Die Bundesnetzagentur hält die Füllstandsvorgaben für Gasspeicher nicht mehr für zeitgemäß. Die Regeln könnten den Gaspreis verteuern - und stehen deshalb erneut auf dem Prüfstand.

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© Stefan Sauer/dpa
Innerhalb der vergangenen Monate hatte der Gasmarkt vorrangig den Fokus auf der Straße von Hormus. Die Blockade der wichtigen Meerenge hatte dem Markt große Mengen Gas entzogen, dementsprechend wurde es überall auf der Welt teurer. In Europa hat jedoch schon davor ein Problem gewirkt, das unser Gas verteuert - und das nun fallen könnte. Konkret geht es um die Füllstandsvorgaben der Gasspeicher.


Kommentar: Die Sanktionen gegen Russland sollten dabei nicht vergessen werden. Günstiges Gas und stabile Verträge werden abgelehnt.


Was Sie wissen müssen:
  • Die Füllstandsvorgaben für deutsche Gasspeicher haben für eine gewisse Marktverzerrung gesorgt.
  • Die Bundesregierung wollte sie schon 2025 kippen.
  • Eine wichtige Behörde spricht sich gegen die Füllstandsvorgaben aus.
  • Die Gasspeicher spielen nicht mehr dieselbe Rolle wie früher.


Füllstandsvorgaben bei Gas "nicht mehr Realität der Märkte"


In einem ausführlichen Blogpost hat die Bundesnetzagentur sich jetzt gegen diese Füllstandsvorgaben ausgesprochen. Eine kurze Erklärung vorweg: Vor dem Ukraine-Krieg war es lange so, dass Deutschlands Gaslieferverträge jedes Jahr für eine relativ gleichbleibende Menge an Gasimporten sorgten. Im Sommer hatten wir, gemessen am Verbrauch, zu viel Gas. Im Winter war es zu wenig.

Für den Großhandel hieß das: Während der Sommermonate war Gas billiger, im Winter teurer. Die im Verhältnis zum Verbrauch zu viel importierten Mengen mussten eingespeichert werden.
"Händler machen Geld mit dem Einspeichern von Gas, indem sie die Differenz zwischen Sommer- und Wintergaspreisen ausnutzen", erklärt die Gasexpertin Natasha Fielding von Argus Media.
Das änderte sich 2022 drastisch. Wegen des Ukraine-Kriegs hatte die Bundesregierung entschieden, Füllstandsvorgaben einzusetzen. Die Gasspeicher müssen zum 1. November eines Jahres zu mindestens 70 Prozent befüllt sein, wobei es regionale Unterschiede gibt.

Laut der Bundesnetzagentur waren diese Vorgaben während der Energiekrise von 2022 ein "sinnvolles Instrument", aber jetzt entsprechen sie "nicht mehr der Realität der Märkte".

Deutschland fürchtet Gas-Marktverzerrung

Seit einigen Jahren haben die Händler nämlich die Füllstandsvorgaben in ihre Unternehmensentscheidungen einbezogen. Die Marktakteure würden von einer staatlichen Befüllung über den Sommer und damit einer höheren Nachfrage als üblich ausgehen.
"Das führt dazu, dass die Sommerpreise zum Teil höher sind als die Winterpreise", bemängelt die Bundesnetzagentur.
Das hatte die Bundesregierung längst kommen sehen. Weil sie genau diese Art der Marktverzerrung befürchtet hatte, sollten die Regelungen schon 2025 auslaufen. Dazu kam es jedoch nicht.


Kommentar: Die Politik und Ignoranz tragen die Schuld daran.


Auf der anderen Seite haben sie ihre Aufgabe erfüllt und die Versorgungssicherheit gewährleistet. Auf Anfrage, ob die Füllstandsvorgaben im Jahr 2026 fallen werden, verwies die Bundesnetzagentur an den Gesetzgeber.
"Die Füllstandsvorgaben sind im Energiewirtschaftsgesetz verankert (§§ 35a ff. EnWG) und werden durch eine Ministerialverordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) konkretisiert", sagte sie zu FOCUS online.
Die Agentur geht davon aus, dass für die wirtschaftliche Optimierung und Vorsorge nicht mehr so so viel Speicherkapazität gebraucht wird wie früher. Künftig sei es ein Zusammenspiel aus kurzfristigeren Importen und Speicherkapazität, das die Gasversorgung sicherstellen soll. Das BMWE äußerte sich auf Anfrage nicht.


Kommentar: So wie im letzten Winter, als das Gas knapp wurde und einen historischen Tiefstand erreichte? Es geht um die Versorgungssicherheit von Millionen von Haushalten in Deutschland und um kein einfaches Skatspiel in einer Kneipe.


Deutscher Gasmarkt wandelt sich

Wenn die Füllstandsvorgaben fallen, müssten entsprechend der bisherigen Logik die Gaspreise im Sommer wieder etwas sinken. Händler können billiger einkaufen und das Gas für den Winter speichern. Allerdings hat sich der deutsche Gasmarkt durch den Ukraine-Krieg erheblich gewandelt. Er ist stärker von LNG-Lieferungen abhängig, und beim LNG gibt es über das Jahr mehr Volatilität als noch damals bei den sicheren Pipeline-Lieferungen aus Russland.


Kommentar: Deswegen sollte man anstatt Geld und Waffen an die Ukraine zu liefern, Botschafter nach Russland schicken.


Vorerst sind diese Preise höher, weil sie nicht mit dem extrem billigen Pipeline-Gas mithalten können. Mittel- bis langfristig aber dürften die globalen LNG-Preise sinken, weil viele Länder derzeit ihre Kapazitäten hochfahren und dementsprechend mehr LNG am Markt sein wird - vorausgesetzt, der Iran zerstört nicht zu viel der Kapazitäten im Persischen Golf.


Kommentar: Der Iran ist nicht schuld, sondern der illegale Angriff der USA und Israels gegen den Iran. Iran hat nur geantwortet.


Preisspitzen beim Gas befürchtet

Nach aktuellem Stand ist Deutschland auf dem Weg dahin, mit am schwächsten bestückten Gasspeicher seit einer langen Zeit in den Oktober zu gehen. Am 18. Juni waren die Speicher zu 37 Prozent befüllt - im EU-Durchschnitt ein niedriger Stand.


Kommentar: Und der nächste Winter kommt. Was ist, wenn der Winter besonders lang und hart wird? Wenn es anstatt Hitzedome, wochenlange Kältedome gibt?


Natasha Fielding warnt:
"Niedrige Gasspeicherstände erhöhen das Risiko von Preisspitzen im Winter, sollte es zu unerwarteten Ereignissen kommen - etwa zu Kälteeinbrüchen, die den Gasbedarf der Haushalte in die Höhe treiben, oder zu ungeplanten Versorgungsunterbrechungen."
Aktuell seien die Preise erhöht. Es herrscht weiterhin Ungewissheit darüber, was in der Straße von Hormus passiert. Erhöhte Großhandelspreise kommen immer zeitversetzt bei den Energierechnungen der Haushalte an. Ob und wie teuer es wird, hängt voll davon ab, wie schnell sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus normalisiert.

Verbraucher sparen mit Vergleich viel Geld

Laut dem Vergleichsportal Verivox sind die Neukundenpreise für Gas in den letzten Wochen aber etwas gesunken. Das Sparpotenzial sei "hoch", teilt ein Sprecher FOCUS online mit. Ein Beispiel-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden kann mit einem Vertragswechsel im Schnitt 735 Euro sparen.

Verbraucher sollten regelmäßig Vergleiche bei Gas- und Stromverträgen anstellen. Wer einen Vertrag mit Preisgarantie wählt, kann außerdem verhindern, dass Strom und Gas durch Krisen wie die im Persischen Golf kurzfristig teurer werden. Dafür können sie Vergleichsportale nutzen oder die Tarife auf den Homepages der Anbieter vergleichen.