Allein im April haben 2276 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Im ersten Quartal waren es mehr als 8500. Am stärksten betroffen ist der Verkehrs- und Lagereisektor.
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© Martin Gerten / dpa
Die Zahl zahlungsunfähiger Unternehmen steigt, sie hat auch im April zugenommen: Die Amtsgerichte registrierten 2276 Unternehmensinsolvenzen, 7,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Es sei der höchste Stand seit 14 Jahren und »ein weiterer trauriger Rekord«, erklärte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). Ihre Daten stammen aus einer DIHK-Konjunkturumfrage bei mehr als 23.000 Unternehmen.

Die Berichte der Unternehmen verheißen demnach »auch für die kommenden Monate eine für viele Betriebe dramatische Lage«. Jedes fünfte Unternehmen kämpfe mittlerweile mit Liquiditätsengpässen. Bei kleinen und mittleren Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten seien es sogar 23 Prozent.

Am stärksten betroffen von der negativen Entwicklung ​ist der Bereich Verkehr und Lagerei. In diesem Sektor gab es von Januar bis April mit 43,9 Fällen je 10.000 Unternehmen die meisten Insolvenzen, gefolgt vom Gastgewerbe und dem Bau. Im Schnitt meldeten die Unternehmen 24,1 Pleiten je 10.000 Firmen.

Auch Zahl der Verbraucherinsolvenzen steigt

In den Monaten Januar bis April wurden laut Statistik 8551 Unternehmensinsolvenzen registriert, eine Zunahme um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Forderungen der Gläubiger sanken in den ersten vier Monaten des Jahres trotz gestiegener Fallzahlen - von rund 22,5 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf etwa 13,9 Milliarden Euro. Grund dafür war den Statistikern zufolge, dass diesmal weniger wirtschaftlich bedeutende Firmen Insolvenz anmeldeten.

Die Insolvenzen der Verbraucher nahmen in den ersten vier Monaten des Jahres ebenfalls zu. Gemeldet wurden 26.167 Verbraucherinsolvenzen. Das sind 5,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Verband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) sieht die Zahlen als Beleg für das schwierige Umfeld vieler Firmen. »Vor allem kleine und mittelständische Betriebe ​im Automobilhandel, im Bereich Verkehr und Lagerei sowie im Gastgewerbe stehen vor Herausforderungen«, sagte VID-Vorstandsmitglied Jutta Rüdlin. »Hohe Kosten, eine verhaltene Konsumnachfrage und eine insgesamt ⁠unsichere wirtschaftliche Perspektive schränken ⁠den Handlungsspielraum dieser Unternehmen ein.«


Kommentar: Ein bekanntes Symptom, und die Kosten werden weiter steigen.


Der Irankonflikt sei derzeit kein eigenständiger Treiber der Insolvenzentwicklung, könne aber Belastungen verstärken, etwa durch schwankende Energie- und Rohstoffpreise. »Zum Katalysator einer Insolvenz wird er in der Regel nur dort, wo bereits zuvor grundlegende Schwierigkeiten bestanden.« Dies gelte für veraltete Geschäftsmodelle, zu spät getroffene Entscheidungen oder eine versäumte Transformation.

apr/naw/AFP/Reuters