Männer beim Baden, Freundschaft
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Ein stabiles Netz aus Verbündeten bereichert den Alltag und kann sogar das Leben verlängern. Doch was sind die Bausteine langjähriger Freundschaften?

Gute Freunde helfen uns durch Krisen, machen glücklich und halten gesund: Menschen, die bereichernde Beziehungen führen, leiden seltener an Depressionen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und fühlen sich generell weniger gestresst. Damit sich Freundschaften entwickeln können, braucht es allerdings mehr als nur ähnliche Interessen. Folgende Faktoren müssen zusammenkommen.

1. Räumliche Nähe

Wir glauben gerne, dass wir mit unserem besten Freund den einen Seelenverwandten gefunden haben. Doch Studien kommen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass es nicht zuletzt vom Zufall abhängt, an wessen Schulter wir uns eines Tages anlehnen. Oft kann man aus ganz profanen Umständen vorhersagen, ob sich zwei Menschen anfreunden. So loste ein Team um den Psychologen Mitja Back von der Universität Münster Studenten bei einer Einführungsveranstaltung Sitzplätze zu. Ein Jahr später befragten die Forscher die Probanden, wie sehr sie ihre Kommilitonen mochten. Das Ergebnis: Wer beim ersten Kennenlernen nebeneinander oder auch nur in einer Reihe gesessen hatte, war jetzt eher miteinander befreundet. Offenbar entscheiden wir nicht allein anhand bewusster Kriterien, wen wir in unseren Freundeskreis aufnehmen.


2. Häufiger Kontakt

Ob sich aus der ersten Begegnung mehr entwickelt, hängt - so banal es klingt - entscheidend davon ab, wie häufig man sich anschließend sieht. Zu diesem Ergebnis kam schon 1950 eine berühmte Untersuchung in einem Wohnkomplex. Die Psychologen Stanley Schachter, Leon Festinger und Kurt Back wiesen Studenten nach dem Zufallsprinzip Wohnungen zu. Je näher beieinander die Apartments lagen, desto besser verstanden sich die Bewohner nach einiger Zeit. Mehr noch: Nachbarn, die Tür an Tür wohnten, waren in fast der Hälfte der Fälle befreundet.

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Eine langjährige Freundschaft erfordert vor allem Einsatz: regelmäßige Treffen und vertrauensvolle Gespräche.
Menschen haben ein Faible für Vertrautes - ein Phänomen, das Psychologen als "mere-exposure effect" (deutsch: Effekt der bloßen Exposition) bezeichnen. Was wir gut kennen, kann unser Gehirn leichter verarbeiten. Ein Song, den wir anfangs vielleicht gar nicht so mitreißend fanden, geht immer besser ins Ohr, je öfter wir ihn im Radio hören. Ähnlich wächst auch unsere Sympathie für andere in der Regel von Treffen zu Treffen - es sei denn, wir konnten denjenigen von Anfang an nicht ausstehen.

3. Ähnlichkeit

Regelmäßige Treffen allein genügen allerdings nicht. Die Chemie muss stimmen. Wir liegen eher auf einer Wellenlänge, wenn wir zentrale Einstellungen und Interessen teilen, uns in vergleichbaren Lebenssituationen befinden oder im gleichen Alter sind. Wer Werte und Vorlieben teilt, hat genügend Gesprächsstoff und streitet sich seltener. Sogar äußerliche Gemeinsamkeiten machen eine Freundschaft wahrscheinlicher: Ähnlich attraktive Menschen finden eher zueinander. Die Persönlichkeit von engen Freunden ähnelt sich hingegen gar nicht so sehr wie gemeinhin angenommen - als Teil des Gespanns empfinden wir das häufig nur so. Mitunter ziehen sich Gegensätze sogar sprichwörtlich an. Für jemanden, der schüchtern und zurückhaltend ist, kann ein extravertierter Freund durchaus die passende Ergänzung sein.

4. Intimität

Ist der Grundstein für eine Freundschaft gelegt, kommt es darauf an, der Beziehung Tiefgang zu verleihen. Beim ersten Austausch geben Menschen normalerweise wenig Persönliches über sich preis. Wer gegen diese Norm verstößt, macht schnell einen befremdlichen Eindruck. In den frühen Stadien einer Freundschaft ist es aber entscheidend, ein gewisses Risiko einzugehen und intime Gedanken und Gefühle zu offenbaren. Wird dieses Vertrauen erwidert, steigen die Chancen auf eine enge Verbindung. Studien belegen, dass Selbstoffenbarung bei Menschen, die sich bereits näher kennen, die Zuneigung verstärkt. Auch weil das Gegenüber dadurch den Eindruck hat, selbst gemocht zu werden.

5. Wertschätzung

In einer Längsschnittstudie an US-amerikanischen Erstsemestern ließ sich aus Kontakthäufigkeit, empfundener Nähe und gegenseitiger Unterstützung berechnen, welche Freundschaften über einen langen Zeitraum Bestand hatten. Doch nur ein einziger Faktor bestimmte, wen die Probanden vier Jahre später als ihren besten Freund bezeichneten: das Gefühl, von ihm in der eigenen Identität anerkannt zu werden. Gute Freunde bestätigen uns offenbar in den sozialen Rollen, über die wir uns definieren. Das kann die Rolle als Mutter, der Beruf, ein besonderes Talent oder die Position in einem Sportverein sein. Wichtig ist, dass der Austausch mit unseren engsten Freunden das Selbstwertgefühl beflügelt. Anscheinend wählen wir sie nicht nur deshalb aus, weil sie uns besonders erscheinen, sondern auch, weil sie uns das Gefühl geben, besonders wertvoll zu sein.

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