Modell eines Menschen: Kutsche, Pferd, Kutscher, Meister
Sigmund Freud dürfte jedem ein Begriff sein. Doch ist alles Unbewusste wirklich nur verdrängt? Ist Selbsterkenntnis nur ein Taschenspielertrick? Oder können wir wie Archäologen unser Unbewusstes ausgraben und offenlegen? Timothy D. Wilson ist einer der weltweit führenden Sozialpsychologen, der sich in vielen Untersuchungen und Experimenten dieser Frage gewidmet hat - was denn wirklich unser Unbewusstes ist - und dabei viele neue und wichtige Erkenntnisse entdeckt hat.

Der Mensch besitzt ein leistungsfähiges, komplexes und adaptives Unbewusstes, das entscheidende Bedeutung für sein Überleben in der Welt hat. Da jedoch dieses so wirksam operierende Unbewusste unseren Blicken entzogen und weitgehend unzugänglich ist, beeinträchtigt es unsere Selbsterkenntnis. Blindheit für den eigenen Charakter kann Menschen veranlassen, nachteilige Entscheidungen zu treffen. Wir müssen die Ursachen unserer Reaktionen verstehen, um unerwünschte Einflüsse auf unsere Gefühle und unser Verhalten zu vermeiden.


Timothy D. Wilson
Dazu der Klappentext auf dem Buch Gestatten, mein Name ist Ich, dass wir in unserer Radioshow diskutieren:
Schluss mit roter Couch und fortwährender Selbstanalyse, denn sie führen uns nicht zur Selbsterkenntnis! Timothy D. Wilson bricht radikal mit der klassischen Auffassung des Unbewussten und dreht den psychoanalytischen Spieß um: Nicht Innenschau lässt uns verstehen, wer wir sind, sondern nur der Blick nach außen -- auf unser Handeln und auf die Reaktionen unserer Umwelt.

Ein Meilenstein der neuesten Forschung zum Unbewussten, der zeigt, wie wir anhand der Geschichten, die wir tagtäglich über uns selbst erfinden und erzählen, der Logik des adaptiven Unbewussten auf die Schliche kommen.
In dem nächsten Abschnitt finden Sie die Übung von James W. Pennebaker und wie mit dem adaptiven Unbewusstem mit am besten gearbeitet werden kann:
Ich möchte Sie bitten, während der folgenden drei Tage Ihre tiefsten Gedanken und Gefühle über eine außerordentlich wichtige emotionale Frage aufzuschreiben, die sich nachhaltig auf Sie und Ihr Leben ausgewirkt hat. Ich möchte, dass Sie sich bei diesen Aufzeichnungen wirklich öffnen und Ihre tiefsten Emotionen und Gedanken erforschen. Dabei bleibt es Ihnen überlassen, womit Sie sich beschäftigen: mit Ihren Beziehungen zu anderen Menschen - Eltern, Liebespartnern, Freunden oder Verwandten -, mit Ihrer Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft oder mit dem Menschen, der Sie waren, der Sie gerne wären oder der
Sie jetzt sind.

Diese Anweisungen schickten James Pennebaker und seine Kollegen Hunderten von Menschen, unter anderem Studierenden, Nachbarn, Strafgefangenen in Hochsicherheitsgefängnissen, Menschen, die gerade arbeitslos geworden waren, und frischgebackenen Müttern. Die meisten Befragten nehmen die Aufforderung sehr ernst und schreiben über persönliche, häufig tief verstörende Ereignisse, etwa den Tod geliebter Menschen, das Ende einer Beziehung, sexuellen Missbrauch oder körperliche Misshandlungen. Wie nicht anders zu erwarten, ist es für die Befragten quälend, über solche Ereignisse zu schreiben, daher berichten sie kurz darauf über stärkere Beunruhigung als die Teilnehmer einer Kontrollgruppe, die über belanglose Themen, wie beispielsweise ihre Pläne für den nächsten Tag, schreiben. Im Laufe der Zeit ziehen die Befragten der ersten Gruppe je- doch erheblichen Nutzen aus ihrer Niederschrift. Im Vergleich zu den Versuchspersonen in der Kontrollgruppe berichten die Teilnehmenden, die über nachhaltige emotionale Erfahrungen geschrieben haben, von besserer Stimmung, besseren Noten im
Studium, weniger Fehlzeiten am Arbeitsplatz, die Funktionen ihres Immunsystems zeigen sich verbessert und sie müssen seltener einen Arzt aufsuchen. Über schmerzliche emotionale Erfahrungen zu schreiben ist kurzfristig verstörend, hat aber sehr positive langfristige Folgen.
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