Verglüht, verstreut, versunken: 120 Millionen US-Dollar sind der russischen Raumfahrtbehörde unkontrolliert ins Meer gestürzt. Eigentlich sollte Raumsonde "Phobos-Grunt" zu einem der Monde des Mars fliegen - stattdessen schlingerte sie um die Erde.
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© Peter Komka/DPA
Die taumelnde Sonde "Phobos-Grunt" war von der Erde aus zeitweise als dünner Lichtstreifen zu sehen

Trümmer der defekten russischen Raumsonde Phobos-Grunt sind in den Pazifik gestürzt. Die beim Eintritt in die Atmosphäre nicht verglühten Teile des 120-Millionen-Euro teuren Apparats seien am Sonntagabend MEZ in den Ozean gefallen, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Alexej Solotuchin, nach Angaben der Agentur Interfax.

Einheiten der militärischen Weltraumaufklärung hätten den Absturz von einer Bodenstationen aus registriert, sagte Solotuchin. Nähere Angaben zum Ort machte er zunächst nicht. Die Sondentrümmer seien in den Südpazifik gefallen, präzisierte der Sprecher der Europäischen Weltraumagentur Esa in Darmstadt, Bernhard von Weyhe, mit Verweis auf weitere russische Quellen. Eine Expertengruppe wertet in zudem noch genauere Daten aus Europa und den USA aus.

Nach Esa-Schätzungenen seien Trümmerteile von 200 bis 300 Kilogramm Gewicht durch die Erdatmosphäre gelangt. Von dem radioaktiven Kobalt in der Sonde gehe keinerlei Gefahr aus. "Es waren nur einige Mikrogramm (Millionstel Gramm) Kobalt in einem Messgerät", erläuterte von Weyhe. "Das ist eine absolut unbedeutende Menge. Da kommt nichts Messbares unten an." Angesichts der natürlich vorherrschenden Radioaktivität ändere sich selbst die Strahlung im Einschlaggebiet nicht in nachweisbarer Größe.

Krebse, Mücken, radioaktives Kobalt

"Pro Jahr fällt einige Dutzend Mal Weltraummüll auf die Erde, der nicht komplett in der Atmosphäre verglüht", ergänzte von Weyhe. Normalerweise sei dieser aber kleiner. Die taumelnde Sonde Phobos-Grunt habe erneut gezeigt, dass Europa ein koordiniertes europäisches Beobachtungssystem zur Datenerhebung im Weltall benötige. "Derzeit sind wir zu einem Großteil auf Daten des US-Militärs angewiesen", sagte der Experte. Das künftige europäische System sollte enger vernetzte Daten liefern über Asteroiden in Erdnähe, die Sonnenaktivität und Weltraummüll.

Die tonnenschwere Phobos-Grunt war nach ihrem Fehlstart im November nicht wie gewünscht Richtung Mars geflogen, sondern kreiste in immer engeren Bahnen um die Erde. Die Giftstoffe im Treibstoff-Tank sowie das radioaktive Kobalt in einer Menge von rund 10 Mikrogramm an Bord sollten nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos verbrennen oder verglühen. An Bord der Sonde waren auch Behälter mit Mikroorganismen, Mückenlarven, Krebstieren und Samen.

Rückschlag statt Paukenschlag

Demnach wurde die rund 13,5 Tonnen schwere Raumsonde beim Eintritt in die Atmosphäre von der Hitze zerrissen. Der Großteil der Fracht war Treibstoff für die auf zweieinhalb Jahre angelegte Mission zum Marsmond Phobos. Die Sonde enthielt auch Metallteile von insgesamt zwei Tonnen. Russische Raumfahrt-Experten hatten ihre Prognosen zum Absturz immer wieder korrigiert und zuletzt als möglichen Ort auch den Atlantik genannt. Eine Gefahr für Menschen in bewohnten Gebieten durch nicht verglühende Teile hatte als sehr gering gegolten, war aber nicht ausgeschlossen worden.

Phobos-Grunt war am 9. November 2011 vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet und sollte bis 2014 im All bleiben, den Marsmond Phobos erforschen sowie Proben mit zur Erde bringen. Wegen einer technisch bislang nicht vollständig geklärten Panne am Motor kam die Raumsonde aber nicht über die Erdumlaufbahn hinaus. Schon wenige Tage nach dem Start wurde ein Absturz sehr wahrscheinlich. Nach zahlreichen Rückschlägen hatte die Raumfahrtnation Russland mit der ersten interplanetaren Mission seit 15 Jahren wieder international beeindrucken wollen.

ono/DPA