Unwetter, kalter Wind und Schneestürme: In Italien herrscht Wetterchaos. In zahlreichen Regionen in Mittel- und Süditalien gilt der Ausnahmezustand. Besonders betroffen sind weite Teile der Abruzzen, Molise und Apuliens. Hier gilt mit der Warnstufe Rot die höchste Unwetterwarnung.
Diese Unwetterfront ist das Ergebnis des Aufeinandertreffens der skandinavischen Polarluft mit den gemäßigten Luftströmungen aus Nordafrika. Heftige Gewitter fegen in der Folge über weite Teile Mittel- und Süditaliens. An den exponierten Küsten der mittleren Adria und lokal auf den größeren Inseln ist mit Sturmfluten zu rechnen.
Schnee in Italiens Bergen: Neuschnee fällt in Capracotta
Während das Wetter an Ostern in Deutschland einen rasanten Temperaturanstieg verzeichnen soll, hat der Winter in Mittel- und Süditalien eindrucksvoll zurückgeschlagen. Zwischen den Abruzzen und Molise fielen oberhalb von 1.000 Metern bis zu einem Meter Neuschnee, wobei es sogar in den Hügeln schneite - ein außergewöhnliches Ereignis für diese Jahreszeit.
Besonders traf es die Stadt Capracotta. Ein Schneesturm brachte bis zu eineinhalb Meter Neuschnee und ließ bereits am Mittwoch zahlreiche Häuser der Gemeinde teilweise unter den Schneemassen verschwinden.
Neuschnee in Capracotta: "Willkommen in Sibirien"
"Willkommen in Sibirien", sagte Bürgermeister Candido Paglione der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. "Ich bin zum Rathaus gelaufen und habe die eisigen Temperaturen selbst erlebt, aber ich muss auch sagen, dass Capracotta sich in seinem schönsten Kleid präsentiert: Weiß", scherzt der Bürgermeister weiter, der dazu einlädt, sich "dieses Spektakel" anzusehen.
Andernorts stellt sich die Lage allerdings deutlich prekärer dar. In Passolanciano musste Berichten zufolge die Armee den Verkehr wiederherstellen, nachdem elf Menschen wegen des Schnees in einem Hotel festsaßen. Die Armee musste die Zufahrtsstraße freiräumen, da diverse umgestürzte Bäume diese blockierten.
Extremwetter in Italien: Hochwasser führt zu Evakuierungen
Doch nicht nur der Schnee, sondern auch Unwetter und der Dauerregen lösten zahlreiche Einsätze der Feuerwehr und Rettungskräfte aus. Am Fluss Pescara kam es im Stadtteil Santa Teresa von Spoltore zu Evakuierungen. Insgesamt mussten 80 Familien, etwa 300 Menschen, wegen drohender Überschwemmungen ihre Häuser verlassen.
Des Weiteren wurden "aufgrund des Hochwassers am Fluss Biferno vorsorglich etwa 200 Menschen evakuiert". Das erklärte Fabio Ciciliano, Leiter der Abteilung für Zivilschutz, angesichts der Wetterlage nach übereinstimmenden Berichten der Ansa und La Repubblica. "Der Liscione-Damm", betonte er, "musste Wasser ablassen. Die Schleusen sind alle geöffnet und lassen mehr als 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab, daher war die Evakuierung eine Vorsichtsmaßnahme, wie es der Notfallplan vorschreibt." Sobald die Gefahr vorbei sei, könnten die Menschen in ihre Häuser zurückkehren.
Unwetter in Italien führen zu Hochwasser und Überschwemmungen
Derweil gibt es die Befürchtung, dass es in Montenero di Bisaccia zu Opfern beim Einsturz einer Brücke gekommen sein könnte. Am Donnerstagmorgen war in der Region von Molise eine Brücke über den Fluss Trigno eingestürzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Larino befanden sich zum Zeitpunkt des Einsturzes zwei Autos auf der Brücke: Eines konnte sich retten, während das andere offenbar in den Einsturz verwickelt war.
Derzeit "dauern die Sucharbeiten noch an", erklärte Gianfranco Tripi, Kommandant der Feuerwehr von Campobasso, im Gespräch mit dem Sender SkyTg24. "Wir sind seit heute Morgen mit allen verfügbaren Mitteln im Einsatz", erklärte er. Im Einsatz befinden sich Rettungsfahrzeuge, ein Flugzeug sowie Feuerwehrtaucher und Polizeikräfte.

Die Abruzzen sind weiter am stärksten von den Unwettern in Mittel- und Süditalien betroffen. Dort gilt in weiten Teilen der Region auch am dritten Tag in Folge die höchste Warnstufe. Zum einen wird am Freitag erneut eine hohe Gefahrenstufe aufgrund einer weitreichenden Hochwassergefahr im unteren Sangro-Einzugsgebiet erwartet.
Zum anderen meldet der Berg- und Höhlenrettungsdienst der Abruzzen (CNSAS) nach den starken Schneefällen der letzten Tage äußerst kritische Schneeverhältnisse in weiten Teilen des Berggebiets der Region. Die erheblichen Schneemengen haben demnach in Verbindung mit dem Wind zur Bildung von Schneebrettern und instabilen Schneeverwehungen geführt, wodurch sich die Lawinengefahr erheblich erhöht hat.
Laut den Prognosen dürfte sich das Wetter erst am Samstag in den betroffenen Gebieten in der Mitte und im Süden Italiens bessern. Dann soll sich laut der Wettervorhersage von "il meteo" das Azorenhoch ins Mittelmeer zurückkehren.
Der Samstag soll von mildem Wetter und reichlich Sonnenschein geprägt sein, bei überwiegend klarem Himmel in der Mitte des Landes. Im Süden soll es sich ähnlich verhalten. Laut der Prognose könnte es am Nachmittag jedoch zu kurzen Regenschauern kommen. Es wird ein starker Wind und eine raue See erwartet.
t-online, MST




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