Im Rahmen der ARD-Aktion "Deine Meinung zählt!" hatte der Sender WDR eine repräsentative Umfrage beim Institut Infratest dimap in Auftrag gegeben. Bundesweit wurden 2.084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahren befragt.
Beamte in der gesetzlichen Rente "ein Verlustgeschäft"
Gerade die Diskussion um Beamte in der gesetzlichen Rente ist nicht neu. Erst Anfang dieses Jahres hatte sich Ökonom und Rentenexperte Axel Börsch-Supan dazu geäußert. Für ihn ist klar: Die Pensionen müssen weg.
Im Austausch mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) erklärt er dazu: "Ich halte das für sehr sinnvoll, und zwar aus dem einfachen Grund, dass Beamte verstehen sollen, wie die gesetzliche Rente funktioniert." In seinen Augen tun sie das "nämlich nicht, weil sie ein ganz anderes System haben, aber sie sind ja immerhin für unseren Staat zuständig."
Rein aus finanzieller Sicht könnte es laut Börsch-Supan allerdings auch "ein Verlustgeschäft sein". Im SZ-Bericht erklärt er, dass die Beamten länger leben und daher die Rentenversicherung mehr belasten würden. Und doch wäre es ein guter Schritt, denn "dann wäre das dauernde Unbehagen über die Besserbehandlung der Beamten erledigt".
Der Beamtenbund wehrt sich gegen Forderungen
Und genau an diesem Punkt des "Unbehagens" setzt der dbb beamtenbund und tarifunion an. Auf Nachfrage von echo24 hat sich der dbb‑Bundesvorsitzende Volker Geyer zu der immer wiederkehrenden Forderung geäußert: "Bei dieser Debatte geht es offenbar mehr um 'gefühlte Gerechtigkeit' als um Fakten und nachhaltige Verbesserungen für die Rentenversicherung und die Staatsfinanzen."
Laut Geyer ist eine "Zwangseinheitsversicherung nicht finanzierbar und würde den Steuerzahler noch teurer kommen als das bisherige System". Geyer: "Wir reden dabei von mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr. Schließlich müsste der Staat als Arbeitgeber jeden Monat 9,3 Prozent des Beamten-Einkommens als Rentenversicherungsbeitrag bezahlen."
Außerdem, so erklärt es der dbb-Vorsitzende, müsste die Besoldung zudem um weitere 9,3 Prozent erhöht werden, damit die Beamten ihren Beitrag abführen können. Die Rentenversicherung selbst geht laut Geyer zudem davon aus, "dass eine Einbeziehung der Beamten nichts bringt, schon wegen ihrer zu erwartenden Rentenansprüche und durchschnittlich höherer Lebenserwartung".
Geyers Vorschlag: "Was der Rentenversicherung wirklich helfen würde, wäre eine Finanzierung sozialpolitischer Leistungen wie Bürgergeld, Ost- und Mütterrente durch Steuermittel. Daran wären dann solidarisch alle beteiligt, nicht nur die gesetzlich Versicherten."
Positive Effekte von Beamten in der gesetzlichen Rente nur bis 2070
Das Argument, dass mit den Beamten zwar mehr Menschen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen würden, dafür aber auch die Belastung steigen würde, hat sich der WDR in einer Analyse bereits im Dezember 2025 angeschaut.
Wie viele Beamte gibt es in Deutschland?Unter Berücksichtigung von Daten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zeigt sich, dass sich die positiven Effekte voraussichtlich ab Mitte der 2070er-Jahre aufheben würden und die gesetzliche Rentenversicherung vor den gleichen Problemen stünde wie heute.
In Deutschland gibt es aktuell knapp zwei Millionen Beamtinnen und Beamte (inklusive Richter), wie Daten des Statistischen Bundesamtes vom Mai 2026 zeigen. Die Mehrheit davon ist in den Bereichen Bildung (Schulen) sowie öffentliche Sicherheit und Ordnung tätig.
Rechnet man Soldaten und angestellte Kräfte dazu, umfasst der gesamte öffentliche Dienst rund 5,1 Millionen Beschäftigte. Davon sind 54,6 Prozent aller Beamten sind in Schulen und bei der Polizei im Einsatz. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
Dazu erklärte Martin Werding, Sozialökonom und Mitglied im Sachverständigenrat: "Wenn wir zwei Alterssicherungssysteme zusammenführen, die beide nicht ordentlich vorfinanziert sind, dann kommt nirgendwo zusätzliches Geld ins Spiel."
Weitere Daten der WDR-Umfrage
In einer Pressemitteilung des WDR zur aktuellen Auswertung heißt es noch, dass 67 Prozent auch eine stärkere Orientierung der Rente an den Beitragsjahren befürworten würden, damit Menschen, die später in das Berufsleben einsteigen, grundsätzlich länger arbeiten müssen. Jeder Vierte (25 Prozent) fände das falsch.
Eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung wird hingegen mehrheitlich abgelehnt (64 Prozent); 29 Prozent würden einen solchen Schritt begrüßen. Auch ein System, in dem die Beiträge zur Rentenversicherung gesenkt, die gesetzliche Rente auf ein Minimum reduziert und stärker auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger gesetzt wird, sehen die Befragten kritisch: 69 Prozent fänden das falsch, 23 Prozent richtig.




Kommentar: Es gibt bereits mehrere Städte und Kreise in Deutschland, die Einstellungsstopps verhängen und keine weitere Verbeamtung mehr durchführen. Weil es auch hohe Kosten für Städte und Kreise sind.
Zumal es ein sehr emotionales Thema ist und nicht auf einmal umgestellt werden kann. Und es darf nicht vergessen werden, dass Beamte eine 41-Stunden-Woche haben und auch viele Zulagen wegfallen. Plus Arztrechnungen, die zuerst privat gezahlt und dann eventuell von der privaten Krankenversicherung und Beihilfe zurückerstattet werden. Aber das ist nicht garantiert, dass man alle Kosten erstattet bekommt.