Ein gewaltiger Erdrutsch frisst sich von der Adriaküste ins Landesinnere von Italien. Autobahnen und eine Bahnstrecke sind gesperrt - vielleicht monatelang.

© Vigili del FuocoLuftbilder der Feuerwehr zeigen das Ausmaß des Erdrutsches in Italien.
Petacciato - Süditalien kommt nicht zur Ruhe. Am 7. April 2026 reaktivierte sich in der Region Molise ein Erdrutsch mit langer Geschichte: die Frana di Petacciato, ein Hangrutsch in der Nähe der Kleinstadt Petacciato an der Adriaküste, der als eines der bedeutendsten Ereignisse dieser Art in Europa gilt. Sensoren schlugen Alarm, und innerhalb weniger Stunden war klar: Es handelte sich nicht um ein geringfügiges Ereignis.
"Dies ist ein gewaltiger Erdrutsch, einer der größten in Europa", erklärte Regionalpräsident Francesco Roberti. Auch
La Repubblica und
Il Giornale bezeichneten das Ereignis als den größten Erdrutsch Europas. Das Rutschgebiet reicht demnach von besiedelten Flächen im Landesinneren bis zur Adriaküste. Der Erdrutsch wurde erstmals 1906 dokumentiert und ist seitdem wiederholt in Bewegung geraten.
Erdrutsch in Italien: Autobahn und Bahnlinie gesperrt - Staus und gestrandete ReisendeAuf der Autobahn A14, einer der zentralen Verbindungsachsen zwischen Nord- und Süditalien, ist der Abschnitt zwischen Vasto Sud und Termoli in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Die Fahrbahn weist sichtbare Risse auf, einzelne Abschnitte haben sich abgesenkt. Am Dienstag, dem 7. April, saßen Hunderte Fahrzeuge auf der Strecke fest. Es bildeten sich Staus von bis zu 13 Kilometern Länge, Umfahrungsmöglichkeiten gab es kaum.
Auch der Schienenverkehr war betroffen: Die Bahnverbindung zwischen Bari und Pescara ist im Abschnitt zwischen Termoli und Montenero di Bisaccia unterbrochen. Laut italienischen Medienberichten haben sich die Schienen infolge des Erddrucks um etwa zehn Zentimeter verschoben. In den Bahnhöfen Termoli, Vasto und Foggia warteten Hunderte Reisende ohne Weiterkommen.
Fabio Ciciliano, Leiter des italienischen Zivilschutzes, ließ bei einer Sitzung des Operativen Komitees keinen Zweifel: "Wenn wir erwarten, dass die Autobahn A14 und die Bahnstrecke in fünf bis sieben Tagen wiederhergestellt sind, irren wir uns gewaltig. Wir sprechen hier von einer vier Kilometer langen Erdrutschfront - und die Bahnstrecke verläuft mitten hindurch." Solange die Hangbewegung anhalte, seien Instandsetzungsarbeiten an der Infrastruktur schlicht nicht möglich. "Das wird sehr lange dauern", sagte Ciciliano im Sender Rai. Er nannte Wochen, möglicherweise sogar Monate als Zeitrahmen.
Auch die Behörden vor Ort handelten rasch. Der Präfekt von Campobasso ordnete an, dass am 8. April sämtliche Bildungseinrichtungen der Provinz geschlossen bleiben - von den Grundschulen bis hin zur Universität. Zur Begründung verwies er laut Sky TG24 auf die "schwerwiegenden Auswirkungen auf das Straßennetz, die Sperrung von Staats- und Provinzstraßen sowie die Notwendigkeit, den Verkehr zu entlasten und die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten". Die Universität des Molise stellte ihren Betrieb ebenfalls ein.
Italien "faktisch in zwei Teile geteilt" - Meloni-Büro schaltet sich einItaliens Ministerpräsidentin
Giorgia Meloni steht nach Angaben ihres Büros in ständigem Kontakt mit den lokalen Behörden. In einer Mitteilung aus ihrem Amtssitz hieß es, Italien sei durch die Verkehrsunterbrechungen "faktisch in zwei Teile geteilt". Alle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verbindungen könne erst nach technischen Prüfungen bewertet werden, hieß es weiter. Die Szenen aus Petacciato wecken Erinnerungen an den gewaltigen Erdrutsch in Niscemiaus dem Januar 2026. Ein Riss spaltet die sizilianische Stadt.
(Vigili del Fuoco, Rai, Ansa, Il Repubblica, Il Giornale, dpa) (moe)
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