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Besonders Zuwanderer haben zur gestiegenen Gewaltkriminalität beigetragen - das ergibt sich aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016. Der Kriminologe Christian Pfeiffer warnt vor voreiligen Schlüssen und Vergleichen. Taten von Fremden werden immer eher als die von Einheimischen angezeigt, sagt er mit Blick auf statistische Verzerrungen.

Die Gewalt in Deutschland hat deutlich zugenommen, während die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr gesunken ist. Das gehört zu den Ergebnissen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag in Berlin vorstellte. Vor allem bei Mord und Totschlag sowie Vergewaltigung und sexueller Nötigung gab es einen deutlichen Anstieg.

Die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer ist der Statistik zufolge im vergangenen Jahr um 52,7 Prozent gestiegen — auf 174 438. Das hatte die Zeitung „Welt am Sonntag“ vorab berichtet. Danach stellen sie demnach beim Taschendiebstahl 35,1 Prozent der Tatverdächtigen. Bei Wohnungseinbrüchen sind es 11,3 Prozent. Und bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie Vergewaltigung und sexueller Nötigung sind es jeweils 14,9 Prozent. Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen liegt der Zeitung zufolge bei 8,6 Prozent. Das ist demnach deutlich mehr als der Anteil, den Zuwanderer plus Asylberechtigte an der Gesamtbevölkerung haben, nämlich dem Blatt zufolge weniger als 2 Prozent.

„Für den Anstieg der Gewalttaten sind in erster Linie die Flüchtlinge verantwortlich“, bestätigte der renommierte Kriminologe Christian Pfeiffer gegenüber Sputnik. Grund dafür sei der höhere Anteil der „jungen Kerle im Alter zwischen 14 und 30“ unter den Geflüchteten im Vergleich zur normalen Bevölkerung hierzulande. Das Verhältnis betrage 37 zu neun Prozent. „Bei den Nordafrikanern sind es 61 Prozent junge Männer.“ Das bleibe nicht ohne Folgen, was sich in der gestiegene Zahl der gewalttätigen Straftaten bis hin zu Vergewaltigung und Mord zeige.

Frustration und Wut als Auslöser für Gewalt und Straftaten

„Das ist bei einer solchen Zusammensetzung nicht anders zu erwarten.“ Es handele sich um „isolierte junge Kerle“ ohne familiäres Umfeld, erklärte Pfeiffer die Ausgangssituation. Es gebe aber Unterschiede zwischen den Kriegsflüchtlingen aus dem Irak, Afghanistan und Syrien mit Chancen auf Asyl und den aus Nordafrika oder Osteuropa nach Deutschland Gekommenen. Letzteren sei ganz klar gesagt worden: „Ihr seid die Falschen. Euch wollten wir eigentlich gar nicht. Tut uns leid, Ihr habt die offenen Grenzen missverstanden. Ihr könnt in Deutschland nicht bleiben, ihr müsst wieder zurück.“

Das führe zu Wut und Frustration unter den Migranten, die unter Entbehrungen und Gefahren den Weg in die Bundesrepublik auf sich nahmen. Zu den Folgen zählte der Kriminologe Ereignisse wie die Silvesternacht 2015 in Köln. Es gebe unter den Flüchtlingen ohne Aufenthaltschance und Perspektive eine „extrem hohe Gewaltkriminalität“ im Unterschied zu jenen mit einer Chance auf Asyl.


Pfeiffer betonte zudem, dass Gewalt unter Deutschen weniger angezeigt werde, als wenn Ausländer zu den Tätern gehören. „Wenn Max von Moritz attackiert wird, ist die Anzeigenquote 13,4 Prozent. Wird Max aber von Mehmed angegriffen, ist sie 27 Prozent. Das sei aber nicht überraschend: „In jedem Land der Welt werden die Fremden mehr angezeigt als die Einheimischen.“ Bei Letzteren könnten sich Täter und Opfer miteinander unterhalten, zum Beispiel eine Schlägerei und entstandene Schäden ohne Polizei klären und irgendwie einigen. „Aber wenn das ein Syrer gewesen ist, der kein Wort Deutsch redet, dann zeigt ihn der Bayer natürlich an, sonst kriegt er ja schon gar nicht seinen Schadenersatz.“ Das Kriminologische Institut Niedersachsen, dessen Direktor Pfeiffer war, habe das untersucht. Dazu seien 20.000 junge Menschen in dem Bundesland befragt worden. Das Ergebnis: Die Fremden werden doppelt so oft angezeigt - „auch untereinander: Der Mehmed gegen Messud: Zehn Prozent Anzeigenquote. Wird der Mehmed von Igor angegriffen: 28 Prozent“.


Kommentar: Könnte nicht auch die unterschwellige (und weniger unterschwellige) Beeinflussung der Wahrnehmung, Ausländer generell (und arabisch-stämmige speziell) als "krimineller" wahrzunehmen, eine Rolle spielen und eine Anzeige daher eher begünstigen?


Statistische Verzerrungen: Fremde eher angezeigt als Einheimische

Die Gewalttaten von Flüchtlingen seien Tatsachen, aber dieselben Taten von Deutschen würden nur halb so oft von der Statistik erfasst, hob der Kriminologe hervor. Wer das miteinander vergleiche, vergleiche „Äpfel mit Birnen“ kritisierte er. Die Kriminalstatistik erfasse immer nur einen „kleinen Ausschnitt“. „Das Dunkelfeld ist riesig“, schätzte der Experte ein. So würden Vergewaltigungen auch aus Schamgründen nur zu etwa 15 Prozent angezeigt - „außer, es ist ein Fremder, da steigt es wieder steil nach oben“. Pfeiffer warnte: „Vorsicht mit den Vergleichen Flüchtlinge gegen Einheimische oder hier lebende Ausländer!“ Kriminalität bei Geflüchteten habe eine doppelt so hohe Sichtbarkeit, verwies er auf statistische Verzerrungsfaktoren.

Der Kriminalexperte forderte von der Politik neben einem „engagierten Integrationsprogramm“ auch, Straftäter unter den Flüchtlingen und jene ohne Bleibeperspektive konsequenter auszuweisen, „wenn es gar nicht anders geht“. Eine „drastische Erhöhung der Mittel für freiwillige Ausreise“ sei notwendig, um zum Beispiel jungen Nordafrikanern oder Osteuropäern Anreize zu bieten, in ihre Heimat zurückzukehren und dabei nicht als Verlierer oder Gescheiterte zu wirken. „Das spart uns ungeheure Kriminalitätskosten und Verwaltungskosten und Probleme.“ Die jungen Männer unter den Migranten sollten ebenso ihre oft machohaften Verhaltensweisen ändern und sich an hiesige Verhaltensregeln anpassen. Das hätten die jungen Türken, Italiener oder Jugoslawen auch gelernt, nachdem sie vor Jahrzehnten in die Bundesrepublik kamen. Diese kulturellen Lernprozesse bräuchten aber längere Zeit, so Pfeiffer.

Probleme nicht verheimlichen - Mehrheit der Flüchtlinge hält sich an Regeln

Er erwarte, dass die Probleme „offen und ehrlich“ benannt werden müssen. Das sei durch Bundesinnenminister de Maiziere „vorbildlich“ geschehen und die „beste Chance“ um jenen, die aus den Problemen in Folge der Fluchtbewegung politisches Kapital schlagen wollen, den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Ja nicht verheimlichen, dass die Vergewaltigungszahlen auch gestiegen sind wegen der Flüchtlinge, und die Raub-Zahlen.“ Körperverletzungen und Mord-Taten seien vor allem innerhalb der Flüchtlingsgruppen selbst gestiegen. „Nichts wäre dümmer, als das zu verheimlichen, was an Problemen da ist.“

Der Kriminologe widersprach steigenden Ängsten und stellte fest, dass die Gewaltkriminalität seit etwa zehn Jahren insgesamt rückläufig sei. Das werde aber nicht richtig wahrgenommen werden. Als Beispiel nannte er Sexualmorde und Schusswaffentötungen, die deutlich zurückgegangen seien. Das habe selbst für die Jugendgewalt bis 2015 gegolten. Der jetzige beklagte Anstieg der Gewaltdelikte sei „weit entfernt von dem Niveau der Gewalt vor zehn Jahren“. Pfeiffer betonte: „Insgesamt gesehen leben wir in Deutschland sicher. Auch die große Mehrheit der Flüchtlinge, über 90 Prozent, sind Menschen, die sich an unsere Regeln halten und keine Straftaten begehen.“ Er zeigte sich optimistisch, dass die kulturell bedingten Probleme bei den heutigen Migranten sich wie bei ihren Vorgängern in den letzten Jahrzehnten sich auf Dauer lösen lassen: „Das werden wir auch schaffen.“