
Györ/Berlin - Während es in Deutschland derzeit vor allem nachts noch klirrend kalt ist, versprechen die Meteorologen für kommende Woche zumindest etwas Besserung. Allerdings wird es lediglich etwas milder - der Deutsche Wetterdienst sagt nasskalte Tage voraus. Andere europäische Länder traf der erneute Wintereinbruch deutlich heftiger. Vor allem im Osten legten am Freitag Schneestürme und Unwetter den Verkehr lahm und sorgten für ein Chaos auf den Straßen.
Besonders heftig traf es Menschen in Ungarn, wo Tausende die Nacht über in endlosen Staus feststeckten. Andere schliefen in Notunterkünften. Innenminister Sandor Pinter rief am Freitag Katastrophenalarm aus. Insgesamt seien bei Unfällen drei Menschen getötet und 76 weitere verletzt worden, erklärte er. Bei einem Unwetter in Bulgarien wurden mehrere Menschen verletzt, eine Frau kam ums Leben. In Kasachstan musste wegen starken Schneeregens die für Freitag geplante Rückkehr von drei Raumfahrern der Internationalen Raumstation ISS verschoben werden.
Über das Wetter schimpfen aber auch die Menschen weiter im Süden: Auf der spanischen Ferieninsel Mallorca beispielsweise ist es ungewöhnlich kalt - in den Urlauberzentren am Meer war es am Freitagvormittag kaum wärmer als acht Grad. In den Bergen lag sogar Schnee. Die Türkei wurde unterdessen von schweren Regenstürmen getroffen, die Hausdächer abdeckten und Bäume umstürzten. An der Mittelmeerküste gab es hohe Wellen, in denen mehrere Fischerboote sanken.
- DEUTSCHLAND: Tief "Andreas" soll in den kommenden Tagen dicke Wolken bringen, die je nach Temperatur Regen oder Schnee abladen. Die Temperaturen steigen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach auf magere neun Grad plus. Zum Frühlingsanfang am nächsten Mittwoch (20. März) erwarten die Meteorologen viele Wolken, Regen oder Schnee und einstellige Temperaturen.
- UNGARN: Schneeverwehungen, glatte Fahrbahnen, Unfälle und querstehende Lkws brachten den Verkehr zum Erliegen. Auf der M7 kam es zu zwei Massenkarambolagen. Tausende Fahrzeuge steckten fest, mehr als 50 Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten, fünf Eisenbahnlinien lahmgelegt. "Seit Menschengedenken gab es bei uns nicht solche Wetterverhältnisse", sagte Innenminister Pinter. In Ostungarn blieben Zehntausende Menschen ohne Strom, nachdem vom Wind umgeworfene Bäume die Überlandleitungen beschädigt hatten. Für Freitag, den ungarischen Nationalfeiertag, wurden alle staatlichen Feiern abgesagt.
- SLOWAKEI: Stürme und Schneeverwehungen ließen den Autoverkehr in mehreren Bezirken zusammenbrechen und behinderten den Zugverkehr. Allein im Bezirk Komarno an der ungarischen Grenze mussten Menschen aus 300 Wagen in Notlager einquartiert werden.
- UKRAINE: Vor allem der Westen des Landes leidet unter dem Winterwetter. Wegen starker Schneefälle fiel in zahlreichen Ortschaften der Strom aus. In der Großstadt Lwiw (Lemberg) herrschte Medien zufolge Winterchaos. Mehrere Straßenbahnen seien entgleist. In den Karpaten stecken nach Polizeiangaben 200 Lastwagen fest. Nahe der Grenze erfror ein Flüchtling aus Sri Lanka, zwei weitere kamen stark unterkühlt in eine Klinik. Wie der Grenzschutz mitteilte, hatten ukrainische Schlepper die Flüchtlinge durch 70 Zentimeter hohen Schnee nahe an die Grenze gebracht und dort zurückgelassen.
- POLEN: Auf der A4 zwischen Tarnów und Brzesko kam ein Reisebus mit 55 israelischen Touristen bei Glatteis von der Straße ab und stürzte gegen die Autobahnbegrenzung, berichtete der Nachrichtensender "TVN24". Die Reisenden blieben unverletzt. Nach vielen Unfällen verhängte die Verkehrspolizei zudem ein Fahrverbot für Lastwagen auf der sogenannten Zakopianka von Krakau nach Zakopane.
- TSCHECHIEN: Bei Wintersportlern sorgte das kalte Wetter noch einmal für Freude: Zahlreiche Skipisten in den böhmischen Mittelgebirgen verlängerten die Saison um einige Tage. Im Riesengebirge um Harrachov lag mehr als ein Meter Schnee.
- BULGARIEN: Heftiger Wind riss Dächer ab und Bäume um. Zahlreiche Orte waren ohne Strom. Eine 34-jährige Frau starb, als ein Baugerüst auf sie stürzte.
- RUSSLAND: In Russland stieg die Zahl der Kältetoten in diesem Winter auf mehr als 300. An Erfrierungen oder Unterkühlungen seien bisher 305 Menschen gestorben, meldete die Agentur Interfax. Medien berichten von den stärksten März-Schneefällen seit 50 Jahren. Die Hauptstadt Moskau rüste sich für einen Schneefall, wie es ihn seit 130 Jahren nicht mehr gegeben habe, schrieb die Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda". Es soll das ganze Wochenende schneien.
- MALLORCA: Für Mallorca und die anderen Inseln der Balearen gaben die Behörden Sturmwarnungen. In den Höhenlagen Mallorcas wurde nach Angaben des Wetteramts Aemet eine Temperatur von null Grad gemessen.
- FRANKREICH: Nach mehreren Tagen des Ausnahmezustands hat sich die Wetterlage in Frankreich weitestgehend entspannt. Die Beseitigung der durch Eis und Schnee entstandenen Schäden wird allerdings dauern. Die französischen Versicherer rechnen nach einer Zwischenbilanz mit Kosten in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro
dpa



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