Seit einiger Zeit gab es Spekulationen, nun steht es fest: Der Autokonzern Volkswagen will einem Medienbericht zufolge bis zu 100.000 Stellen streichen. In Deutschland könnten im Rahmen eines umfassenden Umbauprogramms vier Werke geschlossen werden, unter anderem das Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn), wie das Manager Magazin am Freitag unter Verweis auf Insider berichtete.
Neckarsulm könnte von Werksschließungen betroffen sein
Neben Neckarsulm werden in dem Bericht auch die VW-Standorte Hannover, Zwickau und Emden aufgeführt. Demnach plant Europas größter Autobauer einen deutlich stärkeren Stellenabbau als bislang bekannt. Weltweit könnten in den kommenden Jahren bis zu 100.000 der derzeit rund 657.000 Arbeitsplätze wegfallen. Das wäre laut dem Bericht eine Verdoppelung des bisherigen Abbauziels.
Kommentar: Das wird nur der Anfang sein.
Für den Audi-Standort Neckarsulm könnten also tiefgreifende Veränderungen bevorstehen: So werde diskutiert, die Produktion mit dem Auslaufen der aktuell dort gefertigten Modelle zu beenden. Konkrete Entscheidungen sind bislang aber nicht bekannt.
VW will sich offenbar grundlegend neu aufstellen
Auslöser der Diskussion sind offenbar weitreichende Überlegungen zur Neuausrichtung des gesamten Volkswagen-Konzerns. In einer Stellungnahme an den SWR bleibt der Konzern allerdings weitgehend zurückhaltend mit Blick auf konkrete Pläne: "Interne, vertrauliche Unterlagen" könne man nicht kommentieren, heißt es.
Kommentar: VW und andere deutsche Hersteller hätten sich gegen den Elektrowahn wehren sollen. Sie haben alle geschlafen und nun zahlen tausende Arbeitskräfte dafür. Zudem werden der Ukraine-Konflikt, Energiepolitik, Sanktionen gegen Russland und die Nahost-Krise der deutschen Industrie den Rest geben. Und nicht zuletzt die Fehlpolitik der Bundesregierung.
Gleichzeitig bestätigt der Konzern jedoch, dass sich die gesamte Automobilindustrie - und damit auch Volkswagen selbst - eine "tiefgreifende Transformation" durchlaufe. Das bisherige Geschäftsmodell funktioniere nicht mehr für alle Marken: Neue Zölle, zunehmender Wettbewerb und teils stagnierende oder rückläufige Märkte führten laut Konzern zu erheblichen finanziellen Belastungen im zweistelligen Milliardenbereich pro Jahr.
Kommentar: Die Ektros-Fehlstrategie wird bewusst weggelassen. Und wird das die Zukunft?:
Volkswagen prüft angeblich die Herstellung von Waffensystemen für Israel
Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse sich der Konzern weiterentwickeln. Dazu gehörten eine stärkere Fokussierung, mehr Kosten- und Investitionsdisziplin sowie eine effizientere und schlankere Aufstellung des gesamten Unternehmens. Auch Strukturen und Entscheidungsprozesse sowie die Nutzung technologischer Synergien stünden dabei im Fokus.
VW-Chef Oliver Blume hat seine Vorstellungen für ein Sanierungskonzept bereits dem Vorstand vorgestellt. Der Konzern kündigt an, dass die erarbeiteten Zukunftspläne "nach der Befassung des Aufsichtsrats" in die Umsetzung gehen sollen. Dieser tagt am am 9. Juli.
Audi-Beschäftigte fordern Klarheit
Berichte über Stellenstreichungen und Werkschließungen gehen auch an den Audi-Mitarbeitenden in Neckarsulm nicht spurlos vorbei. Vor dem Werkstor sprechen sie deutlich über Zukunftssorgen. Eine Frau, die seit über 25 Jahren im Betrieb ist, glaubt nicht mehr daran, ihre Rente hier zu erleben. Ein Kollege spricht von einer ungewissen Zukunft und Ängsten unter der Belegschaft. Sie erwarten demnach endlich Klarheit von der Konzernspitze.
Ich hatte gehofft, dass meine Kinder einmal hier arbeiten können. Ob das so weit kommt, werden wir sehen.Audi-Mitarbeiter in Neckarsulm
Andere Beschäftigte zeigen sich deutlich gelassener und verweisen auf die Arbeitsplatzsicherung bis 2033.
Müsste das Audi-Werk in Neckarsulm schließen, wäre es "ein völliges Desaster", sagte der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) dem SWR Studio Heilbronn. 15.000 Arbeitsplätze würden wegfallen - 15.000 Familien wären betroffen. Für Hertwig überwiegt die Hoffnung:
Ich bin da sehr, sehr zuversichtlich, dass es sich allenfalls um Gedankenmodelle handelt. - Steffen Hertwig, Oberbürgermeister Neckarsulm
Kommentar: Es ist leider nur noch eine blinde Hoffnung. Dennoch schade für die Mitarbeiter und deren Familien.
Steffen Hertwig, Oberbürgermeister Neckarsulm "Teil der Audi DNA": Betriebsrat erteilt Schließungsplänen klare Absage
Die Arbeitnehmervertreter stellen sich deutlich gegen die Spekulationen um das Audi-Werk in Neckarsulm. Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Audi-Gesamtbetriebsrats, und sein Stellvertreter Alexander Reinhart aus Neckarsulm machen in einer gemeinsamen Stellungnahme klar, dass eine Schließung des Standorts für die Arbeitnehmerseite nicht zur Debatte stehe. Neckarsulm sei Teil der "Audi DNA", betonen sie.
Zugleich wenden sich die Betriebsräte gegen einen Wettbewerb zwischen den einzelnen Standorten. Statt über Werksschließungen zu diskutieren, sollen sich "die Verantwortlichen im Volkswagen-Konzern auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren": Die Entwicklung wettbewerbsfähiger Produkte, die Einführung neuer Technologien sowie effizienteren Konzernstrukturen. Nur so könne Beschäftigung langfristig gesichert werden.
IG Metall warnt vor "Frontalangriff" auf Industriearbeitsplätze
Die Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg, Barbara Resch, reagierte deutlich: "Sollten sich die Berichte bestätigen, wäre das ein Frontalangriff auf die Zukunft der Industriearbeitsplätze! Werksschließungen und massiver Stellenabbau sind keine Strategie für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie."
Weiter fordert Resch den Volkswagen-Vorstand auf, die Spekulationen rasch zu beenden und gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen tragfähige Zukunftsperspektiven für alle Standorte zu entwickeln.
Derweil sollen drei Audi-Aufsichtsräte der Heilbronner Stimme bestätigt haben, dass eine Schließung des Neckarsulmer Werks nicht im Raum stehe. Allerdings müsste das Produktionsvolumen noch einmal deutlich verringert werden.
Auch Audi verweist auf schwierige Marktbedingungen
Auf eine Anfrage im April dieses Jahres, als erstmals die Gerüchte um eine Schließung des Neckarsulmer Werkes bekannt wurden, verwies Audi auf die schwierigen Rahmenbedingungen: "Globale Ereignisse wie US‑Handelszölle und der harte Wettbewerb in China belasten unser Geschäft zunehmend." Deshalb, so hieß es in einer Stellungnahme an den SWR, müsse das Unternehmen seine Kosten in Deutschland weiter im Blick behalten. Am Freitag verwiesen Audi-Sprecher auf SWR-Anfrage lediglich auf den VW-Konzern.




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