Julian Assange kündigte am Montag ein Fernsehprojekt an. Nun hat er die Ausstrahlungsrechte nach Russland verkauft. Ein Deal mit Symbolcharakter.
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Die Sache birgt eine gewisse Ironie. Ausgerechnet Julian Assange, der sich mit seiner Enthüllungsplattform Wikileaks mit den Mächtigen dieser Welt anlegte, jener Mann also, der sich stets für Werte wie Demokratie und Fortschritt einsetzte, verkauft nun die Lizenzen seiner Anfang Woche angekündigten Talksendung an den russischen Staatssender Russia Today. Das schreibt die britische Zeitung The Guardian.

Wie eng in Russland Demokratie und Medienfreiheit zusammenhängen, zeigt die Rangliste der Pressefreiheit, die Reporter ohne Grenzen (ROG) in diesem Jahr zum 10. Mal herausgibt. Russland belegt im aktuellen Ranking Platz 142, gleich dahinter kommen Länder wie Mexiko und Afghanistan.

Russia Today gilt als englischsprachiger Propagandakanal des Kremls. Die russischen Senderverantwortlichen wollen die zehnteilige Interviewreihe mit «politischen Playern, Vordenkern und Revolutionären» des Wikileaks-Gründers ab Anfang März ausstrahlen. Die Serie wird The World Tomorrow heissen. Wie viel Geld Assange vom russischen Sender erhalten wird, ist nicht bekannt.

«Schämen Sie sich, Mr Assange!»

Der Deal mit Russia Today wird bereits heftig kritisiert. Alexander Lebedev, der russische Eigentümer der britischen Tageszeitungen Independent und London Evening Standard, kommentierte auf Twitter: «Schämen Sie sich, Mr Assange! Man kann sich schwerlich ein armseligeres Ende für einen Herausforderer der Weltordnung vorstellen als das eines Angestellten des staatlich kontrollierten Russia Today

Über die inhaltliche Ausrichtung Assanges Fernsehprojekt ist wenig bekannt. Ausser dass er sich mit seinen prominenten Gästen über Themen wie «Verfall der Rechtsstaatlichkeit» oder «Attacken auf das freie Internet» unterhalten möchte. Aufgenommen werden die 30-minütigen Gespräche in Grossbritannien, die erste Sendung soll vor der ersten Verhandlung vor dem Obersten Gericht aufgezeichnet werden, die am 1. Februar stattfindet.

TV-Deal mit Symbolcharakter

Dass der Wikileaks-Gründer die Lizenzen seiner Sendung einem russischen Sender verkauft, hat auch gewissen Symbolcharakter. Als die Enthüllungsplattform noch aktiv war, veröffentlichte sie unter anderem Geheimdokumente der US-Regierung und des Pentagons. Ausserdem hat sich das Verhältnis zwischen den USA und Russland in den letzten Monaten stark abgekühlt. Assange wird vom russischen Sender als der bekannteste Cyberspace-Aktivist angekündigt, als «Pionier einer gerechteren Welt und als Opfer der politischen Repression».

Assange lebt seit Dezember 2010 unter Hausarrest auf dem Landgut eines Freundes in England. Der Gründer von Wikileaks kämpft juristisch gegen eine Auslieferung an Schweden. Der Australier wird von der schwedischen Justiz verdächtigt, im Sommer 2010 eine Frau vergewaltigt und eine andere sexuell belästigt zu haben. Der beschuldigte Assange bestreitet die Vorwürfe der beiden Frauen.

Schweden hatte einen EU-weiten Haftbefehl erlassen, auf dessen Grundlage Assange am 7. Dezember 2010 in London verhaftet wurde. Dies nachdem sich Assange freiwillig bei der Polizei gemeldet hatte.

Assange vermutet hinter den Bemühungen Schwedens um seine Auslieferung wegen Vergewaltigungsvorwürfen den Versuch, ihn letztlich an die USA auszuliefern. Das Vorgehen der schwedischen Justiz bezeichnet Assange als «sehr merkwürdig und ungewöhnlich».