Es gab einmal eine Zeit in den USA, in der man 40 Stunden die Woche arbeiten konnte, der Ehepartner nicht arbeiten musste und man sich mit 60 Jahren mit einer ausreichenden Rente zur Ruhe setzte ...

New York
© Michael Snyder / endoftheamericandream
... heute reichen 40 Wochenarbeitsstunden kaum aus, um die Miete und andere Nebenkosten zu bezahlen - das gilt selbst für Doppelverdiener. So sieht gegenwärtig die Lebenswirklichkeit für 45 Millionen Amerikaner aus.

Sind die USA heute ein besserer Ort zum Leben, als sie es im Jahre 1956 waren? Es stimmt, dass sich viele Amerikaner heute ein Leben ohne Handys und Smartphones, Facebook oder Kabelfernsehen nicht mehr vorstellen können. Aber war das Leben damals, vor 60 Jahren, tatsächlich so viel schlechter? Vor 60 Jahren konnten Familien noch gemeinsame Zeiten auf ihren Veranden verbringen, und viele Leute verabredeten sich mit ihren Nachbarn zum Essen.

Vor 60 Jahren waren Autos noch Autos, Football war Football, und es erfüllte einen mit gewissem Stolz, Amerikaner zu sein. Heutzutage gilt es in den USA als befremdlich, wenn man jemanden grüßt, dem man auf der Straße begegnet. Wenn heute jemand versucht, einer anderen Person zu helfen, ist das oft mit eigennützigen Motiven verbunden. Früher strebten Männer danach, sich wie »Gentlemen« und Frauen sich wie »Damen« zu verhalten. Und Begriffe und Verhaltensweisen wie »Bling« (für stark glitzernden und glänzenden Schmuck), »Sexting« (Austausch sexuell aufgeladener Text- oder Bildmitteilungen) und »Twerking« waren praktisch unbekannt. Natürlich war das Leben auch damals keineswegs perfekt, aber die Menschen achteten bestimmte Werte und versuchten, sie zu verinnerlichen und in ihrem alltäglichen Leben zu verwirklichen.

Wie konnte die ganze Entwicklung so schieflaufen?

Ist es vorstellbar, dass das Leben im damaligen Amerika sozusagen den Höhepunkt darstellte und wir uns seither in einer Phase des Niedergangs befinden?

Bevor Sie antworten, will ich Ihnen den Wandel mit einigen Vergleichen zwischen dem Leben in Amerika im Jahr 1956 und heute veranschaulichen:

Im Jahr 1956 gehörten John Wayne, Elvis Presley und Marilyn Monroe zu den beliebtesten Stars in der Welt der Unterhaltung.

Heute verehren die Jugendlichen »Stars« wie Miley Cyrus, Justin Bieber und Lady Gaga.

Im Jahr 1956 sahen sich die Amerikaner Fernsehserien wie I love Lucy und Die Ed Sullivan Show an.

Heutzutage strahlen die großen Sendernetze minderwertige Serien wie Mistresses und Lucifer aus.

Im Jahr 1956 kostete eine Briefmarke für eine vorrangig beförderte Briefsendung (»First Class Mail«) drei Cent.

Im Jahr 2016 kostet eine Sendung mehr als das 16-Fache, nämlich 49 Cent.

Im Jahr 1956 bildeten Kaugummikauen und Schwätzen die wesentlichen Disziplinarprobleme an den amerikanischen Schulen.

Im Jahr 2016 sind viele der öffentlichen Schulen mit Metalldetektoren ausgestattet, weil die schulische Gewalt vielerorts außer Kontrolle geraten ist.

Im Jahr 1956 spielten die Kinder und Jugendlichen nach der Schule draußen.

Im Jahr 2016 sind die Parks und Spielplätze praktisch verwaist und leer, und die USA weisen die höchste Rate weltweit an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen auf.

Wenn sich im Jahr 1956 ein Kind beim Spielen eine Hautabschürfung oder eine kleinere Verletzung am Knie zugezogen hatte, wurde es »verarztet« und ging dann wieder nach draußen, um weiterzuspielen.

Im Jahr 2016 würde ein Kind oder Jugendlicher mit einer ähnlichen kleinen Verletzung vermutlich in die Notaufnahme eines Krankenhauses gebracht.

Im Jahr 1956 bedeutete die »Einführung fester Nahrung« für Babys und Kleinkinder vermutlich, dass sie ihr erstes Stück einer Pizza herunterschlucken mussten.

Im Jahr 2016 hat sich in der Eltern-Kind-Beziehung die sogenannte »Bindungserziehung« oder auch »bindungsorientierte Erziehung« eingebürgert, die Eltern anhält, Kinder praktisch bis zur Pubertät wie Babys zu behandeln.

Im Jahr 1956 bestand weder eine Anschnallpflicht, noch gab es eine Helmempfehlung für Radfahrer. Beides war freigestellt. Sicherheitssitze im Kraftfahrzeug waren praktisch unbekannt.

Im Jahr 2016 befürchten Millionen Menschen, es könnte ihnen etwas zustoßen, wenn sie das Haus verlassen. Und wenn tatsächlich etwas geschieht, ist man schnell bereit, sich sofort gegenseitig mit Klagen zu überziehen.

Im Jahr 1956 ließen viele Amerikaner für gewöhnlich sowohl ihre Fahrzeuge als auch die Eingangstüren ihrer Wohnungen oder Häuser unverschlossen.

Im Jahr 2016 sichern viele Amerikaner ihre Fenster mit besonderen Vorkehrungen, und die Waffenverkäufe haben ein Allzeithoch erreicht.

Im Jahr 1956 waren die Eltern von etwa fünf Prozent aller Babys nicht verheiratet.

2016 ist dieser Anteil auf mehr als 40 Prozent angestiegen.

Im Jahr 1956 reichte das Einkommen eines Einzelverdieners aus, um für den Unterhalt einer ganzen Mittelschichtfamilie zu sorgen.

Im Jahr 2016 verdient etwa ein Drittel aller Amerikaner nicht genug, um auch nur für das Nötigste zu sorgen - obwohl in den meisten Haushalten beide Eltern berufstätig sind.

Im Jahr 1956 galt Umverteilung von Reichtum als eine Forderung der »Kommunisten«.

Im Jahr 2016 sorgt die Regierung in Washington systematisch für eine Umverteilung des Reichtums, und bei den Demokraten bewerben sich zwei Kommunisten um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat bzw. -kandidatin ihrer Partei.

Im Jahr 1956 lebten in der Industriemetropole Detroit an die zwei Millionen Menschen. Die Stadt zählte damals zu den weltweit größten Städten.

Im Jahr 2016 ist die Bevölkerung auf einen Stand von etwa 668 000 Menschen gesunken. Im Jahr 2013 musste die Stadt Insolvenz anmelden und wurde zur Zielscheibe zahlreicher Witze.

Im Jahr 1956 träumten Millionen Amerikaner davon, ins sonnige Kalifornien zu ziehen.

Im Jahr 2016 verlassen Millionen Amerikaner Kalifornien und sind entschlossen, niemals zurückzukehren.

Im Jahr 1956 zeigte das amerikanische Fernsehen nicht einmal Ehepaare gemeinsam im Bett.

Im Jahr 2016 ist die Nachfrage nach pornografischen Inhalten so groß, dass sich im Internet mehr als vier Millionen Seiten mit entsprechenden Inhalten finden, und der über sie laufende Datenverkehr ist vom Umfang her größer als der von Netflix, Amazon und Twitter zusammengenommen.

Im Jahr 1956 hatte die amerikanische Bevölkerung großen Respekt und große Hochachtung vor der amerikanischen Verfassung.

Heutzutage gilt man für die amerikanische Regierung schon als potenzieller Terrorist, wenn man die Einhaltung der Verfassung fordert.

Im Jahr 1956 wollten Menschen aus aller Welt in die USA einreisen, um dort den »amerikanischen Traum« zu verwirklichen.

Im Jahr 2016 sind 48 Prozent aller Amerikaner im Alter von unter 30 Jahren überzeugt, der »amerikanische Traum ist tot«.

Im Jahr 1956 vergaben die USA mehr Kredite ans Ausland als jedes andere Land weltweit.

Im Jahr 2016 sind die USA zur größten Schuldnernation weltweit geworden. Einer Untersuchung aus dem Jahr 2013 zufolge betragen die Verbindlichkeiten der amerikanischen Regierung allein etwa 70 Billionen Dollar.

Einen Aspekt, der die Misere drastisch veranschaulicht, möchte ich noch mit Ihnen teilen. So sah die New Yorker Skyline am 31. März 1965 aus:
New Yorker Skyline am 31. März 1965
© Michael Snyder / endoftheamericandream
Und so präsentierte sie sich am 31. März 2016 mit dem Empire State Building im Zentrum:
31. März 2016 mit dem Empire State Building im Zentrum
© Michael Snyder / endoftheamericandream
Bei dem abgebildeten Kopf handelt es sich um die Hindugöttin Kali, die den Tod, die Zeit und die Zerstörung verkörpert. In diesem April soll dann auf dem Times Square eine fast 15 Meter hohe Nachbildung eines Eingangsbogens des Baaltempels von Palmyra in Syrien errichtet werden.

Wenn Sie das alles berücksichtigen, haben sich die USA nun zum Besseren oder zum Schlechteren gewendet?