Nur noch raus zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen: Im Kampf gegen die Corona-Epidemie ist in Frankreich am Mittag die Ausgangssperre in Kraft getreten. Im Elsass werden unterdessen die Intensivbetten knapp.
Macron
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Gestern Abend hatte Präsident Emmanuel Macron die Ausgangssperre im Fernsehen angekündigt - seit dem Mittag gilt sie. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, dürfen die Bürger in Frankreich in den kommenden 14 Tagen ihre Wohnungen in der Regel nicht mehr verlassen - es sei denn, sie haben zwingende Gründe. Die können beruflich oder medizinisch sein, oder es geht ums Einkaufen von Lebens- und Arzneimitteln.

Ausnahmen gelten unter anderem bei "zwingenden familiären Gründen" - etwa zur Betreuung eines gebrechlichen Angehörigen oder von Kindern, da Schulen und Kindertagesstätten seit gestern landesweit geschlossen sind. Auch eine kurze sportliche Betätigung in der Nähe der Wohnung ist erlaubt, sofern man dabei allein ist, sowie das Gassigehen mit Hunden.

Geldbußen bis 135 Euro

Hunderttausend Polizisten und Gendarme sollen überwachen, ob die Ausgangssperre eingehalten wird. Innenminister Christophe Castaner kündigte fest installierte und mobile Kontrollen im ganzen Land an. Wer gegen die Regeln verstößt, könne mit Strafen zwischen 38 und 135 Euro belegt werden. Jeder und jede, die sich nach Beginn der Ausgangssperre außerhalb ihrer Wohnung aufhalten, müssten schriftlich nachweisen, dass der Ausgang notwendig ist. Dazu stellt die Regierung Formulare zum Runterladen bereit, akzeptiert aber auch handgeschriebene Formulare bei allen, die keinen Computer und Internetzugang haben.

Viele französische Unternehmen sind der Empfehlung der Regierung gefolgt und lassen ihre Mitarbeiter nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten. Vor Supermärkten in Ballungsgebieten bildeten sich erneut lange Schlangen. Macron hatte zur Begründung der Ausgangssperre gesagt, das Land befinde sich in einem "Gesundheitskrieg" gegen das Virus. In Frankreich gab es bislang mehr als 6600 Infektionen und 148 Tote.

Krankenhäuser im Elsass überlastet

Besonders stark betroffen ist das an Deutschland grenzende Elsass. Dort sind die Intensivstationen überlastet. Die Präfektur Region Grand-Est, zu der das Elsass gehört, teilte mit, besonders im Gebiet um die Städte Mülhausen und Colmar seien die Krankenhäuser überfüllt. Weiter nördlich um Straßburg seien die Intensivstationen "weitgehend belegt". Nach Angaben der Präfektin Josiane Chevalier fehlt es im Elsass an Betten, Atemschutzmasken, Beatmungsgeräten und medizinischem Personal. Die französische Regierung plant, Feldlazarette für den Osten Frankreichs zur Verfügung zu stellen. Die Armee hat nach eigenen Angaben derzeit eine Kapazität von 30 Betten zur Intensiv-Behandlung.