Tierhügel
© Google Earth Pro / R. Benfer - missouri.edu / Bearb. durch grewi.de (r.)
"Der Orca" - ein sich noch heute deutlich aus der Landschaft abhebender rund 5.000 Jahre alter Bilderhügel. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)
Columbia/ USA - Spricht man von gewaltigen Bodenbildern und Peru, so kommen einem unweigerlich die ebenso zahlreichen wie ausgedehnten Scharrbilder von Affen und Kolibris in den Sinn, die sich in den Wüstenebenen von Nazca finden. Ein US-amerikanischer Anthropologe will nun in den Küstenebenen in der Nähe der Ruinenstadt Chan Chan zahlreiche künstlich angelegte Erdhügel, sog. Mounds, entdeckt haben, in denen er die schematischen Umrisse unterschiedlicher Tiere erkennt. Sollte seine Theorie richtig sein, wären diese Bodenbilder ganze 2.000 Jahre älter, als die berühmten Scharrbilder von Nazca und die ältesten vergleichbaren Strukturen überhaupt.

Wie der Professor emeritus Robert Benfer von der University of Missouri aktuell im Fachmagazin Antiquity darlegt, sind einige der Hügelstrukturen mehr als 4.000 Jahre alte und damit wesentlich älter als vergleichbare Strukturen wie etwa schlangenförmige Serpent Mound im US-Bundesstaat Ohio, den Wissenschaftler in die Zeit zwischen 400 und 1200 n. Chr. datieren: "Die ältesten Mounds in Peru wurden in etwa zur gleichen Zeit erbaut als in Ägypten die Pyramiden errichtet wurden."

Die Hügel selbst, so Benfer, erstrecken sich von kleinen Exemplaren von nur wenigen Metern bis hin zu Gebilden von bis zu 400 Metern Länge und finden sich in insgesamt sechs Tälern entlang der peruanischen Küste. Da die Hügel älter sind als alle bislang bekannten Keramikfunde, vermutet der Forscher, dass die künstlichen Hügel mit Hilfe von Körben als Transportmittel aufgeschüttet wurden.

Wie schon ihre berühmten Gegenstücke von Nazca, so sind auch die gewaltigen Silhouetten der Tierhügel an der Küste am besten aus der Luft zu erkennen. Tatsächlich nutzte Benfer den Online-Antlas "Google Earth" zur Interpretation der dargestellten Tiere. In den Abbildungen erkennt der Wissenschaftler Vögel, darunter einen gewaltigen Kondor, einen 5.000 Jahre alten Orca (s. Abb.), eine Ente (s. Abb. u.) und ein echsen- bzw. pumaförmiges Ungeheuer, wie es auch auf alten Knochen- und Felsdarstellung in der Gegend zu finden ist (s. f. Abb.).
Bild
© Google Earth Pro / Henning Biscof / Van Hoek et al. / R. Benfer - missouri.edu
Das kaiman- bzw. pumaförmige Ungeheuer nahe El Paraíso im Vergleich zu Abbildung auf Knochen aus den Höhlen im Casma Valley nahe Las Aldas und Pallka.

"Die Entdeckung derart alter tierförmigen Mounds verändert unsere Vorstellung von der frühen Vorgeschichte Perus", kommentiert Benfer seine Funde. Weiter vermutet der Wissenschaftler, dass die Hügelbilder möglicherweise den Anden-Tierkreis darstellen.

Laut Benfers Deutung könnten die Tierhügel also als irdische Gegenstücke der Tierkreiszeichen erschaffen worden sein, die die alten Peruaner am Himmel erkannten. "Die Hügel stellen nicht nur Sterne dar, sie sind auch nach diesen ausgerichtet."
'Fliegender Kondor'
© Nathan Craig, Pennsylvania State University
In diesem Hügel (hier eine CAD-Netzdarstellung) erkennt Benfer die gewaltige Darstellung eines fliegenden Kondors.

So stelle beispielsweise das große Hügelbild im Chillón Tal einen Kondor dar, dessen Auge auf die Milchstraße ausgerichtet ist, wenn man diese von einem nahe gelegenen Tempel aus betrachte. "Auch das monströse Ungeheuer (s. Abb. o.) ist - von diesem Tempel aus betrachtet - auf den Sonnenaufgangspunkt zur Sommersonnenwende ausgerichtet." Die Hügel dienten also wahrscheinlich zur astronomischen Bestimmung der Jahreszeiten, Vegetationszyklen und Riten.

Obwohl die Bilderhügel auffallend zahlreich sind, wurden sie von Archäologen bislang offenbar übersehen. "Ich hatte schon vor Jahren eine große Struktur südlich von Lima entdeckt, die ich für einen großen Vogel hielt", erinnert sich Benfer. "Da es aber laut Lehrmeinung in Südamerika keine Tierbild-Hügel gab, habe ich zunächst selbst nicht daran geglaubt."

Erst vor zwei Jahren, entdeckte er auf den Google-Earth-Satellitenbildern eine zahnartige Ausformung an einem der Mounds nördlich von Lima. "Diese Struktur wurde bislang an Bewässerungskanäle fehlinterpretiert. Bei einer Vorort-Erkundung stellte ich fest, dass e sich um die Zähne des Ungeheuers im Chillón Tal handelt (s. Abb. o.). Kurz darauf entdeckte ich den nahe gelegenen Kondor-Hügel und weitere Hügelbilder."

Während einige Archäologen Benfers Interpretationen als "fantasievoll" belächeln, wird seine Arbeit indes sowohl von der "The Curtiss and Mary G. Brennan Foundation" als auch vom "Museum of Anthropology and Pre-Columbian Agriculture" an der "National Agricultural University of Peru" unterstützt.
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© Google Earth Pro / R. Benfer - missouri.edu
Hier wurde, so Benfer, einem natürlichen Hügel ein Kopf beigefügt, um so den Umriss einer Ente darzustellen. Ein nahe gelegener kleiner runder Mound könnte dann ein Ei darstellen.

Bislang waren Bilderhügel in Südamerika nur aus dem Andenraum bekannt. Doch Benfers Entdeckungen könnten nur der Anfang sein: "Bei jeder neuen bisherigen Erkundung, habe ich neue Hügel entdeckt." Schon im kommenden Juni wird er nach Peru zurückkehren und dort nach weiteren künstlichen Bilderhügeln suchen.

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / missouri.edu