Abgedeckte Dächer, kaputte Scheiben, fliegender Container - ein Tornado trieb bei einem Unwetter an der Westküste und in Glückstadt sein Unwesen. Wegen einer kaputten Oberleitung ist der Zugverkehr nach Hamburg heute beeinträchtigt.
tornado glückstadt
© Jürgen Kewitz
Nach dem Tornado, der am Sonntag durch die Kreise Steinburg und Pinneberg gezogen ist, sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Hausbesitzer und das Technische Hilfswerk arbeiten auf Hochtouren, um zerstörte Dächer notdürftig zu sichern. Viele Nachbarn helfen sich gegenseitig.

Windhose zog von der Elbe durch Glückstadt

Nach Angaben von Feuerwehr und Polizei zog der Tornado, der laut Deutschem Wetterdienst (DWD) auch Windhose genannt werden kann, von der Elbe kommend am Sonntag gegen kurz vor 19 Uhr durch Glückstadt. In einem Industriegebiet in der Straße "der Keil" knickte der Wind das Flachdach einer Halle um.

"Ein Wunder, dass niemand schwer verletzt wurde"

Die Schneise der Windhose ist laut eines NDR Reporters recht schmal. Sie zieht sich von Glückstadt bis nach Herzhorn und Engelbrechtsche Wildnis. Links und rechts davon ist kaum etwas passiert. Für viele Menschen grenzt es fast an ein Wunder, dass bei dieser Zerstörung niemand schwer verletzt wurde.


Kommentar: Zum Glück war der Stadtname Programm, dennoch war es schlimm genug für die betreffenden Einwohner in dem Gebiet.


Tornado im Kreis Steinburg

Außerdem zog der Tornado durch eine Reihenhaussiedlung am Bühler Weg und deckte mehrere Dächer ab, wodurch auch Scheiben barsten. Später erreichte er im Bereich Engelbrechtsche Wildnis (Kreis Steinburg) ein weiteres Wohngebiet, wo bei acht Häusern die Dachpfannen wegflogen. Nach Angaben der Polizei sind insgesamt 40 bis 50 Gebäude beschädigt worden - auch durch herumfliegende Trümmerteile.
Wir waren in der Küche beim Abendessen. Auf einmal kam eine weiße Wand auf unser Fenster zu. Dann gab es einen riesigen Knall, die Scheibe zerbarst und es flog alles durch die Gegend. Es war fürchterlich.

Gritta Junge, Anwohnerin in Engelbrechtsche Wildnis
Einige Anwohner erzählten NDR Schleswig-Holstein von einem ohrenbetäubenden Dröhnen. Sekunden später seien Dachziegel, Wellblechgaragen und ganze Gartenlauben durch die Luft geflogen. In einer Straße liegen noch immer mehrere Garagenteile völlig zerstört übereinander.

Polizei geht von hoher Schadenssumme aus

Auch weiter südlich konnten Menschen die Folgen der Windhose spüren. In Groß Offenseth-Aspern (Kreis Pinneberg) wurde ein 40 Fuß großer Container in der Dorfstraße vom Wind angehoben und habe drei bis vier Autos dadurch beschädigt. Zusätzlich liefen in Wahlstedt (Kreis Segeberg) die Gullideckel in der Kieler Str. über, wodurch die Straße unter Wasser stand. Ab 22 Uhr war die Straße deswegen halbseitig gesperrt. Laut Polizei sei sie nun wieder befahrbar.

Windhose sorgt für Einschränkungen im Bahnverkehr

Auf der Bahnstrecke zwischen Itzehoe und Elmshorn knickte die Windhose nach Angaben der Feuerwehr den Mast einer Oberleitung um und die Verbindung riss. Nach Angaben der Bahn verspäten sich deshalb einige Züge bis in den Abend.

Insgesamt war ein Großaufgebot von Feuerwehr, Polizei und THW im Einsatz. Laut Feuerwehr Glückstadt waren in der Spitze rund 120 Einsatzkräfte vor Ort. Die Menschen konnten teilweise nicht in ihre Häuser zurück. Verletzt wurde niemand. Der Gesamtschaden der stürmischen Nacht liegt nach Polizeiangaben im sechs- bis siebenstelligen Bereich.