Um sie vor dem drohenden Einsturz zu bewahren, muss Schwedens nördlichste Stadt Kiruna um drei Kilometer versetzt werden. Schuld ist der Eisenerzbergbau direkt neben der Stadt, der seit 1899 betrieben wird und folgenschwere Risse im Boden verursacht hat. Täglich werden dort 76000 Tonnen Erz aus der weltweit größten Grube ihrer Art gehoben.
Kiruna
Jetzt steht zehn Jahre nach dem Stadtratbeschluss die Übersiedlung für rund ein Drittel der 18.000 Einwohner der Stadt bevor. Die Stadtplaner erklären: „Wie ein »Tausendfüßler« soll sich das Zentrum drei Kilometer Richtung Osten bewegen“. Insgesamt sind etwa 3.000 Wohnungen, das Einkaufszentrum, alle öffentlichen Einrichtungen der Stadt und der Kirche, das Rathaus, die Schule und der gesamte Stadtkern von der einzig-artigen Aktion betroffen. Einige denkmalgeschützte Gebäude kann man jedoch nicht versetzen und müssen ihrem Schicksal überlassen werden. Die Arbeiten für diesen Umzug der Super-lative haben bereits im September begonnen und in 2035 soll er abgeschlossen sein.

Finanziert wird es von dem LKAB, einem staatlichen schwedischen Bergbauunternehmen, das dort das Eisenerz abbaut und für die Risse im Boden verantwortlich ist. Wie hoch die Kosten aber am Ende sein werden, steht noch nicht fest, aber LKAB dürfte es verkraften, denn Eisenerz steht hoch im Kurs und die Gewinne sehr lukrativ. Zudem wird man auch nach der Umsiedelung der Einwohner weiter das wertvolle Eisenerz abbauen. Und die meisten Einwohner sind noch nicht einmal darüber erzürnt, dass LKAB ihnen ihre Stadt zerstört hat und zum Umzug zwingt. Denn ohne LKAB gäbe es Kiruna gar nicht, nur dank dieses Unternehmens hat die Stadt die niedrigste Arbeitslosenquote in Schweden. Zudem zahlt LKAB überdurchschnittlich hohe Gehälter und plant mit einer Neuerschließung zusätzliche 700 neue Arbeitsplätze zu schaffen.