Im Harz sind am Donnerstagnachmittag drei Menschen von einem Aussichtsturm in Torfhaus gestürzt und gestorben. Vieles zu dem Vorfall ist noch unklar, die Ermittlungen dauern an.
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© Neuendorf
Die Polizei will nun den Hergang des Vorfalls rekonstruieren. Dafür wurde noch mal die genaue Höhe des Turms vermessen, wie ein Drohnenpilot der Polizei Goslar dem NDR Niedersachsen sagte. Mithilfe einer Drohne werden Fotos gemacht, die das Landeskriminalamt anschließend zu einer 3D-Skizze des Turms zusammengefügt. Eine spezielle Software könne dann Parameter wie den Fallwinkel des Sturzes berechnen, so der Polizist.

Widersprüchliche Angaben

Die Umstände und Hintergründe des Vorfalls sind weiterhin unklar. Laut der Polizei Goslar wurden bei dem Sturz in Torfhaus zwei männliche und eine weibliche Person tödlich verletzt. Nach aktuellem Ermittlungsstand liege kein Verschulden Dritter vor. Auch technische Probleme am Turm schließe man derzeit aus, teilte ein Sprecher auf NDR Anfrage mit. Nachrichtenagenturen und Zeitungen hatten von einem "suizidalen Hintergrund" geschrieben. Demnach seien zwei Erwachsene und ihr Kind ums Leben gekommen. Das bestätigt die Polizei Goslar auf mehrfache Nachfrage von NDR Niedersachsen nicht. Die Polizei sprach am Freitag offiziell von einem Unglücksfall.

Harzturm-Chef äußert sich bestürzt

Der stellvertretende Ortsbürgermeister von Altenau, Karl-Heinz Ehrenberg (SPD), zeigte sich einen Tag nach dem Vorfall sehr betroffen. Vor allem für die ehrenamtlichen Helfer der freiwilligen Feuerwehr sei das alles eine sehr starke Belastung, sagte er dem NDR Niedersachsen. Auch Harzturm-Geschäftsführer Roman Plate äußerte am Freitag sein Bedauern. "Mit tiefer Bestürzung müssen wir mitteilen, dass am Donnerstag drei Menschen am Harzturm ihr Leben verloren haben", sagte er in einer Stellungnahme, die dem NDR vorliegt. "Ein solches Ereignis hinterlässt Spuren - bei unseren Gästen, bei allen Anwesenden und ganz besonders bei unseren Mitarbeitenden, die unmittelbar mit dem Geschehen konfrontiert waren." Der Harzturm bleibe heute geschlossen. Wann er wieder öffnet, darüber wolle die Geschäftsführung rechtzeitig informieren.

Schock bei Menschen in Torfhaus sitzt tief

"Mein Opa wohnt hier in der Gegend, wir sind zu Besuch und wollten heute eigentlich auf den Turm gehen", sagte eine Frau dem NDR Niedersachsen am Freitag. "Wir sind alle geschockt." Auch eine andere Frau äußerte sich betroffen. "Es betrifft einen sehr, dass sowas passieren kann. Das ist schlimm", sagte sie.

Kriseninterventionsteam im Einsatz

Bei dem Aussichtsturm handelt es sich um den Harzturm in Torfhaus in der Gemeinde Altenau (Landkreis Goslar). Die Feuerwehr wurde am Donnerstag gegen 16.40 Uhr alarmiert. Zahlreiche Rettungskräfte und Polizisten waren vor Ort. Die Einsatzkräfte sperrten die Einsatzstelle ab und errichteten Sichtschutzwände. Auch das Kriseninterventionsteam des Landkreises war im Einsatz. Zuerst hatte die Goslarsche Zeitung berichtet.

Land und Bund förderten den Bau des Harzturms

Der Turm wurde 2024 für das Publikum eröffnet. Er soll nach Angaben des Betreibers mit 65 Metern der höchste Aussichtsturm in Holz-Stahl-Konstruktion Deutschlands sein. Rund zehn Millionen Euro hat der Turm gekostet. Land und Bund hatten den Bau mit etwa 1,4 Millionen Euro gefördert. Der Harzturm bietet zwei Aussichtsplattformen und einen "Skywalk" mit Glasboden in 45 Metern Höhe. Der Aufstieg ist zu Fuß über Treppen und per Fahrstuhl möglich, runter geht es unter anderem über eine 110 Meter lange Rutsche. Im Gebäude befinden sich zudem ein Restaurant und ein Souvenirshop.