane auf der nördlichen Erdhalbkugel liegen. Der südlichste ist Thera, der sich auf 36° nördlicher Breite befindet, während sich die Vulkane St. Helens und Aniakchak über dem 45. Breitegrad befinden.

Trotz dieser Konzentration der vulkanischen Aktivität in der nördlichen Hemisphäre zeigt das untenstehende Diagramm, dass der SO4-Anstieg um das Jahr 1620 v. Chr. im Eiskern der Antarktis (620 ppm - siehe roten Pfeil) fast viermal so groß ist wie im Eiskern Grönlands (180 ppm - siehe blauen Pfeil):

SO4 concentration - GISP vs. Taylor Dome
© Volcanocafé
SO4 Konzentration - GISP im Vergleich zu Taylor Dome
Was könnte also die recht hohen Konzentrationen an atmosphärischem Staub in der Antarktis erklären, während die Vulkanausbrüche auf der Nordhalbkugel stattfanden? Was könnte die restlichen 58% an atmosphärischem Staub in den Eiskernen erklären? Was könnte das praktisch zeitgleiche Ausbrechen von mindestens vier großen Vulkanen erklären?

Ein Kometenereignis ist ein Spitzenkandidat für die Lösung dieses Rätsels, da direkte Einschläge (einhergehend mit Explosionen in der Erdatmosphäre) viel atmosphärischen Staub erzeugen können und weil eine erwiesene Korrelation zwischen Kometenaktivität und vulkanischer Aktivität existiert, wie wir später noch sehen werden.

Kometenaktivität ist zwar offensichtlich eine plausible Ursache, gibt es aber in den Aufzeichnungen der damaligen Zeit irgendwelche Spuren von solchen Aktivitäten? Tatsächlich berichteten chinesische Verfasser von so einem Ereignis:
In den Bambusannalen steht: "Im 10. Jahr [des Königs Jie] verließen die fünf Planeten ihren Kurs. In der Nacht fielen Sterne wie Regen. Die Erde bebte." Später im Text heißt es in den Bambusannalen: "Der Himmel war drei Tage lang mit Nebel überzogen." Die Nebel traten während der Herrschaft von König T'ae -Këah auf (T-ae Che oder Tai Jia) auf, dem vierten Herrscher der Shang-Dynastie, der ca. 1530 v. Chr. den Thron bestieg. Die Herrschaft von König Jie von Xia, die etwa 1600 v. Chr. endete, und die Herrschaft von König T'ae -Këah von Shang, die fast siebzig Jahre später folgte (basierend auf der in den Bambus-Annalen angebotenen Chronologie), traten beide im Bereich der Radiokohlenstoff-Datierung von Thera um ca. 1670-1520 v. Chr. und im Eiskern- und Baumringbereich von ca. 1740-1440 v. Chr. auf.

Quelle
The Bamboo Annals also known as the Ji Tomb Annals

Die Bambus-Annalen, auch bekannt als Bambuschronik oder Jin-Grab-Annalen
Die chinesischen Annalen scheinen also so etwas wie eine Nahbegegnung von vorbeiziehenden Kometen zur Zeit der Ereignisse von 1600 v. Chr. aufgezeichnet zu haben. Beachten Sie auch die Erwähnung von Erdbeben ("die Erde bebte"). Wie bereits erwähnt, haben Kometenereignisse einen engen Bezug zu seismischen Aktivitäten (einhergehend mit vulkanischen Aktivitäten).

Das Ereignis, bei dem "Sterne wie Regen fielen" (so wie es in den Bambus-Annalen berichtet wird) war offensichtlich kein triviales oder unbedeutendes Geschehnis, denn 1600 v. Chr. markierte auch das Ende der Xia-Dynastie, die vier Jahrhunderte lang den Osten Chinas beherrscht hatte.

Zu diesem Zeitpunkt gibt es viele Daten, die das Auftreten einer kometeninduzierten Katastrophe um 1628 v. Chr. unterstützen. Das Hauptgegenargument kommt aus ägyptischen Aufzeichnungen. In diesen Dokumenten ist keine Spur eines katastrophalen Ereignisses um das Jahr 1628 v. Chr. zu finden, obwohl es auch da Katastrophen gibt, die anderen Zeitpunkten zugeschrieben werden.

Aber wie viel Vertrauen können wir in die ägyptischen Aufzeichnungen und ihre höchst umstrittene und immer noch diskutierte Chronologie legen, die allem Anschein nach so entworfen wurde, dass sie mit den Inhalten des Alten Testaments übereinstimmen, welches an sich ein Bündel aus mythischen Berichten ist und nicht die tatsächliche Geschichte darstellt? Der fiktionale Charakter des Alten Testaments ist inzwischen eine etablierte Tatsache:
Es ist seit langem bekannt, dass der größte Teil des (AT) [Alten Testaments] aus Fiktionen (Exodus, Hiob, Ruth) oder Fälschungen (Daniel, Deutero-Jesaja, Deutero-Sacharja) besteht.

Richard Carrier, On the historicity of Jesus, S. 215
Das Ereignis vor 7.200 Jahren (5200 v. Chr.)

Nachdem wir nun Daten aufgelistet haben, die auf das mögliche Auftreten von kometeninduzierten Katastrophen vor ca. 14.400 Jahren (3.600 X 4) und ca. 3.600 Jahren hindeuten, wollen wir einen Blick auf das dazwischenliegende Datum von vor ca. 7.200 Jahren (3.600 X 2) werfen.

Ähnlich wie bei den Ereignissen vor 14.400 und 3.600 Jahren entdecken wir einen starken Temperaturabfall, der durch Eiskernanalysen offenbar wurde, wie die schwarze vertikale Linie in der untenstehenden Grafik zeigt:
GISP2 ice core temperature reconstruction

GISP2-Eiskerntemperatur-Rekonstruktion
Das Ereignis vor 7.200 Jahren ist auch durch einen außergewöhnlichen Anstieg der Quecksilber (Hg)-Konzentration gekennzeichnet. Die folgende Grafik zeigt die Konzentration von Titan, Brom und Quecksilber in EGR2A, einem 6 Meter langen Torfkern aus der Schweiz, der eine Zeitspanne von 12.500 Jahren vor der heutigen Zeit bis zur Gegenwart erfasst. Der Torfkern offenbart die größte Quecksilberkonzentration von vor 7265 ± 75 Jahren, wie in der unteren Grafik durch den roten Kreis angezeigt wird:

Titanium, Bore and mercury concentration in the EGRA2A ice core
© sott.net
Konzentrationen von Titan, Brom und Quecksilber im EGRA2A-Torfkern
Quecksilber ist auf dem Planeten Erde ein sehr seltenes Element. Das höchste Vorkommen von Quecksilber wird von Mc Donough et al. auf 3-8 ppb (parts per billion) geschätzt. In Meteoriten ist die Quecksilberkonzentration jedoch viel höher, wenn auch variabel, mit Konzentrationen von ca. 10 ppb bis 14.000 ppb.

Die Rekordkonzentration von 14.000 ppb wurde in dem Orgueil-Meteoriten entdeckt, einem 14 kg (30 Pfund) schweren kohlenstoffhaltigen Chondrit-Meteoriten, der 1864 in Südfrankreich auf die Erde fiel.

Laut Gounelle et al. hat der Orgueil-Meteorit einen Kometen-Ursprung, was auch für einige andere kohlenstoffhaltige Chondrit-Meteoriten zutrifft, wie es von Haack et al. vorgeschlagen wurde.

Der Zusammenhang zwischen Kometen und hohen Quecksilberkonzentrationen wird durch die Analyse von Einschlagkratern auf dem Mond verstärkt:
Hohe Hg [Quecksilber]-Häufigkeiten in diesen Ablagerungen wurden von Reed (1999) nahegelegt und in den Schwaden bestätigt, die vom Boden des lunaren polaren Kraters Cabeus, bedingt durch einen kinetischen Impaktor, ausgestoßen wurden (die LCROSS-Mission; Gladstone et al., 2010). Es wurde festgestellt, dass der Mondboden in diesem Krater 2.000.000 ppb Hg enthält!

Meier et al., Mercury (Hg) in meteorites: Variations in abundance, thermal release profile, mass-dependent and mass-independent isotopic fractionation, 2016
Der Boden des Mondkraters Cabeus weist eine Quecksilberkonzentration von 2.000.000 ppb auf, was 0,2% entspricht. Diese Konzentration ist etwa 300.000 mal höher als die durchschnittliche Quecksilberkonzentration auf der Erde.

Zusätzlich zu der ungewöhnlich hohen Quecksilber-Konzentration und des wahrscheinlichen Kometen-Ursprungs dieser Häufigkeit wird das Ereignis vor 7.200 Jahren auch durch einen plötzlichen Anstieg des atmosphärischen Staubs gekennzeichnet, wie es durch die hohe Schwefel-(SO2)-Konzentration angedeutet wird, die im GISP2 (Grönland) Eiskern entdeckt wurde:

SO2 concentration over the past 72,000 years
© VolcanoCafé
SO2-Konzentrationen in den vergangenen 72.000 Jahren
Im Diagramm oben sieht man die SO2-Konzentration (Schwefeldioxid - atmosphärisches Aerosol, das als Proxy für die Verbrennung von Biomasse und für vulkanische Aktivität dient). Die schwarzen Pfeile offenbaren das Datum von vor 7.200 Jahren mit einer massiven SO2-Spitze, die das viertgrößte Signal der letzten 70.000 Jahre darstellt.

Das 53. Jahrhundert v. Chr. war eine Periode der abrupten Erhöhung der vulkanischen Aktivität, wie das untenstehende Diagramm zeigt, das die Anzahl der großen Eruptionen pro Jahrhundert in vier verschiedenen Eiskernen offenbart: EPICA (Antarktis), Plateau Remote (Antarktis), GISP2 (Grönland) und SDMA (Siple Dome A in der Antarktis). Der Anstieg der Eruptionszahlen um 5200 v. Chr. (7.200 Jahre vor der Gegenwart) - ungefähr 15 Hauptereignisse innerhalb eines Jahrhunderts - wird durch die vertikale türkisfarbene Linie dargestellt:

SO4 concentration in ice cores from -10,000 BC to now

SO4-Konzentrationen in Eiskernen von vor 10.000 Jahren bis heute
Wenn wir diesen Zeitraum genauer betrachten, schaut der Zeitverlauf der Sulfatfreisetzung, der den Vulkanausbrüchen zugeschrieben wird, wie folgt aus: Die erste Zahl in der Tabelle ist das Jahr (v. Chr), die zweite Zahl ist die SO4-Konzentration in ppm.

SO4 concentration

SO4-Konzentration
Im wissenschaftlichen Original-Artikel, aus dem diese Daten stammen, werden nur die Vulkanereignisse aufgelistet, bei denen mehr als 25 ppm SO4 freigesetzt wurden. Die meisten Jahrhunderte sind sehr ruhig, mit einer SO4-Gesamtfreisetzung unter 100 ppm, aber das 53. Jahrhundert v. Chr. weist mehr als 1.264 ppm kumulierte Sulfatfreisetzung auf.

Diese Sulfatspitze wird Vulkanausbrüchen zugeschrieben: Die Sulfatfreisetzungen von 5277 v. Chr. und 5279 v. Chr. werden dem Vulkan Kizimin in Kamtschatka, Russland, angelastet.

Beachten Sie die Größenordnung der SO4-Konzentration in den 5.277- und 5.279-Schichten, die insgesamt fast 1.100 ppm erreichen. Das ist in etwa das Achtfache der SO4-Signatur, die Thera 1628 v. Chr. hinterlassen hat, oder das 40-fache der Krakatau-Signatur des Ausbruchs von 1883.

Dennoch gibt es zwei Probleme mit der Kizimin-Hypothese. Erstens ist die Kohlenstoffdatierung des Kizimin-Ausbruchs nicht sehr genau und liegt zwischen 5600 und 5000 v. Chr. Zweitens, wie das SO4-Konzentrationsdiagramm oben zeigt, weisen die Eiskerne eine SO4-Konzentration von 720 ppm auf, während Kizimin nur 677 ppm freisetzte.

Das wirft mehrere Fragen auf: War die Kizimin-Eruption das einzige (oder überhaupt das eigentliche) Ereignis, das zur Sulfat-Spitze von vor 7.200 Jahren beigetragen hat? Was löste die Welle praktisch gleichzeitig stattfindender Vulkanausbrüche aus?

Auf jeden Fall hat das Ereignis vor 7.200 Jahren Spuren in menschlichen Aktivitäten hinterlassen, obwohl es für diesen Zeitraum nur wenige archäologische Ausgrabungstätten gibt. Einer dieser Ausgrabungsorte ist Çatalhöyüki in Anatolien (Türkei), welcher ca. 7500 v. Chr. gegründet wurde und 22 Jahrhunderte lang blühte, bis er um das Jahr 5300 v. Chr. aufgegeben wurde:
Die Siedlung [Çatalhöyük] wurde dann ca. 5300 v. Chr. aufgegeben.

Mary Settegast. Plato Prehistorian. The Rotenberg Press. 1987, S.207
Während Çatalhöyük die namhafteste Ausgrabungstätte ist, wurden zahlreiche andere neolithische Stätten vor 7.200 Jahren aufgegeben:
  • In der Türkei; die Fundstätten Hacilar und Mercin
  • Yarim Tepe and Hajji Tepe im Iran
  • Ban Rai in Vietnam nach 34 Jahrhunderten an Aktivität
  • Die Chertovy-Worota-Höhle in Russland wurde erstmals 22 Jahrhunderte zuvor zur Wohnstatt gemacht.
Vor 7.200 Jahren war auch das Ende der Faiyum-A-Zeit in Ägypten, der Amuk-B-Zeit in Syrien, des Keramik-Neolithikums in der Levante und der Hassuna-Kultur in Assyrien erreicht.

Das Ereignis vor 10.800 Jahren (8800 v. Chr)

Bisher haben wir das Ereignis vor 14.400 Jahren (4 X 3,600), jenes vor 3.600 Jahren und das vor 7.200 Jahren (2 X 3,600) betrachtet. Noch ein Datum verbleibt: das Ereignis vor 10.800 Jahren (3 X 3,600).

Genau wie bei den drei zuvor untersuchten Ereignissen stellen wir auch hier einen plötzlichen Temperaturabfall um 10.800 vor der Gegenwart fest:

Vostok temperature reconstruction
© CDIAC
Wostok-Temperaturrekonstruktion
Das Diagramm oben ist eine Temperaturrekonstruktion auf Grundlage eines Eiskerns aus Wostok (Antarktis). Der rosa Pfeil verdeutlicht den Temperaturabfall von vor ca. 10.800 Jahren. Beachten Sie, dass dieser Temperaturabfall im Vergleich zu den drei anderen Ereignissen moderat ist (ca. 0,5°C). Außerdem erscheint diese Temperaturänderung nicht im grönländischen Eiskern. Wir werden später feststellen, warum dieser Temperaturabfall so begrenzt und lokalisiert war.

Zusammen mit dem Temperaturabfall offenbart das Ereignis von vor 10.800 Jahren einen Anstieg von NO3 (Nitrat):

NO3 concentration at Taylor Dome and Belukha
© Wolfbach et al., 2018
Taylor Dome und Belukha NO3-Konzentration
Wie im Diagramm deutlich wird, offenbaren sowohl Belukha (Sibirien) als auch Taylor Dome (Antarktis) vor ca. 10.800 Jahren einen Anstieg der Nitratkonzentration (NO3) - siehe rote vertikale Linien und rote Pfeile. Der Anstieg in Belukha (ca. +15 ppb) ähnelt dem Anstieg in Taylor Dome (ca. +20 ppb). NO3 ist ein Proxy für die Verbrennung von Biomasse, wie von Brook et al. 2015 aufgezeigt wurde.

Andere Verbrennungsaerosole sind NH4, Acetat, Oxalat und Formiat. Wie im untenstehenden Diagramm dargestellt ist, offenbart jedes dieser Aerosole einen starken Anstieg, beginnend vor 10.800 Jahren, symbolisiert durch die roten vertikalen Linien, während die roten Pfeile die nachfolgenden Konzentrationsspitzen anzeigen:

Combustion aerosols in the GRISP ice core
© Wolbach et al., 2018
Verbrennungsaerosole im GRISP-Eiskern
Dieser Anstieg ist zwar nicht so ausgeprägt wie der zu Beginn der Jüngeren Dryaszeit (vor ca. 12.800 Jahren), aber immer noch erkennbar. Beachten Sie, dass der GRISP-Eiskern aus Grönland stammt.

Das folgende Diagramm zeigt die Konzentrationen von Titan (Ti - hellgraue Kurve), Brom (Br - mittelgraue Kurve) und Quecksilber (Hg - schwarze Kurve), die in EGR2A entdeckt wurden. Es offenbart eine der größten Konzentrationen an Titan (grüner Punkt), Brom (violetter Punkt) und Quecksilber vor ca. 10.800 Jahren:
Titanium, Bromine and mercury concentration in peat core
© Mason et al., 1970
Titan-, Brom- und Quecksilberkonzentration im Torfkern
Wir haben zuvor bereits die hohen Konzentrationen von Quecksilber beschrieben, die in Meteoriten und Einschlagkratern entdeckt wurden.

Zufälligerweise (oder auch nicht) gibt es in Asteroiden auch hohe Konzentrationen an Titan. Wie die folgende Tabelle zeigt, ist Titan eines der wenigen Elemente, das in allen Meteoriten-Klassen nachgewiesen wird. Seine Konzentration ist in den folgenden Klassen besonders hoch: Orthopyroxen, Klinopyroxen, Chromit und Phosphat.
Titanium concentration according to meteorite classes
© Mason et al., 1970
Titankonzentration in Meteoritenklassen
Das Ereignis vor 10.800 Jahren offenbart auch die höchste Bromidkonzentration in den letzten 12.500 Jahren. Die Konzentration an Bromid in der Erdkruste ist mit etwa 1 ppm gering, was der Bromidkonzentration in Meteoriten ähnelt.

Woher stammt also der Bromid-Anstieg von 40 ppm, der in den Schichten vor ca. 10.800 Jahren entdeckt wurde?

Die Ozeane weisen mit 0,0065 % (65 ppm) eine wesentlich höhere Bromidkonzentration auf als die Erdkruste. Der Bromid-Anstieg von 40 ppm wurde jedoch nicht an den Meeresküsten entdeckt, sondern in einem Torfkern in Etang de la Gruere, Schweiz, Hunderte von Kilometern vom nächstgelegenen Meer entfernt.

Könnte ein Asteroideneinschlag in den Ozean diese unerwartetet hohe Bromidkonzentration erklären, die in der Schweiz entdeckt wurde? Die von Pierazzo et al. durchgeführten Forschungen legen nahe, dass Asteroideinschläge in Ozeanen:
  1. die atmosphärischen Bromidkonzentrationen um das 20-fache erhöhen
  2. atmosphärisches Bromid auf den Kontinenten verteilen
Der Einschlag eines 500 m [großen] Asteroiden [in einen Ozean] erhöht den atmosphärischen Wasserdampfgehalt [in der oberen Atmosphäre] im ersten Monat nach dem Einschlag, in einem großen Gebiet um den Einschlagspunkt herum, um mehr als das 1,5-fache der [normalen] Hintergrundkonzentration. Halogene, ClY und BrY [Bromverbindungen] folgen der Wasserdampfverteilung, mit einer anfänglichen Zunahme von jeweils mehr als dem 20- bzw. 5-fachen der normalen Hintergrund [-Konzentration] in derselben Region um den Einschlag herum. Die Störungen verbreiten sich schliesslich über die nördliche Hemisphäre, wo der Wasserdampfgehalt im ersten Jahr nach dem Einschlag etwa 50% über der [normalen] Hintergrund [-Konzentration] verbleibt, während ClY und BrY das Fünffache bzw. das Doppelte ihrer Hintergrundwerte überschreiten.

Pierazzo et al, Ozone perturbation from asteroid impacts in the ocean,
Ein Ozean-Einschlag würde sowohl den starken Bromid-Anstieg, als auch den moderaten Temperaturabfall erklären, da Einschläge ins Meer weit weniger Staub erzeugen als Bodeneinschläge.

Die relativ niedrigen Konzentrationen an atmosphärischem Staub vor ca. 10.800 Jahren werden durch das folgende Diagramm bestätigt. Das Signal vor 10.800 Jahren wird durch den türkisfarbenen Pfeil mit einem SO4-Niveau von etwa 150 ppm angezeigt. Beachten Sie zum Vergleich den violetten Pfeil, der das zuvor beschriebene Ereignis vor 7.200 Jahren anzeigt, das eine SO4-Spitze von 750 ppm aufwies.

SO4 concentration in GISP2 ice core

SO4-Konzentrationen im GISP2-Eiskern
Die Ereignisse, die vor ca. 10.800 Jahren Spuren in der Erdatmosphäre hinterlassen haben, haben sich auch auf die Fauna ausgewirkt:
Eine ausgedehnte, aber diskontinuierliche Holzkohleschicht, die auf 10.840 ± 80 und 10.960 ± 60 Jahre vor der Gegenwart datiert wird, könnte das Erscheinen von Menschen, die Feuer entzünden, markieren. Unabhängig davon, ob die Verbrennung anthropogen war oder nicht. Oberhalb dieses [fokussierten] Linsenpunktes wurden auf einer Fläche von ca. 2 m2 zwei abgeschrägte Knochenspitzen, eine überarbeitete Gainey-ähnliche genutete Spitze und zwei möglicherweise vom Menschen veränderte Knochen entdeckt (ein geschnittener Schnappschildkrötenwirbel und ein perforiertes Ilium [Hüftbein] eines Pekaris [Nabelschweins]). Auf Grundlage sich überlagernder Zeitdaten (leider einschließlich einiger Anomalien aufgrund offensichtlicher Wasserstörungen) scheinen die kulturellen Materialien auf ca. 10.800 - 10.900 Jahre vor der Gegenwart zu datieren. Die datierten Proben aus den darüberliegenden Schichten umfassen zwei Knochen des ausgestorbenen Flachkopfpekariers (Piatygouus compressus) (jeweils datiert auf 11.130 ± 60 und 11.060 ± 60 Jahren vor der Gegewart), einen Knochen des ausgestorbenen Riesenbibers (Castoroides ohioeusis) (datiert auf 10.850 ± 60 Jahre vor der Gegenwart) und einen Knochen des Karibus (Rangifer taraudus), der auf 10.440 ± 40 Jahre vor der Gegewart datiert wurde. Die letzte [zitierte] Probe stammt offensichtlich nicht von einer ausgestorbenen Art, aber es ist schon eine ganze Weile her, dass Karibus in Ohio existiert haben.

Mehrere Höhlen im Südwesten enthalten stratifizierte datierte Sequenzen, die lediglich auf eine terminalpleistozäne Katastrophe hindeuten, da es keine Hinweise auf menschliche Besiedlung oder Schlachtungen gibt. An diesen [untersuchten] Orten hört die kontinuierliche Ablagerung von Dung über Jahrtausende hinweg durch das Shasta-Bodenfaultier (Nothrotheriops shastensis) vor 11.000 bis 10.800 Jahren abrupt auf. Relativ genaue Datierungen für die letzte Ablagerung von Dung beinhalten: die Gipshöhle, NV. 11.005 ± 100 [Jahre vor der Gegenwart = J. v. G.], 11.080 ± 90 [J. v. G.] (Hofrciter et al. 2000); die Rampart-Höhle, AZ 10.940 ± 60 [J. v. G.], 11.000 ± 140 [J. v. G.]; die Muav-Höhlen, AZ 11140 ± 160 [J. v. G.], 11.060 ± 240 [J. v. G.] , 10.650 ± 220 [J. v. G.], der Aden-Krater, NM, 11.080 ± 200 [J. v. G.], die Upper Sloth-Höhlen, TX, 10.750 ± 140 [J. v. G.], 10.780 ± 140 [J. v. G.] und 11.060 ± 180 [J. v. G.] (Long und Martin, 1974; Martin. 2005).

G. Haynes, American Megafaunal Extinctions at the End of the Pleistocene, 2008, p.30
Wie von Thomson et al. in ihrer Schlussfolgerung über das Aussterben der Bodenfaultiere betont wurde: "Sie standen zum Zeitpunkt des Aussterbens unter keinem offensichtlichen Ernährungsstress", was auf ein plötzliches Ende hindeutet.

Mysteriöse Eruptionen

Bisher wurden in unserer Analyse häufig Schwefel-/Staub-Spitzenwerte (SO2, SO4) in Eisbohrkernen erwähnt. Aus Sicht der Mainstream-Wissenschaft sind Schwefelspitzwerte ausschließlich Proxies für Vulkanausbrüche. Das heißt, wenn ein Schwefelspitzenwert entdeckt wird, ist er laut der Mainstream-Wissenschaft zumeist zwangsläufig auf bestimmte Vulkaneruption(en) zurückzuführen.

Das Problem ist jedoch, dass selbst in der jüngsten Vergangenheit der Ursprung der meisten Schwefelspitzenwerte ungeklärt bleibt, da keine passenden Vulkanausbrüche entdeckt werden konnten. Das folgende Diagramm listet die 92 bemerkenswerten Schwefelspitzenwerte auf, die in den letzten 2.000 Jahren aufgetreten sind. Mehr als die Hälfte von diesen Spitzenwerten (47 Spitzenwerte - gelb markiert) werden keiner Eruption zugeschrieben und die restlichen 45 Spitzen stehen nur "möglicherweise" mit dieser oder jener Eruption in Verbindung.

Correlation list: SO4 signal in ice core vs. volcanic eruption
© Kurbatov et al., 2006
Korrelationsliste: SO4-Signal in Eiskernen im Vergleich zu Vulkanausbrüchen
Je weiter wir in die Vergangenheit zurückblicken, desto schlimmer wird es. Das folgende Diagramm zeigt die SO2-Konzentrationen im Eiskern GISP2 (Grönland) über die letzten 16.000 Jahre.

Das Diagramm offenbart 62 Spitzenwerte, die mehr als 120 ppm erreichten. Einige der Spitzenwerte kamen auf 800 ppm. Zum Vergleich: Die "gigantische" Krakatau-Eruption erzeugte etwa 150 ppm an Schwefel.

Von diesen 62 Spitzenwerten werden nur 14 zaghaft mit einem Vulkanausbruch assoziiert. Die beiden höchsten Spitzenwerte (10.657 v. Chr. und 9.285 v. Chr.) offenbaren keinerlei Zusammenhang mit einem Ausbruch:

SO2 - eruptions over the past 16,000 years
© VolcanoCafé
SO2-Eruptionen in den letzten 16.000 Jahren
Im Diagramm oben sehen wir einen gelb markierten Spitzenwert für das Jahr 1258 n. Chr. (fast 400 ppm). Einige wenige Vulkane wurden als Ursache in Betracht gezogen (El Chichón, Quilotoa, Harrat Rahat), aber die Datierungen ihrer Ausbrüche stimmen nicht mit diesem Zeitpunkt überein. Bisher konnte kein Vulkanausbruch mit dem Spitzenwert im Jahr 1258 n. Chr. in Verbindung gebracht werden:
Die größte Eruption der historischen Periode, möglicherweise [sogar] der letzten 7000 Jahre, fand wahrscheinlich 1257 Jahre n. Chr. statt. Es ist überraschend, dass der verantwortliche Vulkan trotz des Ausmaßes [dieser Eruption] (1014-1015kg) und dessen Caldera-Durchmesser (10 - 30 km) nicht identifiziert wurde, aber Untersuchungen von Kandidaten für junge Calderas und die Aufzeichnung der Meeres[bohr]kerne könnten letztendlich die Quelle aufdecken. Rekonstruktionen des Paläoklimas weisen auf eine südliche und nördliche Abkühlung des Sommers in den Jahren 1257 - 59 n. Chr. hin, übereinstimmend mit einer hohen Schwefelkonzentration und einer explosiven Eruption in niedrigen Breitengraden, die 1257 n. Chr. stattfand. Der 5×1013kg starke Baitoushan-Ausbruch geschah wahrscheinlich ca. 1030 n. Chr. Andere große, nicht identifizierte, klimawirksame Eruptionen fanden um 1100, 1171, 1229 und 1341 n. Chr. statt.

Oppenheimer et al, Ice core and palaeoclimatic evidence for the timing and nature of the great mid-13th century volcanic eruption, 2003
Ein Schwefelspitzenwert wird einer Vulkaneruption zugeschrieben, indem man lediglich bloß die Datierung des im Eiskern gefundenen Staubs mit der Datierung der vermuteten Eruption abgleicht. Diese Vorgehensweise beweist nicht, dass die Eruption die Staubspitzenwerte verursacht hat, sondern lediglich, dass die Staubspitzenwerte und die Eruption "relativ" synchron stattgefunden haben.

Ich habe den Begriff "relativ" verwendet, weil die Kohlenstoffdatierung von Eruptionen (durch die Analyse von Lavaschichten) nur grob [bzw. ungefähr] ist und eine Datierungsspanne von etwa 5% aufweist. Das bedeutet, dass ein Eruption, die auf 10.000 Jahre vor der Gegegenwart kohlenstoff-datiert wurde, mit 90%iger Sicherheit zwischen 10.250 und 9.750 Jahre vor der Gegenwart stattfand. Das ist ein Datierungsbereich von fünf Jahrhunderten und es ist nicht einmal sicher, dass die Eruption in dieser Zeitspanne stattfand.

Also sind die 14 "erklärten" Spitzenwerte, die für die letzten 16.000 Jahre aufgelistet sind, nur hypothetische Erklärungen, bei denen die Datierung einer Eruption "nahe genug" (hier sprechen wir über Jahrzehnte oder Jahrhunderte der Ungenauigkeit) an der Datierung eines Spitzenwertes lag. Und selbst wenn die identifizierte Eruption tatsächlich zu dem Spitzenwert beigetragen hat, beweist das nicht, dass diese Eruption der Haupt-, geschweige denn der einzige Faktor war, der zu dem Spitzenwert beigetragen hat.

Ein Paradebeispiel dafür ist das Ereignis 1628 v. Chr. Für lange Zeit wurde die Thera-Eruption als alleinig schuldiges Ereignis angesehen. Wegen des historischen Interesses und der zeitlichen Nähe zur Gegenwart dieses Geschehnisses wurden weitere Forschungen durchgeführt, die eine detaillierte Analyse des in Eiskernen gefundenen Staubes (Isotope, Verhältnisse, Spektroskopie) beinhalteten, doch diese zeigten, dass mindestens drei weitere Vulkane beteiligt waren.

Thera war nicht das einzige beitragende Ereignis; und wie oben erklärt wurde, gab es neben den vier kürzlich identifizierten Ausbrüchen noch andere beitragende Geschehnisse.

Ein weiteres Beispiel ist der Beginn der Jüngeren Dryaszeit vor ca. 12.800 Jahren. Für viele Jahre wurde das Ereignis von den meisten Wissenschaftlern als etwas angesehen, das rein vulkanischen Ursprungs war. Trotz der erdrückenden Beweislast für Kometenbombardements wird das Ereignis von einigen etablierten Wissenschaftlern auch heute noch ausschließlich vulkanischen Aktivitäten zugeschrieben.

Die Schwierigkeiten für die Unterscheidung von großen Vulkanausbrüchen und Kometenereignissen ist verständlich, da ihre "Makro"-Kennzeichen recht ähnlich sind:
  • Spitzenwerte an atmosphärischen Aerosolen (SO2, SO4, NH4, NO3, ...). Die meisten dieser Aerosole sind Proxies für die Verbrennung von Biomasse, ganz gleich, ob diese Verbrennungen durch Kometen oder Vulkane induziert wurden.
  • Abrubte/plötzliche globale Temperaturabfälle (wegen dem oben erwähnten Anstieg der atmosphärischen Staubkonzentrationen)
Die Identifizierung des massiven Kometenbombardements als Hauptauslöser der Jüngeren Dryaszeit vor ca. 12.800 Jahren basiert auf der Entdeckung von Kratern in Verbindung mit genauen Datierungen und detaillierten Untersuchungen, bei denen spezifische Proxy-Materialien (Mikro-Kügelchen, Fulleren, Platin, Titan, Kohlenstoff-Glas, Iridium und Nanodiamanten) entdeckt wurden, die auf solche Ereignisse zurückzuführen sind.

Da die meisten dieser Materialien nicht in Vulkanen und nur in Einschlagkratern [und anhand deren Auswirkungen] zu finden sind, konnten Wissenschaftler die Hypothese - dass die Ursache für die Ereignisse damals ausschließlich auf Vulkane zurückzuführen ist - ausschließen. Das wirft jedoch eine weitere wichtige Frage auf: Wie viele Staubspitzenwerte/Temperaturabfälle werden fälschlicherweise auf Vulkanausbrüche zurückgeführt?

Beunruhigenderweise verzeichnete man mysteriöse Eruptionen (Staubspitzenwerte, denen keine Eruption zugeschrieben wurde) nicht nur in der fernen Vergangenheit. Sogar vor relativ kurzer Zeit begegneten wir im Jahr 1808 einer dieser "mysteriösen Eruptionen". Die Sachlage ist eindeutig: Der Beginn des Anstieges dieses Sulfatspitzenwertes begann ungefähr im Dezember 1808:

Sulfate concentration in ice core (1808-1819)
© Cole-Dai et al. 2009
Eiskern-Sulfatkonzentration (1808-1819)
Beachten Sie, dass der Anstieg, der zu diesem Spitzenwert führte, ungefähr im Dezember 1808 begann (türkisfarbener Pfeil) und der Spitzenwert fast so hohe Konzentrationen wie die Tambora-Eruption im Jahr 1815 hinterlassen hat; ein Vulkanausbruch, der mit einem VEI (Vulkanischer Explosionsindex) von 7 als die stärkste Eruption in der Menscheitsgeschichte eingestuft wird.

Zusätzlich zu diesem offensichtlichen Staubspitzenwert offenbart das Ereignis im Jahr 1808 auch einen anschließenden Temperaturabfall:

Magnesiusm and temperature from ITASE (Antarctica) ice core
© Steig et al., 2005
Magesium und Temperatur aus dem ITASE-Eiskern (Antarktis)
Das Diagramm oben offenbart, dass das Jahr 1808 durch einen Rückgang des Sauerstoffs 18 (ein Proxy für den Temperaturabfall - siehe grüner Pfeil) und einem gleichzeitigen plötzlichen Anstieg des Magnesiums (roter Pfeil) gekennzeichnet war. Behalten Sie diesen Punkt im Auge; wir werden uns bald damit befassen.

Da dieses Ereignis von 1808 vor nicht allzulanger Zeit stattgefunden hat, gibt es Augenzeugenberichte. Francisco José de Caldas, Direktor des astronomischen Observatoriums von Santa Fe de Bogotá (Kolumbien), berichtete Folgendes:
Seit dem 11. Dezember des vergangenen Jahres [1808] erscheint die Sonnenscheibe ohne Strahlungsintensität, ihrem Licht fehlt jene Kraft, die es [normalerweile] unmöglich macht, die [Sonne] leicht und schmerzfrei zu beobachten. Ihre natürliche, feurige Farbe hat sich in Silber verwandelt, so dass viele sie mit dem Mond verwechselt haben. Dieses Phänomen ist bei Sonnenaufgang und besonders bei Sonnenuntergang sehr auffällig. Wenn [die Sonne] im Zenit steht, scheint sie heller und kann nicht mit dem bloßen Auge betrachtet werden. In der Nähe des Horizonts hat sie einen leicht rosigen Farbton angenommen, [oder] ein sehr blasses Grün, oder ein Blaugrau, das dem von Stahl ähnelt. [...] Das gesamte Himmelsgewölbe ist von einer genauso leichten wie weiträumigen und transparenten Wolke bedeckt. [...] Es fehlen auch die betonten Koronas [Strahlenkränze], die so häufig um Sonne und Mond herum zu sehen sind, wenn jene Wolken am Himmel sind, die Meteorologen unter dem Namen Schleier kennen. Die Sterne der ersten, zweiten und sogar der dritten Strahlungshelligkeit sind dem bloßen Auge des Beobachters etwas gedämpft erschienen, und die der vierten und fünften sind völlig verschwunden. Dieser Schleier war sowohl bei Tag als auch bei Nacht konstant.

Guevara et al, 2014
Das Schleierereignis war nicht auf Kolumbien beschränkt. Über das Ereignis berichtete auch der Arzt José Hipólito Unanue, der sich in Lima, Peru (2600 km von Bogota entfernt), aufhielt:
Bei Sonnenuntergang in der Mitte des Monats Dezember [1808] begann sich in Richtung Südwesten, zwischen Cerro de los Chorrillos und dem Meer, eine Abenddämmerung zu zeigen, die die Atmosphäre erhellte. In einer Nord-Süd-Ausrichtung am Horizont erhob [die Dämmerung] sich kegelförmig zum Zenit hin, [und] leuchtete mit klarem Licht, bis sie um acht Uhr abends verblasste. Dieses [Phänomen] wiederholte sich jede Nacht, bis Mitte Februar, als es verschwand.

Guevara et al., 2014
Beachten Sie, dass nirgendwo eine Eruption erwähnt wird. Trotzdem verbleibt ein Vulkanausbruch bis zum heutigen Tag die einzige Hypothese [für die Ursache des Phänomens], obwohl es keinen passenden Kandidaten für diese Idee gibt. Tatsächlich weisen die Vulkane Urzelina, Taal und Putana Ausbruchszeiten auf, die nicht mit dem Zeitpunkt dieses beobachteten "Schleiers" übereinstimmen.

Wir können also über das mysteriöse Ereignis von 1808 feststellen, dass folgende Umstände involviert waren:
  • Ein Anstieg der atmosphärischen Aerosol-Konzentrationen (Schwefel und Magnesium)
  • Ein darauffolgender Temperaturabfall
  • Zeugen, die von einem atmosphärischen Schleier berichten, der sich über mindestens 2.600 km erstreckte
Diese drei Merkmale sind typisch für Kometenexplosionen oder intensive Meteoritenschauer in der Erdatmosphäre. Zufälligerweise (oder auch nicht) wurden 1808 drei Kometen beobachtet; C/1808 M1, C/1808 F1 und 26P/1808 C1. Sie wurden alle vom französischen Astronom J.L. Pons entdeckt, vom Observatorium in Marseille.

Der letzte dieser drei Kometen ist auch als Komet Grigg-Skjellerup bekannt, dessen Nukleus auf 2,6 Kilometer Durchmesser geschätzt wird. Grigg-Skjellerup ist ein periodischer Komet (mit einem Zyklus von etwa fünf Jahren), dessen Perihel etwa 1 AE von der Sonne entfernt ist (1 AE [Astronomische Einheit] ist der Abstand zwischen Sonne und Erde).

Da der Periphel dieses Kometen sich so nahe an der Erdumlaufbahn befindet, war der Komet ein leichtes Ziel für die Giotto-Raumsondenmission im Jahr 1992. Die kürzeste Entfernung der Sonde zu Grigg-Skjellerup betrug nur 200 km. Das folgende Diagramm zeigt, wie die Umlaufbahnen des Kometen Grigg (braun) und des Planeten Erde (blau) fast gleich sind:

Orbits of Earth, Griig, Giotto and Halley
© Wikimedia Commons
Umlaufbahnen der Erde und der Kometen Grigg, Giotto und Halley
Außerdem entdeckte man, dass Komet Grigg einen Meteoritenschauer erzeugt, der periodisch auf die Erdatmosphäre trifft. Diesen Meteoritenschauer nennt man Pi Puppids und er geht mit dem Perihelpunkt des Kometen Grigg einher.

Pi Puppids meteor shower
© International Meteor Organization
Der Pi Puppids-Meteoritenschauer
Im Bild oben sieht man eine vor kurzer Zeit aufgenommene Aufnahme der Pi Puppids (2018). In der jüngeren Vergangenheit scheint der Pi Puppids-Meteoritenschauer ein intensiveres Ausmaß gehabt zu haben.

Nun, erinnern Sie sich an den oben erwähnten Magnesium-Spitzenwert, der in einem antarktischen Eiskern entdeckt wurde und ca. 1808 n. Chr. zustandekam?

Interessanterweise ist Magnesium in einigen Kometen das am häufigsten vorkommende Element. Während des Vorbeiflugs der Raumsonde Giotto an Komet Halley wurde die Zusammensetzung des Kometen spektroskopisch gemessen. Die Ergebnisse offenbarten, dass Magnesium (Isotop 24, 25 und 26) das bei weitem häufigste Element war, wie das folgende Diagramm zeigt, in dem die Magnesiumspitzen rot eingekreist sind:
Spectrometric analysis of comet Halley
© Lawler et al., 1988
Spektrometer-Analyse des Kometen Halley
Komet Halley ist kein Einzelfall. Hohe Magnesiumkonzentrationen findet man in den meisten Jupiter-Kometen. Das gilt auch für den Kometen Grigg-Skjellerup, dessen Radaranalyse hohe Konzentrationen von Olivin aufweist, einem magnesiumreichen Silikat:

Composition of Comet Grigg-Skjellerup
© P. Kamoun et al., 1983
Zusammensetzung des Kometen Grigg-Skjellerup
Und wieder müssen wir uns die Frage stellen: Wie viele der sogenannten "mysteriöse Eruptionen" sind eigentlich Kometenereignisse, die entweder durch direkte Einschläge oder durch Explosionen in der Erdatmosphäre verursacht werden?

Korrelation zwischen vulkanischer Aktivität und Kometen-Aktivität

Bisher haben wir nahegelegt, dass einige Staubspitzenwerte wahrscheinlich fälschlicherweise auf Vulkanausbrüche zurückgeführt werden, obwohl sie eher das Resultat von Kometenereignissen sein könnten.

Vulkanische Aktivität und Kometenereignisse schließen sich gegenseitig jedoch nicht aus. Im Folgenden werden wir feststellen, dass es eine klare Korrelation zwischen Vulkanismus und Kometenaktivität gibt - und mehr noch: Kometenaktivität kann eine direkte Ursache von Vulkanausbrüchen sein.

Diese Idee ist nichts Neues. In der Antike betrachteten Philosophen Kometen als Auslöser von Vulkanausbrüchen und anderen Katastrophen:
Die Philosophen des Altertums glaubten fast allesamt, dass die Annäherung eines Kometen an die Sonne durch das Wachrufen von Vulkanfeuer und das Aufwühlen der Atmosphäre eine Pest auf der Erdoberfläche hervorbringt.

T. Forster, Illustrations of the atmospherical origin of epidemic disorders of health, 1829
Seit Hunderten von Jahren wird dieses antike Wissen als "unbegründeter Aberglaube" abgebügelt und von der modernen Wissenschaft und ihrem Dogma des Uniformitarismus (bei dem das Leben auf der Erde als von kosmischen Ereignissen abgekoppelt gilt) tüchtig unterdrückt.

In den letzten Jahren haben jedoch mehrere Publikationen die positive Korrelation zwischen Kometen und Vulkanausbrüchen/Erdbeben durch irgendeine Art von elektrischer Verbindung anerkannt.

In einer 2015 veröffentlichten wissenschaftlichen Publikation wurde festgestellt, dass kosmische und solare Strahlungen eine Ursache für Vulkanausbrüche und Erdbeben sind:
Die Quintessenz lautet, dass alle Erdbeben und Vulkanausbrüche - ob groß oder klein - durch äußeren Druck ausgelöst werden, der auf das Magnetfeld der Erde einwirkt. Starke koronale Massenauswurf-Sonneruptionen, die in Richtung Erde gerichtet sind, können Druck ausüben, der die Magnetosphäre um bis zu 4 Erdradien (4Re) verformt und schrumpfen lässt. Aber der Druck würde die Erdschichten unter der Erdoberfläche auf unterschiedliche Weise beeinflussen oder auf sie einwirken. Es hängt von der Tektonik jeder Region ab. In einigen Regionen würde die Spannung dazu führen, dass Energie in Form von Erdbeben freigesetzt wird, während sie in anderen Regionen in Form von Vulkanausbrüchen auftreten würde.
Die Ausführungen oben offenbaren, dass Erdbeben und Eruptionen tatsächlich ähnliche Phänomene sind, da sie tektonische Energie freisetzen. Darüber hinaus wird ebenfalls deutlich, dass die Sonnenaktivität Veränderungen der tektonischen Energie der Erde verursacht. Die bisher zusammengetragenen Informationen liefern jedoch keine Erklärung, was die Sonnenaktivität selbst reguliert. Omerbashich et al. haben einen Teil der Antwort auf diese Frage entdeckt, als sie eine starke Korrelation zwischen großen Erdbeben und Kometenaktivität feststellten:
Um zur Robustheit meiner Lösung beizutragen, füge ich Ausrichtungen von Komet C/2010 X1 (Elenin) hinzu, da er außer den Planeten gerade der einzige Himmelskörper ist, der sich derzeit in unserem Sonnensystem befindet, und zeige, dass er seit 2007 sehr starke Seismizität auslößte (und vieleicht [sogar] die stärksten Seismizität seit 1965).
Die Korrelation zwischen großen Erdbeben und der Ausrichtung mit Elenin ist besonders auffällig. Von den 12 schweren Erdbeben, die sich zwischen April 2007 und März 2011 ereignet haben, involvierten die Hälfte (einschließlich des Erdbebens der Stärke 9,0 in Japan vom 11. März 2011) eine Ausrichtung mit Elenin, wie aus der folgenden Tabelle hervorgeht (Elenin ist gelb hervorgehoben):

Comparison of Earth's alignments at peak-times vs. very strong earthquakes

Vergleich zwischen der Ausrichtung der Erde mit anderen Planeten und Himmelskörpern und sehr starken Erdbeben
Um zu verstehen, wie die Kometenaktivität im Sonnensystem Vulkanismus und Seismizität auslöst, muss man die elektrische Natur des Kosmos verstehen. Hier ist eine sehr kurze Zusammenfassung der elektrischen Mechanismen von Kometen, die Vulkanausbrüche auslösen können. Die folgenden Informationen wurden aus unserem Buch Erdveränderungen und die Mensch-Kosmos Verbindung entnommen, in dem ich näher auf das Thema eingegangen bin.

Die Sonne ist elektrisch aktiv und positiv geladen. Wie in der folgenden Abbildung zu sehen ist, ist die Sonne von einem elektrisch negativen Mantel (der Heliosphäre) umgeben, der sich über die Grenzen des Sonnensystem hinaus erstreckt:
ECHCC
© Sott.net
Die Sonne und ihre Heliosphäre
Das Zusammenspiel Sonne-Heliophäre wirkt im elektrischen Sinne wie ein gigantischer Kondensator, der durch Planetenausrichtungen und/oder in das Sonnensystem eindringende Fremdkörper entladen wird; auf die gleiche Art wie sich eine Elektro-Insektenfalle entlädt, wenn eine Mücke hineinfliegt.

Hauptanwärter für das Auslösen solcher Entladungen sind Kometen, da sie elektrisch sehr aktiv sind (was durch ihr intensives Glühen angedeutet wird) und leitende Plasmaschweife aufweisen, die sich über Hunderte Milionen Kilometer erstrecken.

Wenn ein Komet eine Entladung des solaren "Kondensators" auslöst, setzt die Sonne koronale Massenauswürfe (CMEs) frei, die aus enormen Mengen an Protonen bestehen (positiv geladene Teilchen). Diese Entladungen können die Erde erreichen, wenn sie richtig ausgerichtet sind. Die folgende Abbildung veranschaulicht die Auswirkungen solcher Entladungen auf unseren Planeten:
ECHCC
© Sott.net
Die elektrischen Felder und Potentiale der Erde, je nachdem wie stark die Sonnenaktivität ist.
Auf der rechten Seite der Abbildung ist die solare Aktivität schwach; deshalb erhält die Erde weniger (positiv geladene) Sonnenwinde (kleiner gelber Pfeil). Als Konsequenz ist das elektrische Potential der Ionosphäre weniger positiv und es tendiert dazu, weniger freie Elektronen aus dem Inneren der Erde an die Oberfläche anzuziehen, was wiederum die Ladung der Erdoberfläche weniger negativ macht. Als Resultat ist das elektrische Feld der Erde zwischen der Erdoberfläche und der Ionosphäre (das atmosphärische E-Feld) schwächer (kleiner oranger Pfeil im rechten Bild).

Wenn weniger freie Elektronen von innerhalb der Erde zu ihrer Oberfläche angezogen werden, wird das elektrische Feld zwischen der Erdoberfläche und dem Kern ebenfalls geschwächt (kleiner roter Doppelpfeil im rechten Bild).

Dieses elektrische Feld ist die Bindungskraft des Planeten; diese Kraft "hält den Planeten zusammen". Eine brutale Sonnenentladung kann einen abrupten Spitzenwert in der positiven Ladung der Ionosphäre hervorrufen, was zu einem plötzlichen Anstieg der Bindekraft führt. Eine grobe, aber hinreichend genaue Analogie hierzu wäre, wenn Sie eine Orange in der Hand halten und diese dann plötzlich zusammendrücken würden.

Dieses "Zusammenpressen des Planeten" ist nicht die einzige Auswirkung von Sonnenentladungen, die von Kometen ausgelöst werden. Auch die Rotation der Erde wird von der Sonne angetrieben. Wenn die Erde von einer Sonnenentladung getroffen wird, wird eine winzige Beschleunigung der Rotation ausgelöst. Eine solche Beschleunigung kann zwei Folgen haben:
  • Geringer Krusten-Schlupf. Der Erdmantel weist eine höhere Dichte als die Erdkruste auf. Aus diesem Grund können sich der Erdmantel und die Erdkruste nicht in der selben Geschwindigkeit verlangsamen. Da der Mantel eine höhere Dichte aufweist, besitzt er auch ein höhere Schwungkraft [Moment] und verlangsamt sich nicht so schnell wie die Kruste. Der Rotationsunterschied zwischen der Kruste und dem Mantel entspricht genau dem Krusten-Schlupf. Krusten-Schlupf und die enorme [mechanische] Belastung, die es auf die Grenze zwischen Kruste/Mantel ausübt, ist eine Hauptursache für Vulkanismus und Seismizität.
  • Gerinfügige Deformierung der Form unseres Planeten. Wie aus der Abbildung unten (rechts) hervorgeht, ist die Zentrifugalkraft (rote Pfeile), die die Erde in eine ellipsoidischere (ovale) Form bringt, umso stärker, je schneller sich unser Planet dreht. Umgekehrt ist unser Planet auf der linken Seite einer niedrigeren Rotationsgeschwindigkeit ausgesetzt, was eine geringere Zentrifugalkraft induziert, die unseren Planeten weniger verformt und ihm somit eine kugelförmigere Form verleiht:
How Earth spin rate affects its shape
© sott.net
Wie die Rotationsgeschwindigkeit der Erde ihre eigene Form beinflusst
Natürlich induzieren die winzigen Verformungen unseres Planeten, die durch Schwankungen der Sonnenaktivität verursacht werden, enorme mechanische Belastungen in der Erdkruste. Die direkten Manifestationen dieser Krustenbeanspruchung sind Erdbeben und Eruptionen.

Fazit

Dust concentration in Huascaran core
© Thomson et al., 1995
Staubkonzentration im Huascaran-Bohrkern
In diesem Artikel haben wir Daten zusammengetragen, die zu offenbaren scheinen, dass die Erde wahrscheinlich Kometen-Ereignissen (direkte Einschläge und/oder Explosionen in der Erdatmosphäre und/oder elektrische Störungen) vor 14.400, 10.800, 7.200 und 3.600 Jahren ausgesetzt war.

Folglich ist die Tatsache, dass die Sumerer als eine ihrer Hauptzeiteinheiten den "Shar"-Kreislauf von 3.600 Jahren verwendet haben, vielleicht doch kein Zufall, sondern ein Spiegelbild eines bekannten kosmischen Zyklus.

3,600 year comet recapitulating table
© Sott.net
Zusammenfassende Tabelle des 3.600 Jahres-Kometenzyklus
Wir haben auch entdeckt, dass Kometenereignisse und Vulkanausbrüche sehr ähnliche Spuren hinterlassen. Darüber hinaus schließen sich diese beiden Ereignisse nicht gegenseitig aus, denn sie können aus dem einfachen Grund gleichzeitig auftreten, da Kometenereignisse tatsächlich Vulkanausbrüche verursachen.

Trotz dieser erwiesenen Kausalität spielt die Wissenschaft die Rolle von Kometenereignissen immer noch zugunsten eines systematischen Rückgriffs auf spontane (d.h. nicht durch einen Kometen induzierte) Vulkanausbrüche herunter, um damit die meisten Katastrophen zu erklären.

Der Oxford-Astrophysiker Victor Clube schrieb einst:
Zyniker würden sagen, dass wir die himmlische Gefahr nicht brauchen, um die Absichten des Kalten Krieges zu verschleiern; viel eher brauchen wir den Kalten Krieg, um die himmlischen Absichten zu verschleiern!

Victor Clube et al, The Cosmic Winter, 1990
In Anbetracht der Verwirrung ob der Unterscheidung zwischen Vulkanausbrüchen und Kometen-Ereignissen könnten wir Clubes Zitat folgendermaßen umschreiben:
Zyniker würden sagen, dass wir die himmlische Gefahr nicht brauchen, um Vulkanausbrüche zu verschleiern; viel eher brauchen wir Vulkanausbrüche, um die himmlischen Absichten zu verschleiern!
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Beweislast den Schluss nahelegt, dass ein Komet (oder Kometenschwarm) mit der Erde vor ca. 14.400, 10.800, 7.200 und 3.600 Jahren interagierte. Das würde bedeuten, dass ungefähr jetzt eine Wiederholung dieses 3.600 Jahres-Kreislaufes bevorstehen könnte. Tatsächlich deuten die Aufzeichnungen der American Meteor Society über weltweit beobachtete Feuerbälle in den letzten 13 Jahren darauf hin, dass die "Show" eigentlich schon begonnen haben könnte:

Observed fireballs worldwide 2006-2019
© AMS
Weltweit beobachtete Feuerbälle 2006-2019