In Berlin steigt der Druck auf CDU, CSU und SPD, weil die Metallindustrie weitere massive Arbeitsplatzverluste befürchtet und schnelle Reformen verlangt. Gesamtmetall verweist auf 320.000 verlorene Stellen seit 2019 und sieht wegen schwacher Auslastung rechnerisch weitere 300.000 Jobs ohne ausreichende Arbeit. Zugleich streitet die Koalition über Steuern, Sozialabgaben, Arbeitszeit und Energiekosten, weshalb Unternehmen Investitionen verschieben oder Standorte im Ausland prüfen.
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© picture alliance / dpa | Matthias HiekeDie Feralpi-Stahlwerke gelten als energieintensiver Industriebetrieb, der aufgrund der Auftragslage seinen Strom über die Energiebörse kurzfristig einkauft.
Warum die Metallindustrie vor weiterem Abbau warnt

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander beschreibt die Lage der Branche als außergewöhnlich kritisch. Die Auslastung liege nur noch bei 79 Prozent, während 85 Prozent als normal gelten. Deshalb sieht der Verband einen rechnerischen Personalüberhang von 300.000 Arbeitsplätzen.

Zander wählt zudem eine ungewöhnlich harte Formulierung. "Wir befinden uns in einer Krise, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht in Deutschland gab." Außerdem verweist er auf mehr als 15.000 verlorene Arbeitsplätze allein im April.

Stellenabbau greift auf die gesamte Industrie über

Die Warnung betrifft jedoch nicht nur einzelne Betriebe. In der Metallindustrie hängen Zulieferer, Kommunen und Sozialkassen an gut bezahlten Industriearbeitsplätzen. Wenn diese Jobs verschwinden, sinken deshalb Kaufkraft, Gewerbesteuer und Beitragsbasis zugleich.

Auch andere Daten zeigen eine schwache Lage. Das ifo-Beschäftigungsbarometer sank im Juni auf 92,3 Punkte. In der Industrie überwiegen weiterhin Pläne zum Personalabbau, während eine nachhaltige Belebung am Arbeitsmarkt ausbleibt.

Sozialabgaben treiben die Kosten weiter nach oben

Gesamtmetall sieht das Problem jedoch nicht primär bei den Tariflöhnen. Zander kritisiert vor allem steigende Sozialabgaben, weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer sie gemeinsam tragen. Nach einer IGES-Projektion könnte der Gesamtsozialversicherungsbeitrag bis 2035 rund 50 Prozent erreichen.

Besonders umstritten ist die Finanzierung der Gesundheitskosten von Grundsicherungsempfängern. Zander nennt dafür zwölf Milliarden Euro pro Jahr, die aus seiner Sicht in den Bundeshaushalt gehören. Außerdem warnt er vor höheren Beitragsbemessungsgrenzen, weil sie 2027 rund eine Million Beschäftigte der Branche treffen könnten.

Koalition entscheidet über Standortkosten

Der Koalitionsausschuss soll deshalb über Pflege, Krankenkassen, Rente, Steuerreform und Arbeitsmarkt beraten. Die Union verlangt mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit, während die SPD hohe Schutzstandards betont. Bei der Einkommensteuer streiten beide Seiten zudem über Entlastungen und deren Finanzierung.

Der Staat wächst unterdessen weiter. Nach Destatis arbeiteten Mitte 2025 rund 5,5 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst, also 95.100 mehr als ein Jahr zuvor. Während die Metallindustrie Stellen verliert, steigen damit Beschäftigung und Kosten im staatlichen Bereich weiter an.


Kommentar: Die Verwaltungen werden schlicht zusätzlich aufgebläht, anstatt Vorgänge und Bürokratie zu erleichtern. Zudem gibt es die Ansage, dass einige Beamte Nachzahlungen bekommen sollen, da sie an der Armutsgrenze leben.


Ohne Reformen drohen weitere Verlagerungen

Für Betriebe zählt am Ende die Planbarkeit. Hohe Energiepreise, lange Genehmigungen und steigende Sozialabgaben schwächen Investitionen in Deutschland. Deshalb wird der Koalitionsstreit zu einem Standorttest für die kommenden Jahre.


Kommentar: Der Standorttest wurde schon lange verloren, sonst wären die sogenannten Klimaschutzziele längst aufgehoben worden und damit auch die Energiepreise und Wende.


Die Metallindustrie fordert geringere Arbeitskosten, weniger Bürokratie und mehr Flexibilität. Ohne solche Reformen wächst der Abstand zu Ländern mit niedrigeren Kosten weiter. Dann verlagern Unternehmen nicht nur Produktion, sondern auch Entwicklung und künftige Investitionen.

Verwendete Quellen: Fokus (30.06.26) - Gesamtmetall (30.06.26) - Ifo Institut (26.06.26) - Handelsblatt (25.06.26)