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Irvine - Angstgefühle scheinen sich durch die Aktivität der Amygdala in den Hippo­campus zu projizieren, um so schließlich das Verhalten zu beeinflussen. Dies ist das Ergebnis elektrophysiologischer Untersuchungen, die Forscher um Robert Knight und Jack Lin an der University of California an menschlichen Probanden durchführten. Sie berichten in Nature Communications (2017; doi: 10.1038/ncomms14413).

Die Amygdala ist im Gehirn an der Verarbeitung von Emotionen entscheidend beteiligt. Besonders Gefühle wie Angst und Wut werden in diesem Kerngebiet prozessiert. Wie jedoch solche Emotionen das Verhalten prägen und so letztlich auch zu Angsterkran­kungen führen, ist bisher unklar. Das Verhalten wird unter anderem durch frühere Erfahrungen und Lernprozesse beeinflusst. Für diese Lernprozesse ist der Hippocam­pus wichtig. Wenn die spezifischen neuronalen Kreise bekannt wären, welche aus Emotionen ein Verhalten erzeugen, könnte dies bei Angststörungen ein Ansatzpunkt pharmakologischer Interventionen sein, berichten die Forscher.

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler Patienten, denen auf Grund einer therapierefrektären Epilepsie stereotaktische Elektroden in Hippocampus und Amygdala implantiert wurden. Die Autoren spielten den Probanden Filme mit friedlichen Land­schaf­ten oder angsterfüllten Gesichtern vor und maßen über die Elektroden die Aktivität in Amygdala und Hippocampus.

Sie stellten fest, dass bei den Gesichtern die Amygdala vor dem Hippocampus erregt wurde. Es erfolgte hierbei eine unidirektionale Erregungs­übertragung von der Amygdala in den Hippocampus. Dieser Erregungsfluss war bei den Landschaftsfilmen nicht nachweisbar. Aus dem Aktivitätsmuster schlossen die Forscher, dass die emotionale Qualität der Filme zunächst in der Amygdala prozessiert wurde, bevor sie in den Hippocampus gesendet wurde.

Dass bei Furcht die Erregungsübertragung von Amygdala zu Hippocampus ausschließ­lich in eine Richtung stattfindet, war laut der Forscher vor der Studie nicht klar. Sie hoffen, dass sie diese Erkenntnis in eine klinische Anwendung übersetzen können, bei der negative Emotionen nicht in den Hippocampus übertragen werden, während positive Emotionen weiter Lernprozesse und Verhalten beeinflussen können.

hil/aerzteblatt.de