Terpene in der Waldluft stärken das Immunsystem

Waldwandern stärkt die Gesundheit. Die frische Waldluft bringt den Kreislauf in Gang, und die Begegnung mit der Natur entkrampft psychische Konflikte. Doch Wälder schützen auch direkt gegen Krankheiten.

Waldmedizin

Japanische Wissenschaftler von der Nippon Medical School in Tokyo fanden heraus: Menschen, die in Waldgebieten leben, erkranken signifikant seltener an Krebs als Menschen ohne reichen Baumbestand in ihrem Umfeld. Studien in den USA lassen den Schluss zu, dass die allgemeine Gesundheit umso besser ist, je mehr Bäume im Lebensumfeld der Menschen wachsen.

Das Immunsystem profitiert

Studien ergaben, dass ein langer und regelmäßiger Aufenthalt im Wald die Immunzellen um 40 % erhöht.

Waldtherapie

Der japanische Arzt Prof. Li entwickelte eine "Waldtherapie" und testete die direkte Auswirkung von Wäldern auf das Immunsystem. Fazit: Nach zwei Tagen im Wald hatten sich die Immunzellen der Teilnehmer verdoppelt und blieben einen ganzen Monat auf diesem hohen Level. Der Mediziner vermutete Stoffe in der Waldluft als Ursache.

Um welche Stoffe geht es?

Pflanzen stoßen sogenannte Terpene aus, das sind Botenstoffe, die andere Pflanzen vor Schädlingen warnen. Diese Terpene atmen Menschen ein, wenn sie sich im Wald bewegen, und sie könnten ein Schlüssel sein, warum unsere Abwehrzellen sich vermehren.

Menschen kommunizieren mit Bäumen

Der Biologe Clemens G. Arvay schreibt: "Unser Immunsystem kommuniziert mit dem Wald! Wir können Terpene entschlüsseln. Der Wald vergrößert nicht nur die Anzahl wichtiger Abwehrzellen in unserem Körper, er macht sie auch aktiver."

Keine esoterische Fantasie

Es handelt sich nicht um einen übersinnlichen Kontakt zu Naturgeistern, sondern um biochemische Prozesse: Unser Organismus versteht die Informationen der Terpene und reagiert wie die Bäume, die die Terpene vor Schädlingen warnen. Er rüstet das Immunsystem auf.

Ein großer Organismus

Arvay schreibt: "Wir können uns den Wald wie einen einzigen, riesengroßen und kommunizierenden Organismus vorstellen. Bäume, Sträucher und andere pflanzliche Bewohner informieren einander beispielsweise über Schädlinge, die im Anrücken sind. Dadurch können alle gemeinsam ihr Immunsystem aktivieren und sich kollektiv schützen."

Waldluft im Labor

Li und seine Mitarbeiter isolierten die wichtigsten Terpene und ließen sie in abgeschlossene Hotelzimmer strömen. Am nächsten Morgen hatten die Probanden, die in der Zimmerluft mit Terpenen geschlafen hatten, signifikant höhere Immunwerte als diejenigen in "normalen Zimmern".

Waldtherapie etabliert

Damit war der Beweis erbracht, dass die Terpene in der Waldluft wirklich das Immunsystem stärken. In der Folge etablierte sich die Waldtherapie in Japan und ist heute eine offizielle Methode, um die Gesundheit zu stärken und Krankenbehandlungen zu ergänzen.

Wirkung gegen Zivilisationskrankheiten

Die Forschung der Waldluft auf den menschlichen Organismus steht am Anfang. Doch schon jetzt gibt es einen begründeten Verdacht, dass sich der Aufenthalt im Wald positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck auswirkt.

Internationale Heilmethode

Forscher in Südkorea, den USA, Russland, Neuseeland und Deutschland arbeiten an Waldtherapien. In Deutschland entstanden mit "Mensch & Wald" sowie der "Deutschen Gesellschaft für Naturtherapie, Waldmedizin und Green Care" zwei Fachgesellschaften, die ihren Schwerpunkt auf angewandte Waldmedizin setzen.

Qualifizierte Ausbildung

"Waldtherapeuten" arbeiten in Deutschland mit geprüften Methoden:"Ordentliches Mitglied in der "Deutsche Gesellschaft für Naturtherapie, Waldtherapie/Waldmedizin und Green-Care" (DGN e.V.) kann werden, wer eine Aus- und Weiterbildung in Methoden der Naturtherapien nach den Standards der DGN e.V. absolviert hat und/oder in klinischen, heilpädagogischen, soziotherapeutischen, präventiven und persönlichkeitsbildenden Bereichen mit Mitteln der neuen Naturtherapien über drei Jahre einschlägig tätig ist und über eine entsprechende akademische Ausbildung verfügt. Abweichend von dieser Regelung kann bei Vorliegen vergleichbarer Qualifikationen die Äquivalenz anerkannt werden."

Erfolge

Waldtherapie ist eine neue Naturtherapie. Bisher zeigen sich Erfolge besonders bei Depressionen, Belastungen durch Stress und psychosomatischen Erkrankungen.

Terpene in der Krebsmedizin?

Studien lassen vermuten, dass unter den Terpenen besonders die Limonene und Pinene die Abwehr von Tumoren fördern. Sie finden sich von Nadelbäumen und anderen Immergrünen. Hier könnte sich eine große Chance für die Chemotherapie ergeben.

Keine Wildnispädagogik

Die Waldtherapie ist weder Wildnispädagogik noch Survivaltraining.

Zivilisation schwächt das Immunsystem

Arvay kommt zu dem Schluss: "Kontakt zu Ökosystemen auf stofflicher und mentaler Ebene führt zu einer Rebalance unserer Organfunktionen und unseres Immunsystems. Wir Menschen sind Naturwesen und dieser Tatsache muss eine Medizin der Zukunft gerecht werden."

Naturheilkunde: Die Medizin aus dem Regenwald

Der Regenwald ist die größte Apotheke der Erde, und hier verbergen sich möglicherweise noch weit mächtigere Stoffe, um Krankheiten zu besiegen als die Terpene gemäßigter Klimazonen.

Schamanismus: Die Urform der Medizin
Schamanen bei sogenannten Naturvölkern glauben, dass in Pflanzen Geister leben, mit denen Menschen in Verbindung treten können. Auch wenn chemische Botenstoffe kein Bewusstsein haben, war und ist die schamanische Vorstellung richtig. Die Biochemie von Menschen und Pflanzen kommuniziert nämlich ganz real.

Regelmäßige Waldspaziergänge

Die Konsequenz aus der Kommunikation zwischen menschlichem Immunsystem und der Botschaft der Bäume ist einfach: Je regelmäßiger wir im Wald wandern, umso stärker wird unsere Immunabwehr, und umso stabiler bleibt sie auf hohem Niveau.

(Dr. Utz Anhalt)