Cannabis kehrt Alterungsprozesse im Gehirn um
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Eine staatliche Cannabisagentur wird künftig den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland steuern. Derzeit werden jährlich rund 365 Kilo für rund 1.000 Schwerkranke benötigt.
Forscher haben in einer Studie festgestellt, dass der Cannabis-Wirkstoff THC die nachlassende Gehirnleistung von älteren Mäusen verbessert. Sie wollen diese Wirkung nun auch am Menschen erproben. Möglicherweise könnte THC in Zukunft zur Behandlung von Demenz eingesetzt werden.

Gedächtnisleistung verbessern

Im Alter nimmt die Gedächtnisleistung immer mehr ab. Manche Menschen, versuchen ihr Denkorgan vorbeugend mithilfe von Sudokus, Kreuzworträtseln und speziellen Gehirnjogging-Apps zu trainieren. Wissenschaftler aus den USA haben jedoch kürzlich berichtet, dass solche Apps keine förderliche Wirkung auf unsere Gedächtnisleistung zeigen. Helfen könnte aber womöglich ein Mittel, das die wenigsten mit einer positiven Wirkung auf das Gehirn in Verbindung bringen: Cannabis.

Auswirkungen auf das Gehirn

In der Vergangenheit haben wissenschaftliche Untersuchungen darauf hingewiesen, dass der Konsum von Cannabis dumm macht und dadurch das Gehirn schrumpft. Allerdings gab es auch Studien, die Zweifel an der These, dass Kiffen den IQ mindert, aufkommen ließen.

Wissenschaftler der Universität Bonn haben nun zusammen mit Kollegen der Hebrew University (Israel) festgestellt, dass sich Cannabis positiv auf die nachlassende Gedächtnisleistung im Alter auswirken kann - zumindest bei Mäusen.

Die Wirkung soll nun auch bei Menschen erprobt werden. Möglicherweise könnten die Erkenntnisse neue Optionen für die Behandlung von Demenzerkrankungen eröffnen. Die Forscher haben ihre bisherigen Ergebnisse im Fachjournal Nature Medicine vorgestellt.

Im Alter nimmt die kognitive Leistungsfähigkeit ab

Wie jedes andere Organ altert auch unser Gehirn. In der Folge nimmt mit zunehmendem Alter auch die kognitive Leistungsfähigkeit ab. Dies bemerkt man unter anderem dadurch, dass es schwerer wird, Neues zu erlernen oder mehreren Dingen gleichzeitig Aufmerksamkeit zu widmen.

Dieser Prozess ist normal, kann jedoch auch Demenzerkrankungen befördern. Schon lange suchen Forscher nach Möglichkeiten, diesen Prozess zu verlangsamen oder gar umzukehren.

Wissenschaftlern der Universität Bonn und der Hebrew Universität Jerusalem (Israel) ist dies nun bei Mäusen gelungen.

Leistungsverlust wurde komplett umgekehrt

Wie die Experten in einer Mitteilung der Uni Bonn erklären, haben diese Tiere in der Natur nur eine relativ kurze Lebenszeit und zeigen bereits im Alter von zwölf Monaten starke kognitive Defizite.

Die Forscher verabreichten Mäusen im Alter von zwei, zwölf oder 18 Monaten über einen Zeitraum von vier Wochen eine geringe Menge an THC, dem aktiven Inhaltsstoff der Hanfpflanze (Cannabis).

Die Dosierung des verabreichten THC war so niedrig gewählt, dass eine Rauschwirkung bei den Mäusen ausgeschlossen war.

„Die Behandlung kehrte den Leistungsverlust der alten Tiere wieder komplett um“, erklärte Prof. Dr. Andreas Zimmer vom Institut für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn.

Laut den Wissenschaftlern ahmt THC die Wirkung von körpereigenen Cannabinoiden nach, die wichtige Funktionen im Gehirn erfüllen. „Mit steigendem Alter verringert sich die Menge der im Gehirn natürlich gebildeten Cannabinoide“, so Prof. Zimmer. „Wenn die Aktivität des Cannabinoidsystems abnimmt, dann finden wir ein rasches Altern des Gehirns.“

Alte Tiere verhalten sich dank THC wie Jungtiere

Das Endocannabinoidsystem hat als Teil des Nervensystems Einfluss auf alle Alterungsprozesse. „Die Aktivität des Systems nimmt bei alternden Tieren ab und geht einher mit typischen Alterungssymptomen“, erläuterte Prof. Zimmer laut einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa.

Die Folgen seien Osteoporose, runzelige Haut und auch schwächere Lern- und Gedächtnisleistungen.

Durch die Behandlung mit THC „verhalten sich die alten Tiere“ auf einmal „wie die jungen“, so Zimmer. „Wir können ein Tier, das eineinhalb Jahre alt ist, nicht mehr unterscheiden von einer jungen Maus“, sagte der Experte. Die Lern- und Gedächtnisleistung sei demnach viel besser als die von unbehandelten alten Tieren.

Auch Dr. Mona Dvir - Ginzberg von der Hebrew University in Jerusalem erklärte in einer Mitteilung der Hochschule, dass die THC-Behandlung zu Veränderungen führte, die „nicht mehr dem von unbehandelten alten Tieren entsprachen, sondern eher ähnlich dem waren, was wir bei Jungtieren sehen“.

Ergebnisse auf den Menschen übertragbar

Aus Israel gebe es auch Hinweise darauf, dass die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar seien. Dort hatten Bewohner eines Altersheims mit Appetitlosigkeit und Schlafstörungen Cannabis bekommen. „Viele darunter waren daraufhin auch geistig wesentlich reger“, so Zimmer laut dpa.

Diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass in Israel Cannabis für geriatrische Patienten unter klinisch kontrollierten Bedingungen untersucht werde.

Die Bonner Forscher wollen im nächsten Schritt in einer klinischen Studie untersuchen, ob THC auch beim Menschen Alterungsprozesse des Gehirns umkehren und die kognitive Leistungsfähigkeit wieder steigern kann.

In Deutschland ist Cannabis für Schwerkranke seit einiger Zeit unter bestimmten Bedingungen auf Rezept erhältlich. Cannabisprodukte werden zum Beispiel für die Schmerzbekämpfung oder zur Behandlung der Darmerkrankung Morbus Crohn eingesetzt.

Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze zeigte sich von der Studie begeistert: „Von der Maus zum Menschen ist es zwar ein weiter Weg, doch stimmt mich die Aussicht darauf, dass THC etwa zur Behandlung von Demenz eingesetzt werden könnte, außerordentlich positiv.“

Professor Zimmer wies laut dpa darauf hin, dass aus den Untersuchungen von medizinischem Marihuana bekannt sei, „dass praktisch alles, was in der Maus funktioniert, auch im Menschen funktioniert. Von daher bin ich vorsichtig optimistisch, dass die Ergebnisse vielleicht übertragbar sind“.

Schon in früheren Untersuchungen in den USA hatten Forscher Hinweise darauf gefunden, dass Cannabis den Ausbruch von Alzheimer hinauszögern könnte.

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