Seit Wochen ziehen die USA Öl aus ihren Reserven ab. Die Lager leeren sich. Jetzt erwischt es das "Drehkreuz" der Pipelines.
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Die Stadt Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma bezeichnet sich als das weltweite Pipeline-Drehkreuz. Davon ist sie so überzeugt, dass sie eine große Tafel in der Stadt angebracht hat, die Besuchern genau das mitteilt. Wie "CNN" berichtet, bildet Cushing buchstäblich das Öl-Leitungssystem der Vereinigten Staaten. In Cushing wird die US-Referenzölsorte West Texas Intermediate (WTI) eingepreist und jede Menge Öl gelagert - und ins ganze Land transportiert. Das große Problem: Die Tanks leeren sich rapide.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Die USA leeren ihre Ölreserven schnell.
  • Das betrifft die für den Ölhandel wichtige Stadt Cushing.
  • Unterhalb einer gewissen Ölmenge laufen die Pipelines nicht mehr richtig.
  • Die wichtige Wasserstraße von Hormus ist immer noch faktisch blockiert.
  • Darum fehlen dem Markt viele Millionen Barrel Öl.
"Wir läuten die Alarmglocken": US-Ölbranche in Sorge

Üblicherweise lagern in Cushing etwa 40 Millionen Barrel (1 Barrel entspricht 159 Litern) an Öl. Die maximale Kapazität liegt bei rund 75 Millionen Barrel. Aktuell sind die Vorräte auf etwa 21,6 Millionen Barrel geschrumpft - so teilt es jedenfalls die U.S. Energy Information Administration mit. Dieser Füllstand befindet sich gefährlich nah am operativen Stresslevel.

"Wir läuten jetzt die Alarmglocken", sagte Mike Sommers, CEO des American Petroleum Institute. "Wir erreichen Ölpegel, die uns besorgen."

Ölreserven erreichen kritische Menge

Problematisch dabei: Wenn die Reserven in Cushing die 20 Millionen Barrel unterschreiten, wird die Restmenge größtenteils "nutzloser Schlamm", schreibt CNN. Dahinter steckt die blanke Technik. Der Ölmarkt kann nicht bis zum letzten Tropfen leerlaufen, wie es ein Autotank kann. Unterhalb einer bestimmten Ölmenge können Pipelines ihren Druck nicht mehr aufrechterhalten und Raffinerien können die verschiedenen Ölsorten nicht mehr an die Kundschaft ausliefern.

"Es ist ein Kreislauf, wie beim Blutdruck im menschlichen Körper", erklärt Natasha Kaneva, Leiterin der Rohstoffstrategie bei JPMorgan. "Das System versagt nicht, weil Öl verschwindet, sondern weil das Zirkulationsnetzwerk nicht mehr über genügend Arbeitsvolumen verfügt." In diesem Vergleich wäre Cushing ganz grob mit dem menschlichen Herzen zu vergleichen - und wenn das nicht mehr schlägt, gibt es Probleme.

Hormus-Krise drückt immer noch auf den Ölmarkt

Wie diese Probleme im Detail aussehen, werden die Industrienationen herausfinden, wenn die Straße von Hormus sich nicht bald wieder öffnet. Seitdem der Iran immer wieder Frachtschiffe angreift, die die Straße passieren wollen, stecken Dutzende von Schiffen im Persischen Golf fest. Die Golfstaaten können Öl und Gas nicht mehr ausliefern, was am globalen Markt für extreme Engpässe sorgt.

Mehr noch: Weil die Golfstaaten erstens kein Öl ausliefern können und zweitens ihre Produktion zurückfahren, von Beschädigungen an ihren Raffinerien mal ganz abgesehen, sind dem Ölmarkt seit Kriegsbeginn mehr als eine Milliarde Barrel Öl verlorengegangen.

Noch sind die Auswirkungen relativ unsichtbar. Viele westliche Länder zehren von ihren Reserven. Die USA waren als Öl-Lieferant für einige Regionen eingesprungen, die üblicherweise Öl aus dem Mittleren Osten beziehen, und hatten auch die strategischen Reserven, die in Salzkavernen an der Ostküste lagern, angezapft. Weil vor dem Irankrieg eine globale Überversorgung mit Öl geherrscht hatte, konnten die so angelegten Reserven als Puffer gegen die Energiekrise dienen.

Deutschland gehörte zu den Ländern, die ihre strategischen Reserven angezapft haben. Die Bundesregierung hatte unter der Anleitung der Internationalen Energieagentur (IEA) 2,64 Millionen Tonnen freigeben sollen. Laut der "Tagesschau" waren es am Ende lediglich knapp 600.000 Tonnen, die tatsächlich freigegeben wurden, und diese Menge ist fast vollständig aufgebraucht. "Die Mengen wurden bis auf sehr wenige Restbestände von Röhöl vom Markt mittlerweile aufgenommen", teilte das Wirtschaftsministerium mit.

Die strategische Ölreserve ist so ausgelegt, dass sie dem Land in einer Notlage noch für 30 Tage Öl zur Verfügung stellen soll. Vonseiten der Regierung hieß es schon mehrfach, dass diese Reserve nicht einfach der Preisstabilisierung dienen soll. Insgesamt handelt es sich um 24 Millionen Tonnen an Rohöl und Mineralölprodukten (darunter Benzin und Diesel).

Abschließend glauben Experten, dass China für einen Knall am Ölmarkt sorgen könnte. Genau wie Deutschland und die USA hat das "Reich der Mitte" wochenlang von Reserven gelebt, aber jetzt sieht es danach aus, als könnte es wieder stärker am globalen Markt einkaufen. Das könnte eine Preisexplosion auslösen.