
Der BSW-Bundesvorsitzende Fabio De Masi findet dafür klare Worte. Gegenüber unserer Redaktion bezeichnet er die Entwicklung als "obszön" und zieht einen historischen Vergleich: Die Lage erinnere an die Kaiserzeit und habe "mit Leistungsgerechtigkeit nichts zu tun".
Zwei Prozent Steuer bei über 100 Millionen Euro Vermögen
"Es ist höchste Zeit für eine angemessene Besteuerung extremer Vermögen in Deutschland!", sagt De Masi. "Die arbeitende Bevölkerung verzweifelt an hohen Preisen und die Infrastruktur verlottert, während selbst in einer stagnierenden Wirtschaft die Dividenden fließen."
Der BSW-Politiker verknüpft seine Forderung mit dem Hinweis auf steigende Lebenshaltungskosten, marode Infrastruktur und eine wirtschaftlich schwache Konjunkturlage. Zusätzliche Steuereinnahmen dürften dabei nicht in einer "desolaten Haushaltspolitik oder Rüstungsindustrie versickern", sondern müssten gezielt in das Bildungssystem der Länder fließen.
Konkret fordert das BSW eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf Vermögen oberhalb von 100 Millionen Euro. De Masi begründet das mit dem Anspruch auf gesellschaftlichen Zusammenhalt: "Für eine gerechte Aufstiegsgesellschaft statt einer Geld-Aristokratie!"
Kommentar: Die Reichen, oder Superreichen sind unantastbar. Denn dann drohen sie wieder, das Land zu verlassen, oder ihre Gelder woanders einzulagern.
Superreiche legen weiter zu
Die Studie der BCG zeichnet ein ernüchterndes Bild der Vermögensverteilung. Zusammen mit mehr als 700.000 Multimillionären vereinen die Superreichen 52,8 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens auf sich. Die rund 66 Millionen Menschen mit weniger als 250.000 Dollar Finanzvermögen kommen dagegen lediglich auf 35,9 Prozent - und die Schere öffnet sich weiter. Die Studienautoren erwarten, dass der Anteil der Superreichen bis 2030 steigen wird.
BCG-Partner Michael Kahlich erklärt den Effekt so: "Die Konzentration des Vermögens an der Spitze nimmt weiter zu - wer mehr hat, kann breiter streuen." Vermögende Personen könnten ihr Kapital breiter diversifizieren und verstärkt in renditestarke Anlageformen wie Aktien oder Private-Equity-Beteiligungen investieren.
Für die meisten Deutschen bleibt nur Sparbuch statt Börse
Boom an den Börsen, Rekorde beim Gesamtvermögen - und trotzdem bleibt für die meisten Deutschen wenig davon übrig. Während das Nettovermögen 2025 auf 23,3 Billionen Dollar kletterte und die Finanzvermögen dank starker Märkte um fast 18 Prozent zulegten, profitieren vor allem jene, die bereits investiert sind. Immobilien und andere Sachwerte stehen mit 13,4 Billionen Dollar für mehr als die Hälfte aller Vermögen - doch auch hier gilt: Wer keins besitzt, schaut zu.
Denn die typische deutsche Vermögensstrategie bleibt das Sparbuch. "Einlagen und Bargeld dominieren weiterhin die Vermögensstruktur privater Haushalte", sagt BCG-Partner Kahlich. ETFs und Aktien gewinnen zwar langsam an Boden, doch das Tempo reicht nicht. Schwache Konjunktur, eine alternde Gesellschaft und jahrzehntelange Berührungsangst mit dem Kapitalmarkt sorgen dafür, dass der Vermögensaufbau für breite Schichten ins Stocken gerät - während an der Spitze die Renditen ungebremst fließen.
USA und China haben die meisten Superreichen
Die Debatte über große Vermögen ist in Deutschland nicht neu, erhält durch den BCG-Report aber erneut Schub. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung hielten die reichsten zehn Prozent der Haushalte zuletzt rund 56 Prozent des gesamten Nettovermögens. Forschende verweisen zudem darauf, dass Vermögensdaten für sehr reiche Haushalte oft nur unvollständig erfasst werden - eine allgemeine Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben.
Die Datenbasis des Reports ist breit: BCG wertet jährlich 97 Märkte aus, die zusammen 98 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung abdecken, und stützt sich dabei auf Angaben von mehr als 100 Banken und Vermögensverwaltern weltweit. Erfasst werden neben klassischen Finanzvermögen wie Bargeld, Aktien, Anleihen, Fonds und Pensionen auch Sachwerte wie Immobilien und Edelmetalle sowie private Verbindlichkeiten.
Weltweit gibt es laut BCG rund 97.000 Superreiche. Mit etwa 37.000 entfällt die größte Gruppe auf die USA. China folgt mit rund 11.000.



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