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Jedes dritte neu auf den Markt gekommene Medikament hat keinen zusätzlichen Nutzen für Patienten. Das zeigt eine Zwischenbilanz der gesetzlichen Krankenkassen, nachdem fünf Jahre lang alle neuen Medikamente verpflichtend auf ihren Nutzen und ihre Kosten hin untersucht wurden, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Seit 2012 haben die gesetzlichen Krankenkassen und die Pharmahersteller für 129 Medikamente Preisverhandlungen geführt. Von diesen Präparaten hatten nach Angaben der Kassen nur 44, also etwa ein Drittel, einen klar nachweisbaren zusätzlichen Nutzen für die Patienten.

Ein weiteres Drittel (41 Präparate) hatte überhaupt keinen Vorteil gegenüber bekannten Therapien, berichten die Zeitungen. Der Rest hatte demnach nur für einen Teil der Patienten zusätzlichen Nutzen. Ein Großteil der neuen Medikamente, die in den vergangenen Jahren auf den Markt kamen, sei für die Behandlung von Krebserkrankungen, Infektionserkrankungen wie Hepatitis oder für Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes gedacht.

Die Preisverhandlungen und die Nutzenbewertung sind Ergebnis einer Arzneimittelreform von 2011. Sie sollte helfen, die Ausgaben für Medikamente zu begrenzen. Finanziell blieb die Reform unter den Erwartungen, auch das zeigt die Bilanz der Kassen: In den fünf Jahren konnten sie insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro sparen, schreiben die Zeitungen. Ursprünglich sollten jedes Jahr zwei Milliarden Euro zusammenkommen.

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 betrug das Sparvolumen 970 Millionen Euro. Im gesamten Jahr 2015 waren es 925 Millionen Euro. In den drei Jahren zuvor kamen zusammen nur rund 600 Millionen Euro Einsparungen zusammen. Für die Krankenkassen fällt die Bilanz dennoch positiv aus.

"Die Nutzenbewertung und die Preisverhandlungen bieten eine Möglichkeit, die Qualität der Arzneimittelversorgung zu steigern", sagte der Vizechef des Spitzenverbands der Krankenkassen, Johann-Magnus von Stackelberg, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Das hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen".

Nun sei es an der Zeit für eine Weiterentwicklung. "Niedergelassene Ärzte müssen schnell und detailliert Informationen über den Nutzen neuer Medikamente bekommen", fordert von Stackelberg. Dies könne alle zwei Wochen über ein Update der Praxissoftware geschehen. Die Ärzte wüssten dann genau, welchen Zusatznutzen einzelne Medikamente für verschiedene Patientengruppen hätten.

"Nur wenn sie wissen, welche Arzneimittel wirklich besser sind, können sie ihre Patienten gut versorgen", sagte der Verbandsmanager. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte den Funke-Zeitungen: "Die Nutzenbewertung von Arzneimitteln und die anschließenden Preisverhandlungen führen zu Kosteneinsparungen im Sinne der Versicherten."

Die neuen Regelungen, die er plane, sollten helfen, dass Patienten "weiter einen schnellen Zugang zu neuen hochwertigen Arzneimitteln haben" und das Gesundheitswesen "nachhaltig finanzierbar bleibt".