Es scheint paradox: Trotz globaler Erwärmung erleben die USA einen schweren Wintersturm und extreme Kälte. Auch bei uns in Deutschland war es in den letzten Wochen schneereich und kalt. Was steckt dahinter? Die Ursache für diese winterlichen Kälteeinbrüche liegt rund 50 Kilometer über unseren Köpfen - in der Stratosphäre. Denn dort sorgt eine Störung des Polarwirbels dafür, dass arktische Luft weiter nach Süden gelangen kann als normal. Aber wie entsteht diese Anomalie? Und wie beeinflusst sie unser Wetter?
jetstream
© NASA Goddard Space Flight CenterDer polare Jetstream verläuft von West nach Ost und ist bestimmend für das Klima in Europa und Nordamerika
Der Klimawandel heizt die Atmosphäre immer weiter auf und macht dadurch auch die Winter milder - eigentlich. Tatsächlich zeigen Messdaten, dass Kältetage und Schnee bei uns in den letzten Jahrzehnten seltener geworden sind. Umso erstaunlicher scheint es, dass Nordamerika und Europa trotzdem immer wieder extreme Wintereinbrüche und Kälteperioden erleben, zuletzt im Winter 2019, im Frühjahr 2021 und auch wieder in diesem Jahr.

Was aber steckt dahinter? Ein Grund für extreme Winterkälte ist der Polarwirbel - eine starke Ringströmung rund um den Nordpol. Sie entsteht durch ein weitgehend stationäres Tiefdrucksystem über der Arktis und die Luftmassengrenze zu wärmeren, gemäßigten Regionen. Dadurch bilden sich schnelle Windbänder in der oberen und unteren Atmosphäre aus. Dieser polare Vortex ist im Winter besonders ausgeprägt und schließt die arktischen Luftmassen ein - normalerweise.

Wenn der Polarwirbel schwächelt

Doch manchmal schwächt sich der Polarwirbel ab und gerät aus der Form. Die sonst nahe am Pol liegende Ringströmung bildet dann Bögen aus, die bis weit in die gemäßigten Breiten reichen können. "Diese Störung des polaren Vortex entsteht typischerweise durch einen Anstieg der Temperaturen und des Luftdrucks in der arktischen Stratosphäre - ein sogenanntes stratosphärisches Wärmeereignis", erklärt Matthew Barlow von der University of Massachusetts.

Ein solches Wärmeereignis ist auch zurzeit über dem Nordpol messbar, wie Barlow berichtet. Durch diese Anomalie verringert sich der Kontrast zwischen den arktischen Luftmassen und den umgebenden Regionen. Dies nimmt dem Polarwirbel seine Energie und erlaubt es der Ringströmung gleichzeitig, sich in einem weiten Bogen nach Süden auszubreiten - über fast die gesamte USA. Diese "Beule" transportiert arktische Kaltluft weit nach Süden und erklärt die extremen Tieftemperaturen selbst in den südlichen US-Bundessstaaten.

Jetstream als Sturmtreiber

Aber es kommt noch etwas dazu: Der schwere Sturm und die starken Schneefälle über den USA werden durch eine weitere atmosphärische Anomalie verstärkt. Die Südausbreitung des Polarwirbels wirkt auch auf den in geringerer Höhe liegenden Jetstream. Dieses in zehn Kilometer Höhe liegende Windband zieht sich zwischen dem 40. Und 50. Breitengrad einmal um den Globus. Seine Bögen und Wellen sind für die gemäßigten Breiten wetterbestimmend.

"Unter bestimmten Bedingungen kann eine Rückkopplung mit dem Polarwirbel die Energie im Jetstream erhöhen und seine Nord-Süd-Bögen verstärken", erklärt Barlow. Genau dies war auch im Januar 2026 über Nordamerika der Fall. Dadurch entstand eine Verbindung zu den warmen, feuchten Luftmassen über dem Golf von Mexiko. Diese lieferten wiederum den Treibstoff für die enormen Schneemassen des aktuellen Wintersturms über Nordamerika.


Kommentar: Lesen Sie mehr Informationen über Jetstreams in dem folgenden Artikel:

Das Elektrische Universum - Teil 28: Jetstreams


Ist der Klimawandel schuld?

Doch welche Rolle spielt der Klimawandel bei alldem? Ob die globale Erwärmung an dem aktuellen Wintersturm und Kälteeinbruch schuld ist, lässt sich nicht eindeutig belegen. Modellsimulationen haben aber bereits vor einigen Jahren gezeigt, dass eine wärmere Arktis und schmelzendes Meereis den Polarwirbel schwächen und ausufern lassen. Insgesamt werden dadurch die Winter zwar milder und Kälteperioden seltener. Wenn dann aber doch Kälteeinbrüche eintreten, fallen sie extremer aus und reichen weiter nach Süden als früher.

Auch wenn es paradox erscheint, ist die aktuelle Winterkälte daher kein Widerspruch zum Klimawandel.

Quelle: NOAA, European Space Agency (ESA), The Conversation