Plötzlich versinken Teile der Alpen im Schneechaos: Innerhalb weniger Tage fällt regional mehr Neuschnee als zuvor im gesamten Winter. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
© Silas Stein / dpaRäumfahrzeug des Winterdiensts bei Vöhrenbach
München - Was sich in den vergangenen Tagen in Teilen der Alpen abgespielt hat, wirkt fast surreal: Während der Winter in vielen Regionen zuvor ungewöhnlich schneearm und zu mild verlief, sorgte eine späte Wetterumstellung jetzt für eine regelrechte Schnee-Explosion. Besonders entlang des Alpennordhangs, etwa in Vorarlberg, Nordtirol oder im Berner Oberland, kamen innerhalb kürzester Zeit teils 30 bis 60 Zentimeter Neuschnee zusammen, lokal sogar noch mehr. Teile Österreichs befinden sich im Ausnahmezustand.
In einigen mittleren Höhenlagen entspricht das tatsächlich der gesamten Schneemenge, die zuvor über Wochen hinweg gefallen war. Der Grund dafür liegt in einer klassischen Nordwestlage, bei der feuchte Luftmassen gegen die Alpen gedrückt werden und sich dort regelrecht ausregnen - beziehungsweise ausschneien. Auch für Bayern liegen Wetter-Warnungen vor.
Winter-Comeback in den Alpen, das keiner erwartet hatDer Kontrast könnte kaum größer sein: Noch bis vor kurzem klagten viele Skigebiete über Schneemangel, vor allem unterhalb von etwa 1800 Metern. Häufige milde Phasen ließen Niederschlag eher als Regen fallen, wodurch sich keine stabile Schneedecke aufbauen konnte. Genau diese Ausgangslage macht die aktuelle Situation so besonders.
Denn wo zuvor kaum Schnee lag, fällt eine große Neuschneemenge sofort extrem ins Gewicht. In einigen Orten hat sich die Schneehöhe innerhalb weniger Tage verdoppelt oder überhaupt erst aufgebaut. Dennoch darf man das nicht mit einem durchgehend schneereichen Winter verwechseln - in höheren Lagen relativiert sich der Effekt deutlich.
Die unterschätzte Wetter-Gefahr hinter dem Schnee-BoomSo spektakulär die Bilder auch sind, die Kehrseite ist ernst: Die Kombination aus viel Neuschnee, starkem Wind und einer oft instabilen Altschneedecke sorgt für eine deutlich erhöhte Lawinengefahr. Frischer Triebschnee kann sich leicht lösen und ganze Hänge destabilisieren. Gerade weil der Untergrund vielerorts zuvor verhärtet oder ungleichmäßig war, entstehen besonders kritische Schichtungen. Für Wintersportler und Bergregionen bedeutet das erhöhte Vorsicht, trotz der verlockend guten Schneeverhältnisse.
Der späte Wintereinbruch zeigt eindrucksvoll, wie dynamisch und überraschend das Wetter in den Alpen selbst zum Frühlingsbeginn noch sein kann. Der Winter wird Deutschland noch ein wenig erhalten bleiben.
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