Umgestürzte Bäume, sintflutartiger Regen und Schnee - dieser Mai hätte eher den Namen November verdient. Der gesamte Frühling 2013 war nass, zu kalt und auch die Sonne ließ sich zu selten blicken.
regen, kind
© dpaZu nass, zu kalt, zu langer Winter...
Zumindest verteilt das Wetter den Niederschlag gerecht über Deutschland: „Jeder ist jetzt mit dem Hochwasser mal dran gewesen“, sagt Wetterexperte Dominik Jung von wetter.net. In Hessen und Niedersachsen überschwemmten gestern Wassermassen Straßen. Im Norden und in der Mitte der Bundesrepublik fielen teilweise mehr als 50 Liter pro Quadratmeter. Mittlerweile sind die Regenmassen auch im Süden angekommen. Sogar Schnee brachte der vermeintliche Wonnemonat Mai in seinen letzten Tagen im Erzgebirge, im Thüringer Wald, im Harz, im Schwarzwald oder auf der Wasserkuppe in Hessen.

Es scheint, das Weihnachtswetter hätte sich in diesem Jahr leicht verspätet

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet, dass die Höchsttemperaturen vergangenen Samstag niedriger lagen als die Werte, die fünf Monate zuvor, am 25. Dezember 2012 gemessen wurden. Während das Thermometer damals in Hamburg 12° Celsius, in Berlin 13° und in München 15° anzeigte, brachten es die Temperaturen vergangenen Samstag nur auf 10° bis 11°. Auch in Österreich ist es seit Tagen sehr kühl für die Jahreszeit. In der Schweiz sollen die letzten fünf Monate so wenig Sonnenstunden gebracht haben, wie seit über 50 Jahren nicht mehr.

Ganz außergewöhnlich ist ein solch trüber Frühling jedoch nicht. Tiefe Temperaturen, wenig Sonne und Nachtfrost gab es im Mai in der Vergangenheit immer mal wieder. Mit der Klimaerwärmung muss das Wetterchaos ebenfalls nicht in Zusammenhang stehen. Denn Einzelquartale sagen nichts über Klimaänderungen aus. Vielmehr müssen dafür viele Jahre betrachtet werden. Meteorologen schauen etwa 30 Jahre oder mehr an, um einen Klimatrend anzugeben.


Diesjährige Frühlingstendenzen

Auch wenn das diesjährige meteorologische Frühlingsquartal - vom 1. März bis zum 31. Mai - noch nicht vollständig abgeschlossen ist, gibt es bereits Tendenzen. Nach Angaben des DWD wird dieser Frühling im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt um etwa ein Grad zu kalt ausfallen. Zudem brachte es zehn Prozent weniger Sonnenschein. Insbesondere der Mai war zu nass.

„Die Kombination aus viel Regen und zu wenig Sonne macht uns in diesem Jahr zu schaffen“, sagt Uwe Kirsche vom DWD, „deshalb empfinden wir den Frühling als unangenehm.“ Die Deutschen sind das nicht mehr gewohnt. Im vergangenen Jahr lag die Temperatur bei +1,2° Celsius im Gegensatz zum langjährigen Mittel, 2011 sogar bei +1,6°. „Der Frühling ist unangenehm, aber nicht außergewöhnlich“, sagt Kirsche. 2010 waren März, April und Mai um 0,8 Grad kälter als der Durchschnitt, 2006 ebenfalls um fast ein Grad.

Der letzte Frühling, der so kalt war wie dieser, liegt laut Meteorologe Dominik Jung allerdings schon 40 Jahre zurück. „Derzeit liegt die mittlere Temperatur für den Frühling 2013 bei 6,1 Grad“, sagt Jung. Eine Durchschnittstemperatur von nur 6 Grad soll zuletzt das Frühjahr 1970 gehabt haben.

Eiseskälte im MaiLandwirten und Einzelhandel macht der Frühling zu schaffen

Das nasse Wetter macht vielen Landwirten Sorge. Zudem habe das schlechte Wetter für „verheerende“ Umsatzeinbußen bei Gastronomen gesorgt, weil diese auf Laufkundschaft und Touristen angewiesen seien, sagte der rheinland-pfälzische Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Gereon Hauman. An allen Feiertagen seit Ostern sei das Wetter schlecht gewesen. Auch die Modebranche verbuchte eine schlechte Saison. Frühlings- und Sommerkleidung blieb vielfach in den Regalen liegen.

Was der Sommer bringt bleibt ungewiss

Ob der Sommer die Verluste des Frühlings wieder aufholt, bleibt fraglich. „Leider bilanziert das Wetter hier nicht“, sagt Kirsche. Für diesen Sommer gibt es laut DWD keinen eindeutigen Trend. Die Wahrscheinlichkeit für einen kalten, mittleren oder warmen Sommer sei in etwa gleich verteilt.

Kleiner Lichtblick in Sicht

Zumindest die Temperaturen sollen diese Woche ansteigen. Regnen wird es vorerst weiterhin. Zum Mitte der Woche könne laut Kirsche aber ganz im Westen und im äußersten Osten der Republik die Sonne vorbeischauen.