Storchenbeauftragte Ute Reinhard spricht von einem Katastrophenjahr

Der Storch bringt die Babys, heißt es in einer Redensart. Doch mit dem eigenen Nachwuchs hat das Federvieh in diesem Jahr ziemliche Probleme: „Das Jahr ist ein Katastrophenjahr, ganz klar“, stellt Ute Reinhard fest. Die Beauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen für Weißstörche koordiniert deren Schutz in Baden-Württemberg und muss es wissen. „Insgesamt sind bis zu 80 Prozent der Jungstörche umgekommen“, sagt sie. Schuld sei meist das nasskalte Wetter der vergangenen Wochen. Die Situation um Friedrichshafen sei zwar weniger dramatisch, jedoch auch alles andere als positiv.

Friedrichshafen - Auf dem Lettenhof in Kluftern starben zwei von vier Jungstörchen. Während der Älteste wegen einer Missbildung aus dem Horst fiel, kam der Jüngste aufgrund des schlechten Wetters ums Leben. „Wenn die jungen Störche zwischen vier und fünf Wochen alt sind, dann wird’s gefährlich“, schildert Rudolf Moser, der im Jahr 2004 den Horst auf einer Streuobstwiese gebaut hat und seitdem die Störche zusammen mit seiner Frau betreut. Statt Federn haben die Jungstörche noch Daunen, sind allerdings schon zu groß, um komplett von den Flügeln der Eltern bedeckt zu werden. Ohne wärmende Federn überlebt kaum ein Storch die lang anhaltende Kälte und die heftigen Niederschläge der vergangenen Wochen.

Mehr Glück hatten die Störche hingegen in Riedern bei Efrizweiler. Dort überlebten zwei von drei Jungstörchen im Horst „Haus am Wald“ bei Familie Wurst. „Die Eltern haben sich mit Füttern abgewechselt und immer die Jungen mit ihren Federn bedeckt“, berichtet Larissa Wurst. Ute Reinhard beringte die zwei jungen Störche dann Anfang Juni.

Noch sei unklar, ob das Jahr 2013 schlimmer werde als 2007, „weil es noch keinen Überblick über den Bruterfolg gibt“, begründet die Storchenbeauftragte Reinhard. Auch damals seien rund 80 Prozent der Jungstörche verendet. Spätestens Ende Juli oder Anfang August, wenn die letzten Nachzügler geschlüpft sind, steht fest, wie hoch die Sterberate in diesem Jahr ist.

Dass das katastrophale Jahr die Population der Weißstörche insgesamt nachhaltig beeinträchtige, sieht Ute Reinhard aber nicht: „Seit 2004 verzeichnen wir Jahr für Jahr steigende Rückkehrquoten aus den Winterquartieren.“