Neue Fotos der Raumsonde europäisch-amerikanischen Cassini liefern erstmals detaillierte Nahaufnahmen eines bislang aufgrund des nördlichen Saturnwinters nicht sichtbaren gewaltigen permanenten Hurrikans über dem Nordpol des Ringplaneten. Dieser bildet das Zentrum einer der mysteriösesten natürlichen Strukturen im Sonnensystem, wird er doch von einer atmosphärischen stets konstanten Sechseck-Struktur, dem sogenannten Saturn-Hexagon eingerahmt.
Polarwirbel Saturn
© NASA/JPL-Caltech/SSIFalschfarbendarstellung des nördlichen Polarwirbels auf Saturn.
Pasadena (USA) - Die neuen hochauflösenden Aufnahmen gelangen am 27. November 2012 und zeigen einen Blick ins Auge des etwa 2.000 Kilometer durchmessenden und sich an seinem Außenrand mit bis zu 150 Metern pro Sekunde drehenden Wirbelsturms sowohl im Einzelbild als auch im Video.

Rund zwanzig Mal größer als irdische Hurrikans könnte ein Studium dieses Wirbels den Wissenschaftlern auch neue Erkenntnisse über derartige Wirbelsystem auf der Erde ermöglichen, wie sie von warmen Ozeanwasser "befeuert" werden. Auch wenn es auf Saturn keine Wasserkörper gibt, nutzt wohl auch dieser Wirbelsturm Wasser in der Atmosphäre des Saturns, um sich zu erhalten.

Polarwirbel Saturn
© NASA/JPL-Caltech/SSIEine Frage der Perspektive: Die Totale zeigt den, erneut rot eingefärbten, Wirbel gewaltigen Wirbel im Innern des noch gewaltigeren "Saturn-Hexagons"
Ebenso wie irdische Hurrikans, so besitzt auch jener über dem Saturnnordpol ein wolkenfreies nahezu windstilles sogenanntes "Auge" in seinem Zentrum, das von einer Wand aus Höhenwolken eingerahmt wird, die sich - da über der Nordhalbkugel - gegen den Uhrzeigersinn dreht.

Ein deutlicher Unterschied zu irdischen Hurrikans besteht jedoch in der Größe des Saturnwirbels und in den erreichten Geschwindigkeiten. Die Winde in der Wand zum Auge wehen auf Saturn fast vier Mal stärker als auf der Erde und während irdische Hurrikans sich in der Regel fortbewegen und dabei gewaltige Zerstörungen anrichten können, verharrt der Saturnwirbel stets über dem Nordpol des Ringplaneten.


"Tatsächlich kann der nördliche Hurrikan auf Saturn aufgrund der Rotation des Planeten und starker Winde in der Atmosphäre auch nirgends anders hin", erläutert Kunio Sayanagi vom Cassini-Team an der Hampton University in Hampton.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Saturnwirbel bereits mehrere Jahre existiert. Während sich der Hurrikan schon bei der Ankunft von Cassini 2004 auf Infrarotaufnahmen und spektrografischen Analysen abzeichnete, konnte er erst 2009 auch auf visuellen Aufnahmen bestätigt werden, da sich der Nordpol des Saturn bis dahin noch im dunklen polaren Saturnwinter befand. Auch musste die Sonde, die den Saturn normalerweise auf einer über dessen Äquator umkreist auf eine andere Umlaufbahn gebracht werden, die nun auch einen Blick auf die Polarregionen des Planeten ermöglichte.




Quelle: NASA/JPL