
Künstlich hergestellte Quasikristalle stecken heute in zahlreichen Materialien, von der Antihaft-Beschichtung von Pfannen über Katalysatoren bis hin zu hochfestem Stahl. In diesen Metallverbindungen bilden die Atome nicht, wie sonst üblich, ein Gitter mit immer gleichen Abständen. Stattdessen sind sie wie in einem Fußball oder einem komplexen Fliesenmosaik angeordnet: In einem regelmäßigen Muster wechseln sich Gruppen von Bindungen mit unterschiedlicher Symmetrie ab - ähnlich wie die fünfeckigen und sechseckigen Lederstücke bei einem Fußball. Dass solche Quasikristalle überhaupt existieren können, hatte erst im Jahr 1982 der israelische Chemiker Daniel Shechtman entdeckt. Er erhielt dafür 2011 den Nobelpreis für Chemie.
Nur eine einzige Probe weltweit

2010 ergaben chemische Analysen erste Hinweise darauf, dass der Icosahedrit getaufte Quasikristall von einem Meteoriten stammen könnte. "Das war für uns die Motivation, nach dem Ursprungsort zu suchen", erklärt Steinhardt. Zusammen mit acht weiteren Forschern reisten Steinhardt und Bindi in den extremen Osten der sibirischen Tschuktschen-Halbinsel. Dort benötigten sie noch einmal vier Tage, um über Tundra und schneebedeckte Hänge der Koryak-Berge bis in das Flusstal zu gelangen, in dem ein russischer Erzschürfer 1979 das Icosahedrit entdeckt haben sollte.
Inzwischen hat das Expeditionsteam mehr als 1,5 Tonnen Sediment per Hand durchgesiebt und untersucht. Dabei habe man weitere Proben des Icosahedrits entdeckt. Das liefere nun endlich weiteres Material für Analysen. "Erste geologische Untersuchungen haben bereits ergeben, dass diese Quasikristalle nicht vor Ort entstanden sein können, denn es hat die dafür nötigen Extrembedingungen dort nicht gegeben", schreiben die Forscher in ihrem vorläufigen Bericht. Man habe aber Meteoritenreste gefunden, die am Ende der letzten Eiszeit vor rund 15.000 Jahren auf die Erde gelangt seien. "Noch sind aber alle unsere Erkenntnisse nur die Spitze einesEisbergs", erklärt Steinhardt. Denn man beginne erst damit, die Quasikristalle und ihre
Geschichte zu verstehen.



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