Die Produktion in Freiberg ruht vorerst. Die Politik sucht weiter nach Optionen für die Zukunft. Arnstadt setzt dabei auf eine gemeinsame Lösung mit Freiberg.
Freiberg. Dieser Schritt war von vielen vorausgesagt worden: Bei Solarworld in Freiberg ist die Produktion an diesem Wochenende lahmgelegt. Die Lieferanten haben fürs erste die Notbremse gezogen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters Horst Piepenburg bestätigte entsprechende Informationen der "Freien Presse". Die Lieferanten hätten wegen der Entwicklungen auf Vorkasse umgestellt. Selbst wenn sie am gestrigen Freitag noch eine Zusage bekommen hätten, könnten sie die Materialien nicht mehr so schnell liefern. Er gehe aber davon aus, dass die Produktion im Laufe der kommenden Woche wieder aufgenommen werde, sagte der Sprecher: "Dies ist das übliche Verfahren."

Bereits am Freitagmorgen waren aus der Belegschaft die ersten Befürchtungen über einen Stillstand laut geworden. Für den Betriebsrat ist die Aufrechterhaltung der Produktion ein bedeutendes Symbol in Zeiten der Krise. Ihr sei die Fortsetzung des Betriebes wichtig, weil sich ein aktives Unternehmen gegebenenfalls besser verkaufen lasse als eine still gelegte Firma, sagte die Betriebsratchefin Anke Martin-Heede.

Für die Freiberger Solarworld Industries Sachsen GmbH, die unter anderem Solarmodule herstellt, kommentierte eine Sprecherin den drohenden Produktionsstopp am Mittag zunächst nicht. Es herrschte Schweigen in den Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe, dass auch die Freiberger Solarworld-Tochterfirmen einen Insolvenzantrag stellen. Die Sprecherin machte nur deutlich, dass das Mutterunternehmen nicht mehr aus Freiberg beliefert werde. Man löse deswegen selbst auch keine Bestellungen mehr aus.

Die Politik ringt derweil um die Zukunft der ostdeutschen Standorte. Eine gemeinsame Lösung für Arnstadt (Thüringen) und Freiberg wird dabei zumindest aktuell diskutiert. In einer Runde im Arnstädter Werk, an dem neben Vertretern der Kommune auch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) teilnahm, wurde darüber gesprochen. Dies bestätigten Teilnehmer der "Freien Presse". Vor allem das Arnstädter Rathaus bevorzugt eine derartige Option. "Die Überlebenschancen für die einzelnen Standorte sind deutlich kleiner als im Gesamtverbund", sagte Jörg Neumann, Chef der kommunalen Wirtschaftsförderung. "Wir brauchen eine Lösung, die langfristig funktioniert." Die beiden Standorte könnten aufgrund der Umstrukturierungen nicht mehr alle Produktionsbereiche selbstständig abdecken.

Der Solarworld-Konzern hatte erst vor wenigen Wochen beschlossen, dass die Standorte in Sachsen und Thüringen enger miteinander kooperieren sollen. Aus Effizienzgründen waren deswegen Umstrukturierungsmaßnahmen angekündigt worden. Die Zellproduktion aus Freiberg sollte nach Arnstadt abgegeben werden. Im Gegenzug wird die Fertigung der Vorprodukte für die Zellen, der sogenannten Wafer, und die Herstellung der Solarmodule in Sachsen konzentriert.

Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag aus Thüringen. Es könne sinnvoll sein, mit Arnstadt ins Gespräch zu kommen. Er warnte aber: "Die Situation ist einfach zu wichtig, als dass wir Schnellschüsse machen." Zunächst müsse klar sein, welche Pläne der Insolvenzverwalter für Freiberg habe.

Insolvenzverwalter Piepenburg wird voraussichtlich in der kommenden Woche Freiberg einen Besuch abstatten. Dies sei so üblich, sagte sein Sprecher. Einen konkreten Termin gebe es aber nicht. Der 63-Jährige hat sich in der Vergangenheit einen gewissen Ruf erworben. 2002 rettete er beispielsweise beim insolventen Oberhausener Babcock-Konzern trotz der Pleite die Mehrzahl der rund 21.000 Jobs.

Er übernehme keine aussichtslosen Mandate, wurde Piepenburg gestern zitiert. In einer Pressemitteilung hieß es, dass er sich darum kümmere, dass Löhne und Gehälter für die Monate Mai, Juni und Juli 2017 über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes sichergestellt werden. Den Geschäftsbetrieb so reibungslos wie möglich aufrechtzuerhalten sei jetzt von wesentlicher Bedeutung.